Sixaola, Boquete, Volcan, David, Playa Las Lajas, Santa Catalina, Panama City, Colon

Eine kleine Gebühr muss für die Ausreise bezahlt werden, das letzte Geld wird im Supermarkt in Dollar umgetauscht und ab geht es über die kleine Brücke, wo uns ein panamesischer Beamter äußerst freundlich die einzelnen Schritte erklärt.

Alles liegt nahe beisammen und selbst der Autoversicherungsheini und der Beamte der das TIP für Wally ausstellt, haben offensichtlich einen guten Vormittag und arbeiten recht zügig und sogar fehlerfrei, so dass ich auch nach dreimaliger Kontrolle keine Fehler feststellen kann und wir nach eineinhalb Stunden bereits vom Platz rollen.

Was nun folgt, ist eine schöne Berg und Talfahrt mit tollen Blicken auf den dicht bewaldeten Nationalpark La Amistad und zur Linken auf die Inselgruppe Bocas del Toro, bei Backpackern sehr beliebt und für uns nach soviel Küste grad nicht interessant. Freundliche Menschen winken uns zu, hier oben im Norden gibt es einen hohen Anteil Indigener die in teils ärmlichen Verhältnissen leben und nichts mit dem gemein haben, was ich mit Panama verbinde wie Panama Papers, Offshore Konten und Hochhäuser in der Hauptstadt.

Angeblich ist es hier, wo der Dollar Landeswährung ist, ja deutlich billiger als im Nachbarland. Da trifft mich der Preisschock natürlich völlig unerwartet, als wir erwartungsvoll den ersten größeren Supermarkt ansteuern. Preiswert ist was ganz anderes aber immerhin kann man sich mal wieder ein Fläschchen Wein gönnen und das Angebot ist umfassend, inklusive gutem Käse.

Wir schaffen es noch bis Boquete, was eingebettet zwischen Bergen liegt und kommen bei einem Deutschen am Rande des Ortes unter. Warum sich hier insbesondere viele Amis niedergelassen haben, ist uns total schleierhaft, es ist kühl, windig bis stürmisch und regnerisch. Der Ort ist auch nichts besonderes und Mutter findet es hier einfach nur ätzend. Wir fahren höher hinauf bis zum Nationalpark Baru, wo ich eine fünfstündige, feuchte Wanderung in den schönen Regenwald unternehme und auf die Sichtung eines Quetzals (Vogel) hoffe, was mir aber nicht vergönnt ist.

Mutter atmet erleichtert auf, als wir den Ort verlassen und eine Querstraße nach Westen und dann wieder Richtung Norden nehmen, um unsere tolle Unterkunft in der Nähe des kleinen Ortes Cuesta de Piedra zu beziehen. Hier haben sich die Amerikaner Lynn und Jerry ein kleines Paradies auf großem Grundstück geschaffen und vermieten eine Ferienwohnung. Wir genießen das feine Ambiente und die Terrasse mit Blick auf die Berge und den Vulkan Baru, höchster Berg des Landes mit knapp 3500 Metern. Es gibt viele Vögel, unsere Gastgeber sind sehr nett und auch das Wetter spielt mit.

Wir fahren soweit es geht Richtung Baru und schauen uns an, wie man hier die Felder auch auf steilstem Gelände beackert. Jerry kennt einen amerikanischen Mechaniker im Ort Volcan der die ein oder andere Kleinigkeit bei Wally behebt und zum Glück auch einen undichten Bremszylinder entdeckt. 

Ansonsten vergeht die Zeit mit Kochen, weiterer Recherche für alles mögliche und natürlich Vögel beobachten. Das Tollste ist allerdings die Waschmaschine und so kommt es, dass wirklich alles mal in die Trommel kommt was irgendwie waschbar ist. Das Vogelhighlight sind die Tukane bzw. Aracaris, die fast jeden Abend gegenüber in den hohen Bäumen zur immer gleichen Uhrzeit auftauchen. Schlussendlich verlängern wir noch und eisen uns nach neun Tagen los.  

