Elephant Island, South Shetland, Antarktische Halbinsel, Kap Hoorn, Ushuaia

Die zwei Seetage verlaufen ruhig. Shack Rock, der das erste Anzeichen von Land markiert, versinkt im Nebel. Die Wolken hängen tief, als wir das legendäre Elephant Island erblicken.

Das ist es also, wo 22 Männer über vier Monate ausharren mußten, bis sie schließlich gerettet wurden. Unglaublich für mich, dies mit eigenen Augen zu sehen. Ein felsiger Hügel, mehr ist es nicht. Die Männer hatten sich rechts davon auf dem kleinen Streifen zwischen der Insel und der steil aufragenden Landmasse, knapp über dem Wasserspiegel unter zwei der drei mitgebrachten, umgestülpten Boote eingerichtet. Sie tauften es Point Wild, nach ihrem Kommandanten Frank Wild, der viel dazu beitrug, dass die ganze Truppe diese Zeit überstand. Das dritte Boot wurde vom Schiffszimmermann so gut es ging hergerichtet und verstärkt, für die gefährliche Reise, die sechs Männer schließlich nach Cape Rosa brachte.

Gleich rechts davon, kalbt dieser große Gletscher ins Meer. Eine extrem ungemütliche Gegend.

Die 182 Passagiere an Bord sind in Bootsgruppen von jeweils ca. 25 Leuten aufgeteilt, die sich pro Landgang weiter verschieben, so dass jeder mal vorne ist. Die Gruppen werden dann versetzt aufgerufen und an Land gebracht bzw. zurück geholt, da an den meisten Anlandepunkten der Reise nicht mehr als 100 Leute auf einmal an Land erlaubt sind. Alles geht entsprechend langsam, zumal es ohnehin außergewöhnlich ist, dass es überhaupt ruhig genug ist zum Anlanden. Wir sind heute in der letzten Gruppe und mit Sorge beobachte ich, wie sich immer mehr Eis vom Gletscher zum Anlandepunkt schiebt, auch die See wird unruhiger. Drei Gruppen schaffen es, dann ist Schluss. In einem Video wird uns am Abend gezeigt, wie schwierig es für die letzten Leute bereits war, zurück ins Boot zu kommen, trotzdem bin ich wahnsinnig enttäuscht, doch in diesen Breitengraden ist einfach nichts garantiert. Stattdessen unternehmen wir eine Zodiac Tour.

Spektakuläre, raue, unwirkliche Gegend, für einen längeren Aufenthalt nicht ganz so geeignet. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Männer hier gelitten haben müssen. Die Insel ist von Pinguinen und Seevögeln bevölkert.

In rasanter Geschwindigkeit ist die Bucht mit Eis vom nahen Gletscher dicht. Links sieht man die Gedenk Statue am Point Wild.

Wir fahren weiter Richtung Süd Shetland Inseln, wo auch Elephant Island zugehört. Diese bestehen aus 11 größeren und einigen kleineren Inseln, wobei das Klima rund ums Jahr relativ mild ist, was viele Forschungsstationen nutzen.

Die geplante Anlandung in Kinnes Cove fällt wegen zuviel Dünung aus.

Wir erreichen eine Gegend mit riesigen Eisbergen.                                          

Brown Bluff klappt bei Bomben Wetter, wir werden von süßen Adeliepinguinen begrüßt.

Auch Eselspinguine brüten hier und sind mal wieder fleißig am Steine sammeln für den Nestbau.

Weiter geht es an Mega Eisbergen vorbei zu den Aitcho Inseln, wo wir aufgrund der Dünung nicht anlanden können.

Wir verbringen den nächsten Morgen in Yankee Harbour bei gruseligem Wetter mit Eselspinguinen und Robben. Anschließend fahren wir weiter zum berühmten Deception Island, wo wir bei Schneetreiben und schlechter Sicht durch die schmale Einfahrt entlang von Steilwänden in die Caldera einfahren, ziemlich einmalig.

Wir werden bei starkem Schneetreiben am schwarzen Strand der Whalers Bay abgesetzt. Endlich mal so richtiges Antarktis Wetter. Vom vulkanischen Deception Island ist nur noch der Rand übrig, die Caldera ist durch Vulkanausbrüche eingebrochen, geflutet und so tief, dass dort Schiffe einfahren können. Nach wie vor ist dies hier hochaktives Gebiet und könnte jederzeit explodieren. Der schwarze Strand ist teilweise ganz warm. Gebäude und Kessel zeugen von früherer Aktivität durch Wal, bzw. Robbenschlächter und Forscher.

