Montevideo, Punta del Este, Nuevo Helvecia, Bahia Blanca, Viedma, Puerto Madryn, Punta Ninfas, Playa Escondido, Ruta 12, Trevelin, Bariloche, Villa La Angostura

Es ist lang nicht mehr passiert, doch heute Abend warte ich nach der Landung in Montevideo leider vergebens auf mein kleines Gepäck, dessen wichtigster Inhalt eine neue Lichtmaschine für Wally ist.

Zurück bei Wally, kommt erstmal das große Frösteln, denn nachts geht es unter Null und ich mache morgens die Biege, um bei den mir bereits bekannten Holländern ein paar Tage abzuhängen, mich einzuleben und vor allem, mein Gepäck ausfindig zu machen was auch gelingt. Schlussendlich muss ich selbst zum Flughafen fahren, da der Zoll meinen grünen Sack einkassiert hat. Schnell lassen sie mich mitsamt Lichtmaschine laufen und ich mache mich auf Richtung Osten.

Jetzt im August, herrscht absolute Nebensaison und es ist ziemlich kühl, windig und regnerisch aber herrlich Touristenfrei.

Uruguay hat wirklich schöne Strände, auch wenn Punta del Este mit seinen Bettenburgen nicht wirklich attraktiv ist, gibt es nette Ecken.

Das Wetter will nicht so richtig mitspielen, zudem kämpfe ich mit einer hartnäckigen Bronchitis. 

Ich drehe eine Runde, und begebe mich anschließend zum Paraiso Suizo, geführt von Schweizern und bekannter und beliebter Overlander Treffpunkt direkt am Meer gelegen, eine gute Stunde östlich von Montevideo.

Einige wenige Reisende sind da, entweder gerade mit dem Frachter aus Europa gekommen oder sich vorbereitend auf die Rückreise.

Das Wetter ist nun sonnig und angenehm. Den Strand vor der Tür, Waschmaschine, Wifi und heiße Dusche lassen mich 10 Tage verweilen bis ich die Bronchitis im Griff habe, dann mache ich mich auf Richtung argentinischer Grenze. Weit komme ich nicht. Es ist sehr windig, auf einmal gibt es einen fürchterlichen Knall und ich sehe das Solarpanel rechts am Sandblech baumeln. Himmel, ich wußte zwar, dass ich dauerhaft was machen muß, da es geklebt war und nicht mehr ganz fest, weshalb ich es schon mit einem Gurt gesichert hatte aber damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich drehe um, und fahre zum Storage, wo sich die Jungs nicht schlecht wundern, als ich schon wieder vor der Tür stehe. Dank ihrer vielen Kontakte habe ich 5 Stunden später exakt dasselbe Panel wieder drauf, diesmal geschraubt. Am nächsten Morgen geht es mit einem Zwischenstopp in Nuevo Helvecia in Fray Bentos über die Grenze nach Argentinien und ab nach Süden. Nach mehreren Tagen öder Fahrerei, erreiche ich schließlich die Küste südlich von Bahia Blanca.

Hinter dem kleinen Kaff El Condor fängt die Steilküste an. Im Sandstein der Klippen brüten tausende grün/gelber Papageien. Jetzt im August sind noch nicht alle anwesend aber genug, um ihre Flugkünste über dem Meer beobachten zu können.

Weiter geht es an diesem tollen einsamen Küstenabschnitt mit Stränden, hohen Sanddünen, Flamingos und natürlich super Wildcamping Möglichkeiten. Auch ein paar Weichsand Abschnitte gibt es, durch die ich es gerade eben ohne Luft aus den Reifen zu lassen schaffe.

Nach ein paar Tagen erreiche ich Asphalt und kurz darauf leuchten sämtliche Lichter am Armaturenbrett auf, kann nur bedeuten... Lichtmaschine. Trotzdem stelle ich den Motor ab und prüfe erstmal den Ölstand aber alles o.k. und klar, anspringen mag Wally nun nicht mehr. Also Kabel raus, selbst überbrücken und die ganzen 300 Kilometer an einem Stück nach Puerto Madryn. Es ist natürlich Sonntag und so stelle ich mich in der vermüllten Gegend des auserkorenen Mechanikers vor die Tür. Die Nächte sind auch hier noch frostig jetzt Ende August und es geht an Null. Am Morgen müssen die Jungs die dicke Batterie anschließen, um Wally zum Leben zu erwecken. Der Chef ist ein netter Typ, ich drück ihm meine neue Lichtmaschine in die Hand, aber das deutlich günstigere chinesische Teil ist auch deutlich größer als das Original und so zieht sich der Einbau, weil die Halterung angepasst werden muss. Ich übernachte erneut bei ihnen vor der Tür, Wally springt wieder anstandslos an und so kann ich meine Besorgungen im herrlich übersichtlichen Puerto Madryn machen. Anschließend fahre ich zur 16 Kilometer entfernten Playa Cantera, wo mir beim Blick auf die Bucht fast die Augen aus dem Kopf fallen.