Ein wenig südlich und wir sind auf der Panamericana und in einer der größten Städte des Landes. David ist nicht unübersichtlich und daher bestens geeignet, um noch ausstehende Besorgungen vor dem Übertritt nach Südamerika zu machen. Ein großes Einkaufszentrum hat alles beieinander inklusive Baumarkt und ich finde sogar neue Batterien für meinen Kamerafernauslöser. Toyota ist auch gleich nebenan aber die gewünschten Kleinteile sind leider nur in der vermutlich unübersichtlichen Hauptstadt vorrätig.

Wir begeben uns etwas weiter nach Südwesten an die Playa Las Lajas mit schönem und angeblich längstem Strand Panamas von 20 Kilometern Länge, erstaunlich unberührt, hoffentlich bleibt es so. Wir genießen noch einmal ein paar Tage die Küste bei perfekten Temperaturen.

Ich möchte noch auf die Halbinsel De Las Palmas und wir machen uns auf, zu einem bekannten Surfer Spot ganz am Zipfel der Halbinsel. Dazwischen sehr trockenen Ranchland, man merkt, es ist schon lang Trockenzeit und Regen wird hier sicher dringend gewünscht. Im Surf Camp Oasis steht man direkt am Strand und wir treffen auf die sympathischen Kanadier, die wir bereits von Boquete kennen. Wir kaufen Langusten die uns von unserem Nachbarn perfekt pfannenfertig geliefert werden, schön, einen leidenschaftlichen Koch nebenan zu haben.

Das Klima hier ist extrem drückend und heiß und so ziehen wir nach zwei Nächten weiter, da es sowieso Zeit wird.

Heute gibt es einen langen Fahrtag aber die Straße ist gut ausgebaut und somit erreichen wir nachmittags Panama City und unsere Unterkunft auf dem Causeway mit Blick auf die Skyline der Stadt.

Am nächsten Tag schauen wir uns die Miraflores Locks an, eine von mehreren Schleusen, die es Schiffen ermöglicht, vom Pazifik zur Karibik bzw. Atlantik oder umgekehrt, durch den Panama Kanal zu fahren und somit die weite Umrundung um Kap Horn zu meiden. Die ganz neuen, größeren Schleusen sind dahinter und wir sehen zumindest von Weitem einen dieser Riesenfrachter während vorne tagsüber nicht viel los ist aber später sehen wir noch drei aneinander gebundene Segelboote und mehrere Frachter die Schleusen passieren. 

Ein paar Fakten: 82 Kilometer, in beide Richtungen befahrbar, die Schiffe werden auf das 26 Meter höhere Niveau des aufgestauten Gatun Sees gehoben und wieder runter, drei Schleusen, neue Schleusen 2016 eröffnet um die Mega Frachter aufnehmen zu können, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt mit durchschnittlich 15 Tausend Schiffen pro Jahr. Durchschnittliche Durchfahrtdauer 15 Stunden, Treidellocks an beiden Seiten ziehen und stabilisieren die Schiffe in der Schleuse, die Gebühren für ein Containerschiff können je nach Größe locker bei 400 Tausend Dollar liegen, ebenso für ein Kreuzfahrtschiff. In der ersten Bauphase von 1881 bis 1889 unter den Franzosen, starben 22 Tausend Arbeiter an Malaria und Gelbfieber, die Franzosen scheiterten und 1902 übernahmen die Amerikaner, es starben weitere 5600 Arbeiter an Unfällen und Krankheiten bis 1914 schließlich eröffnet wurde. Die Amerikaner behielten die Hoheit über den Kanal bis 1999, Nicaragua plant, ebenfalls einen Kanal zu bauen.