Zügel und Eselspinguine trotzen hier dem Wetter in der Whalers Bay

Die Stimmung ist toll, auch für Fotos

Nachdem sich noch erstaunlich viele Leute in die Fluten gestürzt haben, verlassen wir diesen unwirklichen und ganz besonderen Ort.

Tags darauf versucht das Expeditionsteam in Orne Harbour anzulanden, Versuch gescheitert, der Anlandepunkt ist noch mit hoch aufgetürmten Eis blockiert, wir haben das Nachsehen.

Weiter geht es in die Wilhelmina Bay, wir gehen auf Zodiac Tour und treffen später auf das neueste Hurtigruten Flagschiff mit Hybrid Technik, die Roald Amundsen. Das Schiff startet gerade in seine erste Antarktis Saison und fährt "nur" die antarktische Halbinsel an. Es kann über 200 Passagiere mehr fassen als die Fram, was für mich schon ein Ausschlusskriterium wäre, jedoch machen sich die Norweger zumindest Gedanken über alternative und umweltfreundlichere Techniken. Nebenbei sei auch noch erwähnt, dass es sowohl in der Antarktis, als auch in der Arktis zum Glück nicht erlaubt ist, die Schiffe mit Schweröl zu betreiben, so wie es bei den großen Kreuzfahrtschiffen leider Standard ist.

Und weiter geht es durch atemberaubende, eisige Kulisse

Immer tiefer hinein in die Paradise Bay, die ihren Namen nicht zu unrecht trägt. Eine unwirkliche Sinfonie aus gigantischer Landschaft. Auch lassen sich vermehrt Wale blicken.

Wir erreichen die argentinische, nicht besetzte Forschungsstation Almirate Brown Reseach Station. Zuvor hatten wir bereits eine ebenfalls nicht besetzte chilenische Station in spektakulärem Setting passiert. Zwar ist es bedeckt, doch gibt es immer wieder tolle Stimmungen durch kurzfristigen Sonnendurchbruch.

Wir gehen an Land und stapfen anschließend einen kleinen Berg hinter der Station  rauf, von dem man toll auf dem Hosenboden wieder runterrutschen kann, gigantische Aussichten inbegriffen. 

Wir bleiben über Nacht in der Paradise Bay, genau wie in der Arktis, gibt es nur wenige Stunden kein bzw. wenig Tageslicht im Sommer. Um 7 Uhr schallt die Stimme unserer Expeditionsleiterin in die Kabine. Die Stimmung draußen wäre fantastisch. Drei Minuten später bin ich an Deck.

Perfekte Spiegelung an einem windstillen, sonnigen Morgen

Orte und Momente, die sich ins Gedächtniss und die Seele einbrennen

Wir gleiten bis nach Danco Island, wo wir anlanden und auf zahlreiche Eselspinguine treffen. 1700 Paare brüten hier teilweise hoch am Berg. Wir erklimmen diesen und brechen teilweise bis zu den Knien in Weichschnee ein. Diese Löcher müssen wieder verschlossen werden, könnte sonst zur Pinguinfalle werden.

Die Aussichten hier oben sind mal wieder unglaublich.

Pinguine haben natürlich immer Vorrang. Das Expeditionsteam steht an den neuralgischen Punkten der Pinguin Autobahn, damit niemand unnötig aufgehalten wird durch die Typen in den roten Jacken.

Kleiner Schmutzfink auf dem Weg zur Waschung

Wir gleiten langsam aus der Paradise Bay zum nächsten atemberaubenden Anlandepunkt, Damoy Island.

Für einige Jahre wurde dieser Ort von den Briten als Anlande und Transit Platz für Forscher genutzt. Man kann wirklich keine Wertung mehr vornehmen, wo es eigentlich am schönsten oder noch schöner ist, aber dieser Ort in der Nachmittagssonne vor stahlblauem Himmel ist schon sehr speziell.

Am nächsten Morgen, wieder bei perfekten Wetterbedingungen, fahren wir in den spektakulären Lemaire Kanal ein. Hier treffen wir auf viel Eis, welches die Fram jedoch bewältigen kann.

Durch immer dichter werdendes Eis, gleitet die Fram ganz langsam durch diese grandiose Landschaft.

Wir treffen auf ein anderes Schiff, die National Geographic, und dies verdeutlicht nochmal diese umwerfende Kulisse, in der wir uns befinden.

Der Lemaire Channel ist eng und wir fahren teilweise mit nur ein paar Metern Abstand hindurch. Der Kanal hat einen Ausgang, doch irgendwann müssen wir umdrehen, weil das Eis zu dicht wird für die Fram.