Wale, riesig, überall! Und das ein paar Meter vom Ufer entfernt, toll!

Der erhöhte Parkplatz ist gut zum Beobachten, mir aber zu öffentlich und so suche ich mir ein paar Kilometer weiter meinen ganz privaten Platz an der Bucht und staune erstmal nur.

Mein Strand für die nächsten Wochen, einmal rechts, einmal links.

Und Wale in einer unglaublichen Konzentration ein paar Meter vom Ufer entfernt.

Es handelt sich um Südkaper aus der Familie der Glattwale bzw. Bartenwale. Die Weibchen bringen hier nach einjähriger Tragzeit ihr Junges zur Welt. Sie sieben ihre Nahrung durch diese Barten und werden bis zu 18 Meter lang und 80 Tonnen schwer. Ich habe sie schon mal in Südafrika vom Ufer aus sehen können, doch hier scheint es deutlich mehr zu geben. Weiter draußen springen sie weit aus dem Wasser, das Knallen hört man bis hierher, immer wieder, teils bis zu einer halben Stunde am Stück.

Nachdem ich mich eingelebt und vorerst satt gesehen habe, nehme ich einen Ortswechsel vor.

Gemeinsam mit Markus, fahre ich zum ca. 100 Kilometer entfernten Punta Ninfas, welches herrlich einsam an der Steilküste liegt.

Die See Elefanten Saison ist auch langsam am Starten. Wir steigen einen Weg an den Klippen hinunter zum Strand, und können zumindest schon einige Tiere am Strand entdecken.

Herrlich ist es hier, und das Wetter spielt auch mit, sodass sogar mal die Stühle zum Einsatz kommen und die ein oder andere Stunde draußen verbracht werden kann. Jeden Tag geht es hinunter zu den Rüsseltieren. 

Nach einer Woche fahren wir retour nach Puerto Madryn zum shoppen, und anschließend wieder zur Wal Bucht am Golfo Nuevo.

Die Tage vergehen mit langen Spaziergängen, aufs Wasser starren, Seele baumeln lassen und einmal die Woche ins Kaff fahren zum Lebensmittel kaufen und neueste Nachrichten empfangen. Es ist zwar nachts meist immer noch frisch bis an Null Grad aber die meisten Tage sind sonnig und mit dem mehr oder weniger starken Wind muss man hier in Patagonien ohnehin leben. Einen magischen Abend ist es fast windstill, wir können vorn am Wasser sitzen und die Wale ziehen wie auf dem Laufsteg quasi im Minutentakt an uns vorbei, gigantisch!

Nach insgesamt 5 Wochen verabschiede ich mich von diesem grandiosen Ort und fahre südlich Richtung Playa Escondido in der Hoffnung, dort noch mehr See Elefanten zu sehen, doch weit komme ich heute nicht.

Irgendwas ist komisch, ich fühle das was nicht stimmt, steige aus, prüfe die Reifen, nichts. 10 Minuten später gibt es einen Knall, der Wagen schert nach links aus, ich bekomme ihn aber schnell in den Griff und zum Stehen. Reifenplatzer hinten links, ach du Schande! Mein Glück, dass die Straße 2 Spurig war, einen guten Seitenstreifen hat und in dem Moment niemand in meiner Nähe war.

Es ist tatsächlich der erste Radwechsel seit meiner Anlandung in Halifax. Es geht etwas langsam aber noch ganz gut. Irgendwie bekomme ich das 30 Kilo Rad in den Gang gewuchtet und auf geht es retour zum großen Reifenladen an der YPF Tankstelle.

