Paso de Agua Negra, Mendoza, Laguna del Diamante, Malargüe, Caviahue, Junin de los Andes, Bariloche, Parque Nacional de Huapi, Parque Nacional Los Alerces, Trevelin, Carretera Austral, Coyhaique, Balmaceda, Perito Moreno, Buenos Aires

Nach schönem, abwechslungsreichen Gekurve durch Berge, kleine Käffer, über Pisten und Straßen, geht es hinauf zu nächsten spektakulären Pass, dem Paso de Agua Negra. Zuvor muß ich mich bei den Chilenen ausstempeln und auch angeben, dass ich dort oben übernachten will, da die argentinische Grenzstation weit entfernt in tieferen Regionen angesiedelt ist, und sie sonst eventuell einen Suchtrupp ausschicken würden, wenn ich nicht auftauche.

Hinter dem Zoll wird es bald mal wieder richtig schön

Ich suche mir einen einigermaßen windgeschützten Platz zum übernachten, genieße die Umgebung und bekomme auch noch netten Besuch.

In den Sommermonaten bringen einige Besitzer ihre Tiere in diese hohe Region, wo sie in zusammengezimmerten Behausungen wohnen, um ihre Tiere hier grasen zu lassen. Es gibt immer wieder grüne Oasen an kleinen Flussläufen, die dafür genutzt werden.

Ich schraube mich wieder einmal durch absolut spektakuläre Umgebung aufwärts

Was für eine wahnsinns Auffahrt zum knapp 4800 Meter Pass!

Dann geht es südwärts auf argentinischer Seite, wo ich entlang bekannter und auch neuer Plätze eine tolle Zeit habe, und irgendwann natürlich auch wieder auf die Ruta 40 stoße. Ich fahre kurz nach Mendoza rein zum Gasflasche auffüllen, Auto waschen und Einkaufen. Etwas südlich werde ich von den Bullen rausgewunken mit dem Hinweis, mein Licht wäre nicht an, kostet natürlich. Ich widerspreche vehemend, da ich genau weiß, dass es an ist, bemühe mich dann aber doch aus dem Auto um festzustellen, dass dem tatsächlich nicht der Fall ist, also defekt. Der gute Mann möchte natürlich trotzdem einige Pesos, wobei er bei mir auf Granit beißt, da es ja an war aber halt defekt. Nach ein paar Minuten verliert er die Nerven und ich fahre weiter, nur um wenig später auf zwei wild fuchtelnde Kollegen zu treffen die unter einem schattigen Baum stehen und sicher auch noch was haben wollen. Ich ignoriere sie und strebe meinem nächsten Ziel entgegen, wo ich ohnehin erstmal kein Licht brauche.

Es geht wieder westwärts, diesmal in Richtung Laguna del Diamante. Zuvor finde ich aber noch einen tollen Übernachtungsplatz oberhalb eines Canyons. Das ganze Gebiet um die Laguna ist Naturreservat, man zahlt eine Gebühr, die ich gerne entrichte, wenn so wie offenbar hier, auch gut darauf geachtet wird. Sogar einen Müllbeutel bekommt man in die Hand gedrückt.

Eine tolle Gegend nahe der chilenischen Grenze. Rund um die Laguna formieren sich 5000er Berge, wobei der 5260 Meter hohe Vulkan Maipo die Gegend dominiert.

Nachdem ich ein paar Tage später wieder rausgeholpert bin, setze ich meinen Weg langsam entlang der 40 fort und finde das ein oder andere schöne Plätzchen. In Malargüe finde ich einen Elektriker, der mir unerwartet schnell wieder zu funktionierendem Licht verhilft und das Wifi an der Tanke funzt auch immer noch super.

