Nachdem ich mich einige Tage auf dem bereits bekannten und nun erstaunlich leeren Campingplatz in Salta sortiert habe, fülle ich die Tanks und die Lebensmittel auf, und begebe mich auf die schöne Fahrt Richtung Norden.

Die Strecke windet sich immer höher hinauf durch eine bunte und großartige Landschaft, Argentinien pur.

Ich erreiche San Antonio de los Cobres auf über 3700 Metern gelegen, und weit und breit die größte Ansiedlung mit immerhin ca. 4000 Einwohnern. Die Bewohner des schmucklosen Kaffs finden Arbeit in den Minen der Umgebung. Lama und Alpaka Zucht spielt wie so häufig eine Rolle und auch zunehmend Tourismus.

Nach einer ruhigen Nacht auf einem Parkplatz im Ort, geht die Strecke bald auf Asphalt und durch schöne einsame Gegend in Richtung Paso de Sico, den ich jedoch nicht ansteure, sondern weiter in die unendliche Weite der Puna.

Ich erreiche das Desierto del Diablo mit seiner roten Landschaft

Waschbrettpisten vom Feinsten

Da meine Lüftung schon länger nicht mehr perfekt läuft, bereits einmal in Uruguay repariert wurde und auf kleiner Stufe gar nichts mehr geht, habe ich ihr hier auf großer Höhe wohl zuviel zugemutet.

Ich habe einen erneuten Totalausfall zu beklagen, was sich leider in Anbetracht der üblen Staubpisten fatal auswirkt, weil die hintere Türe alles andere als dicht ist und ohne Lüftung der Dreck geradezu rein gesogen wird.

Da dies ein Rundkurs werden sollte, ich aber nicht weiß, wann und wo mal wieder eine vernünftige Werkstatt aufzutreiben ist und noch hunderte Kilometer Piste vor mir liegen würden, entscheide ich mich zähneknirschend zurück nach Salta zu fahren, um noch vor den Weihnachtsfeiertagen eine Werkstatt aufzutun, was knapp genug wird. 

Beim ersten Versuch finde ich dank IOverlander den richtigen Mann, der sofort den Lüftungsmotor ausbaut und zur Reparatur weitergibt. Zum Glück stellt sich passend auch noch heraus, dass sich die Motorhaube nicht mehr öffnen lassen will und nach einer längeren OP ist das auch gleich wieder in Ordnung gebracht. Ich darf eine Nacht in der Werkstatthalle übernachten und am Morgen ist der Motor zurück, schnell eingebaut, vom Chef persönlich an einem Samstag, und ich wieder on the road.

Nun aber erstmal endgültig Tschüss Salta. 

Da ich die Ruta 40, die weiter westlich verläuft ja schon zur Genüge kenne, nehme ich die 68. Hätte ich das Problem mit der Lüftung nicht gehabt, wäre mir diese entgangen, was total schade gewesen wäre, denn sie verläuft wunderschön durch herrliche Landschaft. Auch das ein oder andere traumhafte Übernachtungsplätzchen und ein paar Wanderungen tun sich auf und so begebe ich mich tiefenentspannt im Schneckentempo südwärts.

Ich erreiche Cafayate, welches im Gegensatz zu meinem letzten Besuch noch im vorweihnachtlichen Koma liegt. Viele Restaurants sind noch geschlossen und es ist angenehm entspannt hier ohne Touristenmassen durchzubummeln. Noch Vorräte auffüllen, und ab in die Halbwüste.

Den Platz in Santa Maria kenne ich bereits und nutze ihn für zwei Tage über Weihnachten zum Duschen, Wifi und Wasser auffüllen. Warm ist es, sehr warm!

Ich genieße die schönen, einsamen, kargen Wüstenplätzchen. Auf der 40, die mich mangels Alternative nun endgültig zurück hat, ist so gut wie nichts los. Wenn ich nicht sowieso länger bleibe, fahre ich gegen Mittag, wenn es keinen Schatten mehr gibt, ein Stückchen weiter, die 40 ist praktisch ausgestorben mit fast keinem Verkehr, einfach herrlich.

Im wohlbekannten netten kleinen Örtchen Chilecito schaue ich ein paar Stunden vorbei und entschließe mich dann, ein Stück zurück Richtung dem kleinen Ort Famatima zu fahren. Kurz dahinter finde ich ein Plätzchen an diesem ockerfarbigen sorgfältig eingedämmten Bach, der aus den Bergen der Sierra Famatima kommt bzw. dem Rio Amarillo - dem gelben Fluss - entstammt.

