Copan Ruinen, Leon, Masaya Vulkan, Granada

Der Zugang zur Grenze in El Poy, ganz im Norden El Salvadors, ist ziemlich verstopft mit LKW doch irgendwann stehe ich vor der Immigration um mich danach weiter zur Autoeinreise durchzuschlängeln.

Hier stehen verdammt viele schwer bewaffnete Soldaten rum, muss ja echt gefährlich sein, denke ich. Ich komme sofort dran, ein freundlicher Mensch sammelt meine Papiere ein, füllt was aus, dann darf ich zurück zur Bank laufen und die Gebühr für Wallys Einreise bezahlen. Als ich zurück komme, quetschen sich sämtliche Soldaten auch noch in dem Kabuff rum und schauen dem Einreise Typen über die Schulter. Zwischendurch wird immer wieder erklärt und gezeigt, meine Papiere wandern durch sämtliche Hände und mir ist nun klar, dass es sich hier sozusagen um eine Info Veranstaltung für die Jungs handelt. Durch das Erklären dauert alles ein wenig aber für mich ergibt sich der Vorteil, dass ich selbst nicht zum Kopiershop latschen muss, um die obligatorischen Kopien zu machen denn das übernimmt mein Einreisebeamter vor Ort für mich. Dann geht es zur Innenbesichtigung von Wally. Ich öffne die kleine Tür und lasse den Tritt runter damit er sich dort durch quetschen kann, er öffnet ein paar Fächer und lädt einen Soldaten ein, auch noch reinzukommen, hoffentlich ist die Knarre gesichert. Alles nur Show, nach 2 Minuten sind sie wieder draußen und unter der Motorhaube muss natürlich noch die VIN abgeglichen werden. Die Militärkollegen staunen nicht schlecht über mich und mein Auto, für mich wäre dies mein Foto des Jahres, wie 15 bewaffnete Soldaten sich um Wally gereiht haben aber ich lasse die Knipse lieber wo sie ist. Ich würde zu gern wissen, was den Herren so durch den Kopf geht, in diesem von Machismo geprägten Land.

Nach 2 Stunden bin ich durch und fluche bald nicht schlecht über die absolut miesen Straßen. Mein Ziel sind die Copan Ruinen weiter nördlich nahe der Grenze zu Guatemala. Es geht ein wenig in die Berge und die Aufgabe des Tages besteht definitiv darin, nicht in einem der kratergroßen Löcher den Wagen zu versenken, denn dies könnte böse Folgen haben. Natürlich möchte dort keiner drin landen und so kommt es auf weiterem Wege immer wieder zu riskanten Ausweichmanövern in letzter Sekunde auf beiden Seiten, die massenhaft verkehrenden LKW machen das Ganze auch nicht einfacher und ich komme mir vor wie auf einem Slalom Parcours. In Nuevo Arcadia biege ich Richtung Westen ab auf die letzten 65 Kilometer zu den Ruinen, die ich leider auch wieder zurückfahren muss. Zum Glück tritt eine Besserung der Straße ein, wenn sie auch alles andere als perfekt ist. Exakt mit einsetzender Dunkelheit erreiche ich erleichtert das Hotel Bosque, was für ein ätzender Fahrtag. Die Anlage ist herrlich groß und ruhig, ich bin der einzige Gast und obwohl alle Zimmer unbesetzt sind, darf ich keine Dusche benutzen, dann eben nicht.

Der nächste Tag ist für die Ruinen reserviert und ich komme recht spät los, weil es morgens regnet aber es hat ohnehin nur eine Handvoll Touristen. Dies wird die letzte, weil östlichste bzw. südlichste Stätte der Mayakultur und ich hatte mir vorab viel Gedanken gemacht, ob sich der lange Weg hierher lohnt. Da dies hier jedoch ganz anders ist als das bisher Gesehene, hat sich diese Frage schnell erledigt. Wie all diese Anlagen strahlt auch diese eine herrliche Ruhe aus und auf dem weitläufigen Gelände sind viele tolle Stelen und die Hieroglyphentreppe zu bestaunen. Dies muss eine sehr bedeutende Stadt gewesen sein und sozusagen der Außenposten der Maya in der klassischen Periode zwischen 250 und 900 nach Christus, auch gibt es hier den zweitgrößten bekannten Ballspielplatz nach Chichen Itza. 