Nach einem unasphaltierten besonders ruppigen Pistenabschnitt bemerke ich, dass die Lenkung schwammig ist und befürchte schon Unannehmlichkeiten. Ein Blick vorne unters Auto offenbart, ein Spurstangenkopf ist in Auflösung begriffen bzw. hat sich teilweise bereits verabschiedet. Umso ärgerlicher, weil ich erst vor ein paar Monaten nagelneue habe einbauen lassen. Weit und breit kein größerer Ort in Sicht, ich eiere ganz langsam weitere 80 Kilometer ins Mini Kaff Barrancas und warte die Mittagsstunde ab, bis der überaus freundliche Reifenflicker wieder an seiner Bude erscheint und sofort den Dorfmechaniker herbeitelefoniert.

Der baut das Teil aus, verschwindet damit und nach ein paar Stunden wieder ein, mit neuen Schrauben versehen. "Alles Gut" meint er, wie neu! Naja, mein Lenkrad ist nicht mehr ganz in der alten Position, was sie auch nicht hinbekommen aber egal. 

Von hier aus wollte ich eigentlich erneut eine schöne Offroadrunde drehen, traue mich wegen der Reparatur nicht so richtig, weil es da ziemlich ruppig zugehen soll. Ich fahre einen Tag und beobachte das Ganze, scheint zu halten, also, erneut Richtung chilenischer Grenze.

Die Anden werden hier recht flach, so gibt es eine schöne Pistenfahrt ohne viel Kletterei. Zunächst steure ich die Gegend um den schönen Salto dal Agrio an und fahre dann weiter Richtung Caviahue. Ich finde einen tollen Platz am gleichnamigen See umgeben von herrlichen Araukarien.

Die Gegend wird vom knapp 3000 Meter hohen Vulkan Copahue dominiert. Im Winter fährt man hier Ski, wobei das Kaff die entsprechende Infrastruktur bietet. Die Umgebung glänzt durch ihren wunderschönen Araukarien Bestand. Einfach toll, so viele dieser wunderbaren Bäume hier noch anzutreffen.

Ganz langsam geht es weiter über Zapala und wieder zurück auf der Ruta 40 Richtung Junin de los Andes, wo ich mir ein Plätzchen am Fluss suchen will und überrascht und erfreut feststelle, dass ich gerade in die Anfänge eines jährlich stattfindenden großen Gaucho Festivals geraten bin.

Es ist Freitag und viele sind noch am Ankommen aber der Nachwuchs hat schon ein paar Wettbewerbe. So etwas ist natürlich ein fotografisches Highlight und für mich, die selbst ihr Leben lang mit Pferden zu tun hatte doppelt interessant.

Toll finde ich, dass hier immer noch bis auf wenige Ausnahmen mit Rohleder als Zäumung gearbeitet wird, also immer noch schön traditionell. 

Nicht so schön finde ich den traditionellen Stuhlsitz und vor allem, dass schon die kleinsten Kids völlig hemmungslos mit ihrer obligatorischen Rohleder Handpeitsche rumhantieren und kräftig draufhauen, anstelle mit Schenkel und Gewichtshilfen zu arbeiten, gutes Reiten sieht anders aus. Die Pferde sehen aber durchgehend gut aus und ich genieße die Stimmung in vollen Zügen.

Sehr erfreulich finde ich den hohen Frauenanteil zu Pferde. Ich treibe mich das ganze Wochenende hinter den Kulissen rum, also dort, wo sich alle darauf vorbereiten, in die Arena zu reiten, denn dort ist es für mich am interessantesten. Die Wettbewerbe selbst, die ich von Weitem beobachten kann, gruseln mich größtenteils durch die grobe Reitweise, so das ich mir das ganz sicher nicht von der Tribüne anschauen werde.

Am Sonntag gibt es den großen Aufmarsch, alle sammeln sich und reiten durch den Ort über die Hauptstraße, die von der Polizei abgesperrt wird, toll, so etwas mal miterleben zu dürfen.