Wir fahren zwischenzeitlich nach Gamboa, wo es noch herrlichen Regenwald gibt und man sich eine Vorstellung machen kann, wie es früher um den Panamakanal aussah und was es für ein Aufwand gewesen sein muss, diesen zu bauen. Christel darf ein letztes Mal einen Regenwaldspaziergang machen und sich mal wieder bei der Rückfahrt über die völlig durchgeknallten Autofahrer aufregen, die auch noch dort versuchen rein zu stoßen und es immer irgendwie schaffen, obwohl keine Briefmarke mehr zwischen die Stoßstange zum Vordermann passt.

„Pass auf, hast du das gesehen? Unglaublich! Lass den nicht dazwischen! Das gibt es doch nicht!“ So geht das, wenn wir durch die City fahren bzw. stehen, denn auch hier ist der Verkehr natürlich regelmäßig am kollabieren.

Wir ziehen aus unserem Hotel aus und fahren zu einer bestimmten Polizeidienststelle, dort wird ein Papier für Wally ausgestellt welches bestätigt, dass Wally im Land nicht als gestohlen gemeldet ist. Ich treffe das erste Mal meine französischen Verschiffungspartner, wir hatten schon regen Kontakt per Mail und ich bin froh, solch zuverlässige Leute gefunden zu haben. Alex und Claire fahren einen 61er Landcruiser und somit ist angemessene Gesellschaft für Wally gesichert. Alles läuft flott und am Nachmittag dürfen wir gegenüber wieder erscheinen, um das finale Papier ausgehändigt zu bekommen.

Wir fahren zum Country Inn and Suites direkt am Eingang des Hafens bzw. des Kanals gelegen, wo wir für unsere letzten drei Nächte eine Suite beziehen. Von hier haben wir einen tollen Blick aus dem dritten Stock auf alle vorbeiziehenden Schiffe, nebenbei kann Christel sich ihrem Gepäck widmen und ich mich dem unvermeidlichen Papiermarathon für Wally, denn es gibt keine Strassenanbindung nach Südamerika und alles muss aufs Schiff und in den Flieger. Die Panamesen sind, wie ich immer wieder raushöre, nicht scharf auf eine Straße und möchten lieber Abstand halten, denn sie waren einst eine Provinz von Kolumbien. Weiteres Argument ist die Maul und Klauenseuche die dann leichteres Spiel hätte sowie einfach Naturschutzgründe. Es leben noch Indigene sehr abgelegen in einem biologischen Wunderland mit einer hohen Anzahl an Vogelarten, ca. 900 verschiedene schätzt man, und natürlich viele Pflanzenarten sowie anderen seltenen Tieren.

Ich hoffe, dieses ca. 100 Kilometer fehlende Stück wird niemals gebaut und zahle gern den Preis und die Nerven, die dessen Überwindung kostet.

Dann geht alles schnell, ich fahre den Wagen früh morgens auf die gegenüber liegende Atlantikseite nach Colon, wo ich auf weitere Verschiffende mit ihren Autos treffe und zu beider Überraschung auch auf Pascal, den ich vor fast drei Jahren in Whitehorse, Kanada traf, wo er arbeitete und die Nächte in seinem Mercedes verbrachte. Zur weiteren Überraschung bekommen wir noch Tims Motorrad, der von seinem Partner am Vortag hängen gelassen wurde, mit in den Container gepackt. Tim ist super happy das es noch passt und wir sind es auch, denn nun kommen wir jeder um über 200,- Dollar billiger davon. Die Container stehen bereits auf Anhängern, sodass unsere Autos rückwärts auf eine steile Rampe gefahren werden müssen und dann an den Containereingang bugsiert werden von wo wir sie in den Container fahren. Vier Autos und zwei Motorräder und alles muss mit Spanngurten gesichert werden. Das dauert ein wenig aber nach 3 Stunden sind wir durch und auch der Papierkram dauert dank unseres Agenten nicht lange. Einige Dollars wechseln den Besitzer, wir bekommen die vorläufige Bill of Landing ausgehändigt, eine Kontrolle der Autos fand nicht statt, besser geht es nicht.