Tags darauf begebe ich mich in Richtung Mina La Mejicana.

Durch tolle Kulisse und mit Blick hinunter auf den Rio Amarillo, schraube ich mich zunächst noch an ein paar einzelnen Behausungen vorbei immer höher hinauf.

Die Piste wird zunehmend schmaler und steiniger, das Gelände steiler, Gegenverkehr wäre suboptimal.

Irgendwann tauchen verfallene Gebäude auf und die Piste gabelt sich. Ich nehme den rechten Abzweig hinein ins gelbe Tal.

Und dann passiert es doch. Da sich die Anfahrt steil und langsam gestaltete, musste ich irgendwann die Untersetzung zuschalten, denn der unkaputtbare jedoch recht träge 1HZ Motor ohne Turbo und gerade unter diesen Bedingungen nicht ideal, hätte es sonst nicht gepackt, denn die Höhe nimmt ihm zuviel der dringend benötigten Leistung. Obwohl ich im Schneckentempo unterwegs bin und ständig die Temeraturanzeige fixiere, steht diese beim nächsten Hingucker plötzlich fast ganz oben. Mir sträuben sich sämtliche Nackenhaare und ich fahre sofort an den Rand und stelle den Motor ab. Nachdem ich mich wieder beruhigt habe, mache ich mir klar, das dies ja nicht das erste Mal ist und ich nur zu warten brauche, bis der Motor wieder runterkühlt. Das Ende der Piste ist 200 Meter weiter sowieso erreicht, mein Auto hat wie immer das Letzte gegeben. 

Faszinierend ist es hier am Arm der Welt auf 4600 Metern.

Artefakte und verfallene Gebäude aus der Minenära gibt es zu sehen, sowie verfallene Stollen. 1903 begann man mit Hilfe deutscher Ingenieurskunst mit dem Bau einer Seilbahn, um Material und alles was sonst benötigt wurde herauf, und natürlich die Ausbeute aus den Minen hinunter zu schaffen. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um Kupfererz, Gold und Silber. Die Seilbahn war damals ein Novum der Firma Adolf Bleichert und die längste der Welt. Im Jahr 1920 beendete man den Abbau.

Nach eineinhalb Stunden ist bei Wally wieder alles im grünen Bereich und runter geht ja immer, jedoch verzichte ich besser mal auf den linken Abzweig, da es dort wieder aufwärts geht.

Was mich wirklich interessiert ist, warum der Fluss diese Farbe hat. Ist das Naturgegeben? Nein, der Fluss ist giftig und übersäuert, was wohl hauptsächlich vom Abbau des Goldes herrührt. Ob Gold, Silber oder was auch immer, Argentinien sowie der restliche Kontinent ist voll von Minen und ökologischen Umweltkatastrophen dieser Art, die uns, so scheint es, nicht betreffen. Leider ein fataler Denkfehler und gezielte Desinformation. Allein der neue Hype um die angeblich so umweltfreundlichen E- Autos ist gezielte Verdummung durch Industrie und Regierungen. E- Autos retten zwar die Autoindustrie und ihre Handlanger, sind aber weltweit für die Umwelt und die in den Abbauregionen betroffene Bevölkerung eine gesundheitliche und ökologische Katastrophe, denn für deren Herstellung werden Unmengen Co 2 ausgestoßen und seltene Metalle benötigt, aber dafür hat der reiche Westen dann Abgasfreie Innenstädte!

Das Wasser des Rio Amarillo ist extrem kostbar in einer solch wasserarmen Halbwüstenregion und die Bevölkerung im Tal nutzt das Wasser für ihre Obst und Olivenhaine.

Ich rumpel wieder hinunter und übernachte mit toller Aussicht und Stimmungen.

Zeit, in die Wärme zu fahren und ein mir bereits bekanntes Plätzchen für den Jahreswechsel aufzusuchen. 

2020 ist ganz leise gekommen, und noch ahnt keiner was...! Nach ein paar Tagen eise ich mich los, fahre ein Stück zurück, und rolle erneut der Wunderwelt der Anden entgegen.

Auf 3500 Metern ist der erste Übernachtungsstopp angesagt, um nicht Opfer von Kopfschmerzen aufgrund zu schnellem Aufstieg zu werden. 