Ich verbringe so einige Stunden hier und die wieder angesiedelten roten freilebenden Aras, die sich am reich gedeckten Futtertisch bedienen, tragen das ihre zu der schönen Anlage bei. Die Aras waren für die Maya heilige Vögel und nur die Könige durften sich mit ihren Federn schmücken, auch weisen in Stein gemeißelte Bilder darauf hin, dass man sie als Haustier hielt. Bleibt zu hoffen, dass das Auswilderungsprogramm welches für das ganze Copan Tal vorgesehen ist, dauerhaft von Erfolg gekrönt ist und die Vögel sich ihre alte Heimat zurück erobern können zumal Honduras einen sehr gebeutelten Eindruck auf mich macht was die Abholzung betrifft.

Ich gurke die 65 Kilometer also am nächsten Tag wieder zurück zur Hauptstraße und fahre ein wenig nördlich um kurz vor San Pedro de Sula, eine berüchtigte Stadt der Gangs, nach Süden abzubiegen. Nicht weit nördlich würde man zwar auf die Karibik stoßen, doch das interessiert mich aufgrund des geringen Straßennetzes nicht wirklich, genauso wie die Inseln dort. Schaut man sich die Karte an, gibt es im Osten des Landes noch viel, viel Raum, wie der Zustand auf den wenigen vorhandenen Straßen ist, kann ich mir lebhaft vorstellen. Die abgelegenen Ecken der Karibik gelten auch als Ort der Gesetzlosen, Drogenschmuggel von Kolumbien im großen Stil mit Kleinflugzeugen oder auf dem Seeweg, Schmuggler, Polizei und Gangs, alle haben was davon.

Es gibt im Landesinnern einige geschützte Ecken aber wer kontrolliert dort schon die Einhaltung von Gesetzen. Ich biege also nach Süden ab und plötzlich ist der Asphalt glatt wie ein Kinderpopo. Das ich sowas hier noch erleben darf! Ich lande in der Nähe vom Lago de Yojoa bei der D&D Brewery, wo Camper willkommen sind. Für 4 Dollar ist die Wiese in Ordnung und ich bleibe 2 Nächte. Das Essen ist mäßig und der Laden mitten im Dschungel so dunkel, dass man kaum sieht was man auf dem Teller hat. Ein paar Backpacker sind auch anwesend und das ein oder andere Feuerwerks Bömbchen wird im nahe gelegenen Dorf gezündet, ist ja bald Weihnachten, das Fest der Ruhe und des Friedens...

Da das Land mit weiteren Highlights nicht wirklich aufwarten kann, düse ich am nächsten Tag durch die Hauptstadt Tegucigalpa und übernachte in der Nähe von Danli an einem freundlichen Hotel wo absolute Ruhe herrscht. Dort verdrahte ich den Auspuff, wo mal wieder eine Halterung abgeschmiert ist und es gleich noch ein Loch rein gerissen hat, immerhin hat es seit Arizona gehalten, allerdings hat Wally in 2016 auch mehr gestanden als gefahren.

Frisch ausgeruht stehe ich schon früh an der Grenze zu Nicaragua und verlasse das Land bereits nach 5 Nächten. Obwohl es in Honduras grundsätzlich noch gefährlicher sein soll als in El Salvador, habe ich davon mal wieder nichts mitbekommen. Auch hier kommt die hohe Mordrate hauptsächlich durch die Aktivität der Gangs zustande, die fleißig ihren Landsleuten Wegzoll oder Standzoll abpressen und in Drogenhandel, Menschenhandel und weitere fiese Dinge verstrickt sind wenn sie sich nicht grad gegenseitig umbringen. Man schätzt die Zahl der Mitglieder auf ca. Hunderttausend und es gibt sie hier zwar konzentrierter aber genauso in den USA und den meisten anderen Ländern Zentralamerikas. Sie sind auch ein Grund, weshalb viele junge Männer aus ihrem Land flüchten wollen, da die Gangs ihre neuen Mitglieder gerne aus Entführungen rekrutieren, um sie dann für ihre Zwecke „auszubilden“.

Die Ausreise geht sehr schnell, an der Grenze Los Manos ist wenig los. Zunächst wird ein Sprühnebel vorne im Wagen verteilt wofür natürlich kassiert wird, dann Autoeinreise inklusive Fahrrad, dann eine schnelle Personeneinreise. Hinter der Schranke muss noch eine Autoversicherung für 12 Dollar abgeschlossen werden und nach 2 Stunden bin ich durch.