Es gibt reichlich Platz zum übernachten direkt an einem Fluss, aber natürlich wird das Gelände permanent im höchsten Pegel beschallt, auch die Nacht über bis 5 Uhr morgens. Da mir diese Latino Gaucho Musik durchaus gefällt, ertrage ich das gern und falle dabei sogar irgendwann in den Schlaf.

Nach diesem tollen Wochenende begebe ich mich wieder Richtung Berge an denn Lago Huechulafquen wo ich ein schönes aber sehr windiges Plätzchen finde, dann geht es auf Pisten durch tolle Kulisse weiter nach San Martin de los Andes, wo man auf einem Parkplatz direkt am See nächtigen kann. Ich schlendere nochmal durch das bei den Argentiniern so beliebte Touristen Kaff und fahre dann in Richtung Skigebiet, wo ich einen tollen Platz im Grünen finde. 

Ich erreiche Bariloche, wo ich mich außerhalb in der Colonia Suiza auf den mir bereits bekannten Campingplatz von Ana einquartiere. Dies ist nicht so einfach, denn es sind Sommerferien und der Platz ist voll mit urlaubenden Argentiniern und Chilenen. 

Ich habe mir eine mehrtägige Wanderung durch die wunderschöne Umgebung rausgesucht, und lasse den Wagen auf dem Campingplatz zurück. Per Bus gelange ich zum Startpunkt in Villa Catedral und begebe mich immer höher hinauf bis zur ersten Hütte, das Refugio Frey.

Bis hierher kommen die meisten Wanderer in einer Tagestour, danach treffe ich nur noch sehr wenig Leute.

Tolle Aussichten je höher man kommt und es wird richtig anstrengend!

Teilweise gibt es noch etwas Kraxelei über große Gesteinsblöcke und dann ist endlich der Pass erreicht mit Aussicht zum Vulkan Tronador. Der Abstieg gestaltet sich nochmal sehr anstrengend, da sehr steil kombiniert mit losem Geröll, bis ich mein Zelt tiefer in einem weiten grünen Tal aufschlagen kann.

Ich breche nach Sonnenaufgang auf, da ich mal wieder vorhabe, eine drei bis vier Tage Wanderung auf die Hälfte zu verkürzen, da hilft nur ein strammes Pensum.

Es geht zum nächsten Pass und auch der hat es in sich, vor allem mal wieder der sehr steile Abstieg mit losem Gestein aber diese Ausblicke!

Unten sieht man das rot gedeckte Gebäude des Refugio Jakob. Nach alpenländischem Vorbild, gibt es hier in den Bergen im Sommer teilweise bewirtschaftete Hütten wo man übernachten und etwas zum Essen bekommen kann.

Ich beschließe trotz forderndem Abstieg die letzten Reserven zu motivieren und das Endziel anzusteuern. Tatsächlich wird das nochmal richtig heftig, denn wenn man schon einigermaßen am Limit ist, hat man das Gefühl, es nimmt einfach kein Ende. Nachmittags erreiche ich den Parkplatz, wo noch einige Autos von Tageswanderern stehen. Ich laufe schnell noch den halben Kilometer zur Hauptpiste und schon biegt ein Wagen in die richtige Richtung ein. Selbstredend, dass die jungen argentinischen Tageswanderer halten und mich mitnehmen.

Nach einer dreiviertel Stunde bin ich zurück bei Wally, und gratuliere mir selbst für diese Leistung und die Entscheidung für diese tolle Runde.

Ich erhole mich noch ein paar Tage und drehe auch nochmal eine Runde durch die schöne Umgebung, hier so eine Villa am See..., die, die man nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr haben wollte, wußten schon wo es schön ist. Auch genieße ich das gute Wifi und die heißen Duschen des Platzes. Als ich meine Rechnung begleichen will, winkt Ana ab, sie meint wohl, ich hätte mich an dem vollen Platz gestört, was überhaupt nicht der Fall ist. Sie möchte partout kein Geld, was will man da machen?