Die Fahrt über den Paso De Pircas Negras ist für mich auch im Nachhinein die schönste Andenquerung. Ich bin begeistert von den bunten An - und Aussichten, sowie der komplett einsamen Piste.

Ich kann mich einfach komplett begeistern für diese leeren, kargen, einsamen, reduzierten Landschaften. 

Ich erreiche den einsamen Grenzposten auf 4000 Metern. Argentinier und Chilenen sitzen hier zusammen. Die Chilenen interessieren sich zu meiner Erleichterung nicht für das Auto und so sind die Formalitäten schnell erledigt.

Ein paar Kilometer weiter erreiche ich den höchsten Punkt und betrete mal wieder Chile. Auch diese Seite glänzt mit seiner herben Schönheit und einer kurvigen Strecke hinunter in etwas tiefere Ebenen.

Für meinen Geschmack ist diese Fahrt mal wieder viel zu schnell vorbei, doch nach einer schönen Nacht am Fluss auf etwas tieferem Niveau, geht es spektakulär durch canyonartige Landschaft und dann hinauf zum nächsten Pass weiter.

Auf der anderen Seite des Passes, erwarten mich heisses Wüstenklima und neu angepflanzte Weinreben soweit das Auge reicht. Das dies in einem derart wasserarmen Umfeld nicht ohne Langzeitschäden realisierbar ist, ist für mich überhaupt keine Frage. 

Ich statte Copiapo zur Rundum Neuversorgung einen Besuch ab, und begebe mich dann Richtung Nationalpark Nevado Tres Cruces nordöstlich Richtung argentinischer Grenze gelegen.

Nach einer Nacht an einem wunderschönen Wüstenplatz, geht es am Morgen wieder in die Höhe zum nächsten Pass.

Weiter unten erwartet mich übelste Staubpiste, bis ich schließlich die asphaltierte 31 erreiche, die in Richtung Argentinien zum Paso San Francisco und die spektakuläre Gegend um den höchsten Vulkan Chiles führt.

Der Ojos del Salado ist nicht nur der höchste Vulkan Chiles, sondern mit seinen 6893 Metern der höchste der Welt, zudem noch aktiv und der zweithöchste Berg der Amerikas nach dem Aconcagua.  

Viele weitere fast ebenso hohe Kollegen formieren sich drumherum in dieser Landschaft zum niederknien.

Ich erreiche die Laguna Verde kurz vor der argentinischen Grenze und übernachte dort auf 4300 Metern. Die Nacht kühlt auf um die 0 runter und da es hier jetzt auch nicht so gemütlich ist mit dem kalten Wind, treten ich und mein total verdrecktes Auto langsam den Rückweg an, noch einmal diese Landschaft mit allen Sinnen genießend. 

Ganz langsam gleite ich in tiefere Gefilde und irgendwann hat mich die heiße Halbwüste wieder. Ich begebe mich erneut nach Copiapo zur Versorgung und anschließend Richtung Küste.

Hier verbringen die Chilenen zur Zeit ihre Sommerferien. Aus der recht öden, braunen Wüste, tauchen auf einmal zusammengezimmerte Holzbuden und ein netter Strand auf. Nach den Ferien verfällt alles wieder in den Tiefschlaf und nur ein paar Dauerbewohner und Fischer bleiben zurück. Ich begebe mich lieber ein Stück zurück ins Landesinnere für eine ruhige Übernachtung.

Die Fahrt geht weiter nach Süden, immer so nah wie möglich entlang der Küste.

Ich finde einige sehr schöne, menschenleere Plätze direkt an der felsigen Küste, wo ich lange verweile. Vieles scheint jedoch gerade in jüngster Zeit in Privatland umgewandelt worden zu sein, offenbar an irgendwelche Konzerne, die das Land vermutlich in Zukunft ausbeuten werden oder Private sowie Ferienkomplexe drauf zu setzen. Obwohl in Chile der Zugang zum Meer für jedermann möglich gemacht werden muß, wird dies durch Verbotsschilder und Zäune immer mehr erschwert. Eine sehr negative Entwicklung, selbst hier am Arm der Welt.

Ich schaue mich im netten Örtchen.....um, wo an der Mole immer wieder Fischer mit ihrem Fang anlanden, dieser sofort ausgenommen wird und die Reste sofort im Meer landen, wo die heimische Tierwelt sich blitzschnell drauf stürzt, ein lustiges Schauspiel.