Der ursprüngliche Plan war, in Osorno, was ich in ca. 2 Wochen angesteuert hätte, neue Reifen zu kaufen, da in Chile preiswerter. Ich wußte das diese überfällig waren aber nun ja....

Zu meinem Glück haben sie zumindest 4 BF Goodrich auf Lager, meine Marke. Es sind zwar die All Terrain und nachdem geklärt ist, dass auch die 285er passen, die etwas breiter sind, was ich eigentlich nicht wollte, werden diese aufgezogen, ich bin froh, überhaupt was passendes zu finden und dank des Peso Verfall sind sie sogar in Argentinien bezahlbar. Der beste der Alten kommt wieder als Ersatzreifen hinten dran und einen nehm ich noch zur Sicherheit ohne Felge auf dem Dach mit, bis ich einen neuen fünften gefunden habe.

Auf dem Weg zur anvisierten Playa herrscht derartiger Seitenwind, dass ich nur noch 60 Km/h fahren kann und als ich dort ankomme, staune ich mal wieder nicht schlecht beim Anblick der direkt am Parkplatz residierenden See Elefanten Herde. Es gibt viele Neugeborene die noch ganz faltig sind, soo süüß!

Ich suche mir einen Platz und erblicke etwas weiter weg durchs Fernglas etwas, das wie eine zweite Gruppe aussieht und laufe dort hin.

Tatsächlich aalt sich hier noch eine deutlich größere Gruppe in der Sonne mit sehr vielen Jungtieren und riesigen Bullen die so groß und schwer wie mein Auto sind.

Es gesellt sich noch Toyota Kollege Michael hinzu, den ich schon vom Golfo Nuevo kenne. Ganz plötzlich wird es sehr warm, viel zuviel, man ist das ja nicht mehr gewohnt.

Es ist fantastisch, die Aktivitäten so hautnah beobachten zu können und das ganz allein.

Die Gruppe ist mindestens 50 Tiere stark. Es gibt kämpfende Jungbullen, die auch den Chef des Harems immer wieder provozieren und herausfordern. Dieser ist permanent gefordert, die Jungspunde auf Abstand zu halten. Als Reaktion schleppt er seinen tonnenschweren Körper von einem Weibchen zum nächsten und versucht sie zu begatten. Viele haben da aber überhaupt keinen Bock drauf, woraufhin er meist auch abläßt, die Jungtiere tun gut daran, sich aus der Gefahrenzone zu bringen, um nicht versehentlich zerquetscht zu werden. Doch ab und an läßt sich auch ein Weibchen erweichen und es gibt eine Schmusestunde, einfach unglaubliche Bilder.

Etwas abseits entdecke ich einen blutverschmierten Bullen, der sich mit einem Weibchen vergnügt, sein Gesicht spricht Bände. Da macht es auch nichts, wenn man mal eine Ladung Sand ins Gesicht bekommt.

Doch dann taucht ein stärkerer Bulle auf und vorbei ist es.

Nach so viel Wildlife ist mal wieder Landschaft angesagt, und ich verabschiede mich nach diesen genialen Wochen vorerst von der Ostküste und fahre nach Westen, um dann auf die zwar nicht immer gute aber in der zweiten Hälfte sehr schöne Ruta 12 abzubiegen, wo definitiv etwas US Feeling aufkommt.

Unmittelbar am Canyon Buitrera, gibt es einen guten Übernachtungsplatz und dort hinein laufen lohnt auch.

Ich vergnüge mich noch einen weiteren Tag auf der recht schlechten Piste, wo nun langsam die Berge in Sicht kommen, bis ich Asphalt erreiche und auf der ach so bekannten Ruta 40 zunächst ein Stück nach Süden rolle. Auf dem mir bereits bekannten Platz bei Trevelin, schlage ich für 2 Tage mein Lager auf, um eine heiße Dusche sowie Wifi zu genießen und eine Ladung Wäsche der dringend benötigten Waschmaschine zuzuführen. Dies wird mein einziger Abstecher auf einen Campingplatz in fünfeinhalb Monaten sein. Patagonien - Wildcamping Paradies trotz reichlich Zäune.

Nun geht es ein Stück nach Norden mit schönen Aussichten auf die Berge. Bariloche und Umgebung lasse ich diesmal relativ schnell hinter mir, um mich zur Grenze zu begeben. Am Grenz Pass liegt noch reichlich Schnee an den Straßenrändern.

Auf ins grüne Chile!