Ich fahre in die Stadt, um meine nicht ganz einfach zustande gekommene Verabredung beim deutschstämmigen Mechaniker Christian wahrzunehmen, der sich bestens mit Land Cruisern auskennt und mir auch noch ein paar immer wieder raus geschobene "Kleinigkeiten" macht.

Nachmittags ist alles erledigt, ich fahre nochmal zur Talstation und Beginn meiner Turbo Wanderung, und bleibe dort über Nacht stehen.

Tags darauf sage ich Tschüss Bariloche, toll war es und das gute, stabile Wetter hält an. 

Ich begebe mich wieder hinein in den Nationalpark Nahuel Huapi, hier jedoch gibt es eine Schranke und der Ranger kassiert Eintritt. Auf sich windender am Lago Mascardi entlangführender Piste, nähere ich mich dem bereits von Weitem auf dem Pass bei meiner Wanderung bestaunten Vulkan Tronador.

Hier im Nationalpark möchte man berechtigterweise keine Wildcamping Auswüchse, doch mein Instinkt führt mich zu einem lauschigen Plätzchen abseits auf einer verwilderten Wiese. Tags darauf geht es auf Tagestour.

Im Gegensatz zu der anderen Tour, geht es hier recht milde aufwärts. Die Aussicht entlang des Weges und von der ebenfalls im Sommer bewirtschafteten Otto Meiling Hütte ist wieder mal fantastisch. Was für ein Blick über die Anden und die unzähligen Vulkangipfel bei grandiosem Wetter.

Nun stehe ich hautnah an diesem Doppelvulkan, weiter geht es nun nur noch mit entsprechender Ausrüstung.

Eine für mich eher lockere und extrem lohnende Tour. Ich suche mir nun aber erstmal ein abgelegneres Plätzchen für ein paar Tage relaxen. Das nächste Ziel mit seiner markanten Bergkulisse kann ich von hier aus schon ausmachen.

Auch im Nationalpark Los Alerces ist eine Eintrittsgebühr fällig. Im Park gibt es Bezahl Campings mit allem drum und dran, sowie weniger teure und auch welche die nichts kosten. Ein glasklarer See reiht sich an den nächsten mit hübscher Bergkulisse. Ich finde einen Platz, den sonst niemand beansprucht und genieße...

Von hier ist es nicht mehr weit zum mir bereits bekannten Platz außerhalb von Trevelin, den ich für ein paar Tage aufsuche und von wo ich eigentlich meinen Flug buchen wollte, denn den Nordhalbkugel Sommer plane ich sportlich in den USA zu verbringen. Wir haben März und das C Wort und was das ist, kam mir schon einige Male unter, doch richtig ernst nehme ich das nicht, zumal ja medial erfahrungsgemäß noch immer alles aufgebauscht wurde.

Mein Bauchgefühl sagt mir, lieber noch mit der Buchung zu warten. 

Wie bereits einmal zuvor, nehme ich den hier in der Nähe befindlichen und zu dieser Jahreszeit nicht sehr stark frequentierten Grenzübergang Paso Futaleufu nach Chile. 

Am 16.12.2017 rauschte nachts im kleinen 270 Einwohner Dorf St. Lucia an der Carretera Austral eine Schlamm Lawine ins Tal und begrub etliche Häuser. 28 Menschen kamen dabei um. Die Carretera war Monate gesperrt und bescherte auch mir damals eine Fahrt mit dem Schiff von Süden kommend um die Blockade zu umgehen. Die Chilenen haben Flaggen an einem der Hauptorte des Geschehens aufgestellt.

Ein sehr merklicher Klimawechsel von trockenem zu sehr feuchtem Klima vollzieht sich, sobald ich in Santa Lucia auf die Carretera treffe.

Langsam begebe ich mich südwärts, die Hauptsaison ist vorüber und es ist sehr wenig Betrieb. 