Wir fahren mit dem Bus zurück nach Panama City und eine Stunde später muss Christel zum Flughafen auch wenn sie es nicht will. Ich fliege am nächsten Tag nach Cartagena, Kolumbien.

Panama hat uns auch sehr gut gefallen und man könnte hier noch länger als knappe vier Wochen verbringen, dann müsste man das TIP fürs Auto verlängern, weil es nur 30 Tage bei der Einreise gibt aber dies soll problemlos möglich sein.

Christel und ich hatten eine super und weitestgehend stressfreie Zeit von über zweieinhalb Monaten was nicht zuletzt an den guten Campmöglichkeiten und sehr einfach zu bereisenden Ländern lag.

Nordamerika ist (vorerst) Geschichte nach fast vier fantastischen, geradezu unrealistisch tollen Jahren. Zentralamerika hat mir sehr gefallen, es gab keinerlei Probleme und sämtliche Grenzübergänge haben zwar immer ein wenig Zeit gekostet aber es gab nicht den geringsten Versuch der Abzocke. Für sämtliche Zahlungen gab es immer eine offizielle Quittung. Die Polizei war überall unauffällig, in Nicaragua könnte es allerdings auch mal zu einer Diskussion kommen, die kamen mir teilweise nicht ganz koscher vor.

Bis bald in Südamerika!

 

Kleine Statistik Nordamerika

 

Unterwegs: 1391Tage oder 3 Jahre, 9 Monate, 3 Wochen, 1 Tag

 

Kilometerstand bei Verschiffung nach Cartagena: 422843, Vierhundertzweiundzwanzigtausendachthundertdreiundvierzig

 

Gefahrene Kilometer seit Halifax: 83219

 

Durchschnitt pro Tag: 59,80 Kilometer

 

Gelaufene Wanderkilometer: mindestens 5000

 

Bereiste Länder: 10, also alle plus Kuba

 

Gesundheitsprobleme: außer auf der Langzeitwanderung 0

 

Reifenpannen: 0

 

Reifen: zweiter Satz BF Goodrich Mud Terrain

 

Autoprobleme: Nichts ungewöhnliches was sich nicht auf Alter und Kilometerleistung zurückführen ließe, außer der gelockerte Zahnriemen in Kanada. Sonst alles ganz normaler Verschleiß. Niemand fährt 4 Jahre durch die Weltgeschichte, ohne Probleme oder Verschleiß am fahrbaren Untersatz zu haben. Der HZJ bzw. Landcruiser ist für mich nach wie vor das Maß aller Dinge. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es ein zuverlässigeres Auto gibt, welches zudem jemanden mit, sagen wir mal beschränkter Ahnung der Materie, so problemlos durch die Gegend und das auch noch auf unzähligen oft mehr als rauen Pisten bringt, dabei beachte man auch die bereits vorhandene Kilometerleistung. Schlüssel ist in meinen Augen nach wie vor in nicht zu unterschätzendem Maße das Gewicht, welches ich deutlich unter dem Zulässigen halte.

 

Wichtigste und teuerste Neuerungen im Laufe der 4 Jahre: Neue Federpakete und Stoßdämpfer „Old Man Emu“, eingebaut in Los Angeles zu einem deutlich günstigerem Preis als in Deutschland.

Komplett neuer Satz Einspritzdüsen von Deutschland schicken lassen und in Los Angeles in Fachwerkstatt einbauen lassen, da die Alten mehr als hinüber waren.

Schlechten AFT Ersatzradhalter verstärken/schweissen lassen in Las Vegas.

Neue hochwertige Versorger Batterie und zwei neue Optima Starterbatterien in Oregon eingebaut.

Plus diverse „Kleinigkeiten“ wie Birfieldjoint tauschen 2X, neue Scheibe wegen unzähligen Steinschlägen, Auspuff inklusive dem ewigen „er fällt wieder ab“ Drama sowie Rostbekämpfung.