Was mir zunächst auffällt ist, dass es sehr grün ist, noch viel Dschungel und dünn besiedelt. Da es noch früh ist, nehme ich die Strecke nach Leon unter die Räder wo ich mich nachmittags durchquäle, um an den Strand bei Las Penitas zu gelangen. Ein kleiner Touristenort mit langem Strand, der Platz am Hotel ist wirklich nicht schön und überteuert, also am Morgen zurück nach Leon, wo ich ein paar Stunden durch die etwas angegammelte aber nicht charmelose Stadt laufe. Auf dem Weg aus der Stadt steht ein Polizeiposten der, wie ich von anderen gehört habe, Touristen abzockt. Zu ihrem Pech entdecken sie mich erst, als ich auf gleicher Höhe bin und versuchen mich durch die Pfeife zu stoppen, auf sowas reagiere ich grundsätzlich nicht. Das Betätigungsfeld ist im größten Land Zentralamerikas relativ beschränkt. Der Westen ist mit ein paar Straßen erschlossen inklusive einigen Stichstraßen zum Pazifik. Nord/Östlich des riesigen Nicaragua Sees, auch das der größte Zentralamerikas, gibt es noch eine grosse Landmasse mit fast nichts. Einige wenige Straßen durchziehen diese Region die meist im Nirgendwo enden, unendliches Abenteuerland, die Karibik ist per Fahrzeug schwer erreichbar, die meisten Reisenden die dorthin und auf die Corn Islands wollen, nehmen den Flieger.

Ich habe mir in der hilfreichen Ioverlander App die ich seit Mexiko öfters benutze um Übernachtungsplätze aufzutun, ein Hostel ausgeguckt, welches auch Camper aufnimmt. Nach 30 Kilometern, die letzten 10 relativ raue Piste, bin ich am Ziel und kann die Duschen, das gute Wifi und das Klo dieses recht abgelegenen Ortes nutzen. Ich parke gegenüber dem Strand, die Crew vom Mind the Gap Hostel ist nett und ich unternehme täglich lange Spaziergänge am schönen Strand der zwar nicht ganz so toll zum schwimmen ist aber dafür untouristisch und ewig lang. In der Nähe befindet sich ein großes Resort mit Golfplatz, zur anderen Seite einige wenige Touristenherbergen und das Dorf selbst macht den Eindruck, als wenn die meisten Bewohner irgend woanders hin gezogen sind.

Nach einer Woche mache ich mich vom Acker und fahre in die Region Masaya und hoch zum gleichnamigen extrem aktiven Vulkan. Am Kraterrand angekommen, blickt man in den Schlund des Vulkans und kann am Rande noch den brodelnden Magmasee tief unten ausmachen.

Nach diesem schönen Anblick geht es zum Vulkansee Lago de Apoyo. Die Übernachtungssituation ist bescheiden, sodass ich morgens weiter nach Granada fahre, wo man für wenig Geld auf dem ungepflegten Platz des Roten Kreuzes stehen kann, in guter Laufdistanz zum Nicaragua See und zum Zentrum.

Granada gefällt mir ausgesprochen gut, die übersichtliche Stadt hat Stil, der See präsentiert sich wie ein Meer mit starkem Wind und Schaumkronen.

Ein weiterer Strand soll für Weihnachten her und das noch möglichst ruhig. Ich fahre zur ebenfalls recht abgelegenen Playa Guacaste wo ich wieder preiswert an einem Hostel direkt am Strand stehen kann. Dieser Strand ist super zum schwimmen und Weihnachten geht ausgesprochen ruhig über die Bühne. Ehe ich mich versehe, ist wieder eine Woche um. Am letzten Tag, als ich morgens zum Schwamm greife um mein Frühstücksgeschirr abzuwaschen, fühle ich plötzlich einen Stich im Finger und traue meinen Augen nicht als ich einen Skorpion im Schwamm entdecke. Zum Glück ist grad die Frau die so tut als wenn sie putzt anwesend und gibt Entwarnung. Über den Tag pocht es noch ein bisschen und ich frage mich, wie der wohl ins Auto gekommen ist. Richtung Grenze schaue ich nochmal am See vorbei wo es wieder sehr windig ist. Deshalb und wegen der Feiertage lasse ich den Plan für ein paar Tage nach Ometepe, einer Vulkaninsel im See überzusetzen fallen und begebe mich zur Grenze von Costa Rica.

Nach den fast aufgebrauchten erlaubten drei Monaten in den C4 Staaten zwischen Guatemala und Nicaragua, betrete ich am 29.12 das vorletzte Land in Mittelamerika. Noch 2 Tage und das Jahr ist um, Zeit, für einen kurzen Rückblick. 

Erneut ein Hammerjahr aber schon ein Spezielles. Es begann an einem wilden Küstenabschnitt Yucatans und endet im Dschungel Costa Ricas. Die lange Wanderung und Trennung vom Auto haben ausgesprochen gut getan und neuen Elan für die Weiterreise gegeben. Unter 10 Tausend Kilometer gefahren, was Wally mit extrem niedrigen Kosten durch wenig Verschleiß gedankt hat, da nehme ich doch gern ein paar Stellplatzkosten in Kauf.