Ich habe eine Verabredung mit Sergio in Coyhaique, bei dem ich ja schon mehrfach war. Dorthin habe ich mir neue Spurstangenköpfe schicken lassen, die eingebaut werden sollen. Ich finde einen schönen Platz am Fluß, wo ich das Wochenende verbringe, leicht beunruhigt, wie sich das wohl mit diesem Virus entwickelt hat.

Bei Sergio angekommen, gibt es erstmal Ernüchterung wegen der Spurstangenköpfe. Da hat wohl jemand Mist gebaut, ich weiß auch wer, aber was nutzt es, die Dinger passen nicht und mein Toyo Spezi sitzt zu weit weg um ihm die Dinger um die Ohren zu hauen, außerdem bekomme ich wohl grad andere Probleme. Im Netz findet sich nichts Gutes. Ich schicke schon mal vorsichtshalber eine Mail zu Timo nach Uruguay, dass ich es eventuell nicht mehr schaffe, die wollen die Grenzen dicht machen. Ich vertanke noch mein Geld und beim Supermarkt gehe ich gleich rückwärts wieder raus, da finden wohl grad Hamsterkäufe statt.

Eigentlich wollte ich noch ganz gemütlich nach Süden bummeln und dann den Grenzübergang in Chile Chico nehmen. Sergio ruft einen Kumpel an der Grenze in Balmaceda an, ob die noch offen ist. Ja, sagt der, aber nicht mehr lange. Da ich auf keinen Fall in Chile festsitzen will, düse ich zur Grenze und atme auf, als ich zurück in Argentinien bin. Erstmal ne ruhige Nacht in der Pampa und dann die ätzende, bereits bekannte Piste hinter mich bringen. Wohin? Nord? Süd? Verstecken, aussitzen, abwarten? Fragen über Fragen.

Ich entscheide mich für Süd und laufe irgendwann im Örtchen Perito Moreno ein, dass ich natürlich auch schon kenne. Ich stelle mich an bekannten Platz und check zwei Tage lang im Netz und im Ort die Lage. Zunehmend macht sich eine merkwürdige Stimmung breit. Ich bin hin und her gerissen, was zu tun ist, am liebsten würde ich abhauen in einen südlich gelegenen Nationalpark der sehr abseits liegt aber wie lange dauert der Spuk? Irgendwann muß ich raus zum Einkaufen und falle spätestens dann irgendwelchen Offiziellen in die Hände. Ich bekomme eine Mail von Ilka, wo ich wäre, es gäbe Anfeindungen gegen Ausländer, die sollen sich nun wohl möglichst in Luft auflösen. Ein wenig bekomme ich das hier auch zu spüren und entscheide mich, den Gemeinde Campingplatz anzusteuern, wo schon andere Gringos sind wie ich gesehen hatte.

Aber so einfach wie ich mir das dachte, gestaltet sich die Sache nicht. Die haben einen Bullen als Bewacher abgestellt und der läßt mich nicht rein, geschlossen, sagt er. Nach einigem hin und her ruft er die Kollegen. Blabla und dann werde ich zum kleinen Krankenhaus eskortiert, die wollen mich da doch wohl nicht einbuchten? Ein netter Arzt stellt ein paar Fragen und da ich ja frisch aus Chile komme, darf ich jetzt zu den anderen in den Campingplatz Knast, da bin ich aber erleichtert. Die Bullen lassen mich am Tor des Platzes zurück und fahren von dannen, und jetzt? Da der Gringo in der Regel ja nicht so die Geduld hat, der Argentinier aber schon, frage ich regelmäßig nach und werde immer wieder vertröstet. Nach sieben Stunden vorm Tor platzt mir der Kragen und der Bewacher bekommt sein Fett weg. Eine halbe Stunde später erscheint ein Krankenwagen, ich darf einsteigen, werde befragt und bekomme Fieber gemessen. Das Personal mutet apokalyptisch an in seiner Komplettverkleidung inklusive Schutzschild vorm Gesicht, ich glaub, ich bin im Film! Dann endlich, kurz vorm Dunkeln, öffnet sich das Tor nach acht Stunden und ich darf zu den anderen Knasties. 

Der Platz ist nett und ruhig mit heißen Duschen und sie haben innerhalb einer Stunde, also absolutes Rekordtempo, einen Wifi Spot für uns gelegt.

Eine bunte Truppe aus Argentiniern mit Vans, per Bus oder Anhalter unterwegs, sowie einige Franzosen, auch unterschiedlich unterwegs, sowie ein paar Österreicher und ein Neuseeländer sind nun meine Leidensgenossen, insgesamt sind wir 23 Leute.

Wir dürfen den Platz nicht verlassen und werden im Dunkeln gehalten, wie es für uns weitergehen soll, ein sehr unangenehmes Gefühl. Jeden Tag kommt ein netter Mensch und misst bei uns allen Fieber, Lebensmittel bestellen wir über die dafür gegründete WhatsApp Gruppe. Ein Helfer von außerhalb liefert dann alles an den Zaun. Fremdbestimmt zu sein, ist wohl mit das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Ich versuche mich zusammenzunehmen und befasse mich mit den möglichen Optionen. Wo den Wagen lassen, versuchen noch rauszukommen oder irgendwo aussitzen, wo, wie, was? Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt und putze mich nebenbei ein wenig durch den Wagen, falls ich ihn abstellen werde. Nach weiteren Verwirrungen, wie sie mit uns verfahren wollen, bekommen wir schlussendlich jeder ein Gesundheitszeugnis, und dürfen nach 14 Tagen morgens noch im Dunkeln mit Polizeieskorte den Platz verlassen. Wir werden bis ausserhalb eskortiert und das war es mit Perito Moreno. Die Freiheit ist schön, schmeckt aber schal.

Ich habe mich entschlossen, nach Buenos Aires zu fahren, den Wagen dort abzustellen und das Land zu verlassen. Über 2000 Kilometer liegen vor mir und diese sind mit über 20 aus dem Boden gestampften Posten gespickt, die alles mögliche wissen und sehen wollen. Durch zwei Orte werde ich eskortiert und sonst darf ich nicht vom Weg abweichen außer Tanken. Ich übernachte auch an Tankstellen, wo gähnende Leere herrscht. Einmal stehen nachts die Bullen vor der Tür und wollen mich weg haben, ich weigere mich und sie verschwinden wieder. Bereits in der Provinz Buenos Aires, treffe ich noch auf einen super Wichtigtuer von Polizeiposten, der meint, er müsse die deutsche Botschaft anrufen. Die sind rund um die Uhr besetzt, was dann doch löblich ist. Was der Wichtigtuer genau will, erschließt sich sowohl mir als auch der Botschaftsmitarbeiterin nicht und irgendwann läßt er mich fahren. 

Die stressige Fahrt ist nach fünf Tagen etwas ausserhalb der Hauptstadt beendet, wo ich Wally in guter Gesellschaft bei vielen anderen eilig abgestellten Campern zurücklasse. Spätestens in einem halben Jahr bin ich zurück, denke ich...

Drei Nächte verbringe ich in meinem netten Gästehaus in der Nähe des Flughafens. Die Botschaft meldet sich nicht wegen dem Rückholflug, obwohl inzwischen diverse andere Nationen mit ausgeflogen werden. KLM hat kurzfristig einen Flug aufgelegt, den ich buchen kann. Von Amsterdam fahre ich mit dem Zug weiter.

Es war die richtige Entscheidung, denn die Alternative wäre gewesen, neun Monate an einem Platz zu sitzen, bis sich dort Lockerungen eingestellt hätten. Die Ungewissheit und die beschränkte Bewegungsfreiheit wären mir ganz sicher sehr schlecht bekommen. 

Bekanntlich hat das mit dem halben Jahr nicht geklappt, Argentinien läßt auch 14 Monate später noch keine Touristen ins Land....