Bevor wir uns leider verabschieden müssen, gehen wir noch einmal auf Zodiak Tour. Solch eine Kulisse nicht aus der erhöhten Position des Schiffes zu betrachten, ist besonders spektakulär.

Und was ich nicht zu hoffen gewagt hätte, tritt ein, wir sichten mehrere Seeleoparden, das gefährlichste Raubtier der Antarktis. Auch ein Kaiserpinguin wird von einigen anderen Gruppen gesichtet, uns bleibt er zwar verborgen, aber ich bin glücklich genug beim Anblick der Seeleoparden.

Der Kaiserpinguin ist der größte Pinguin der Welt und nochmal größer als der Königspinguin. Er lebt tief in der Weddel Sea, für uns ihm Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit unerreichbar. Außerdem gilt er als gefährdet und sollte deshalb ohnehin besser in Ruhe gelassen werden.

Seeleoparden sind neben dem Schwertwal das beherrschende Raubtier des Südpolarmeeres. Pinguine, Weddellrobben und Krabbenfresser stehen genauso auf dem Speiseplan wie Krill, also kleine Krebstiere. Schön zu erkennen, ist das breite Maul, welches ihn allein dadurch gut von einer Robbe unterscheidet. Der stromlinienförmige Körper kann bis zu 40 km/h schnell werden. Expeditionen, so auch die von Shackleton, berichten von Angriffen.

Nach diesem letzten unglaublich beeindruckenden Ausflug, setzt die Fram die nicht vorhandenen Segel hinaus aufs offene Meer in Richtung Norden.

Den ganzen Abend gleiten wir durch einen sich immer mehr weitenden Kanal. Die verschiedenen Lichtstimmungen verdeutlichen noch einmal die Schönheit und Einzigartigkeit dieser abgelegenen Gegend. Man kann sich einfach nicht satt sehen und die Hoffnung, dass die Menschheit diesen und die anderen Naturschätze dieses Planeten zu schätzen weiß und zukünftig entsprechend handeln wird, anstatt sich weiterhin der ungezügelten Gier hinzugeben, diese Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Drake Passage, auch gern wegen ihrer notorisch unruhigen See als shaky Drake betitelt, zeigt sich sehr gnädig und da wir noch ein wenig Zeit haben, bevor wir in den Beagle Kanal einfahren, werden wir informiert, dass der Captain aufgrund des ruhigen Wetters Kap Hoorn ansteuern wird.

Dies ist nun wirklich das Krönchen obenauf! Wann kommt man schon mal zufällig und unerwartet bei Kap Hoorn vorbei? Immer schon wollte ich da mal einen Blick drauf werfen, einfach wissen, wie es hier aussieht.

Bis auf eineinhalb Kilometer nähern wir uns. Unsere Expeditionsleiterin hält ein Schwätzchen über Funk mit dem einsamen chilenischen Leuchtturmwärter. Dieser hält hier ein Jahr die Stellung, bevor er abgelöst wird.

Kap Hoorn liegt auf der Isla Hornos und ist der südlichste Punkt des Feuerlandarchipels. 100 Kilometer weiter südlich gibt es noch die ebenfalls zu Chile gehörenden Diego-Ramirez Inseln, die den geographisch südlichsten Punkt Südamerikas markieren.

Zu früheren Zeiten während der Segelschiff Ära, war dies aufgrund seiner extremen Winde und die daraus resultierenden bis zu 10 Meter hohen Wellen eine gefürchtete Gegend unter den Kapitänen. Über 800 Schiffe und 10 Tausend Menschen sollen dem Wetter hier zum Opfer gefallen sein. Kap Hoorn gilt als der größte Schiffsfriedhof der Welt. Zu Ehren der Ertrunkenen, wurde ein Denkmal errichtet, welches wir von Weitem sehen können. Touristen besuchen die Isla Hornos regelmäßig im Rahmen einer Schiffsreise. Wir jedoch fahren weiter in Richtung Beagle Kanal und Ushuaia.

Als wir morgens um 7 Uhr aufwachen, haben wir bereits im sonnigen Ushuaia festgemacht. Kein Plätzchen ist mehr frei, die Schiffe liegen dicht an dicht.

Wir bummeln noch ein wenig durch die Stadt, bevor unser Flug zurück nach Buenos Aires geht, wo wir uns für 3 weitere Tage in einem zentralen Hotel eingemietet haben. Ganz besondere Wochen, die sich schwer in Worte fassen lassen liegen hinter uns. Die Verarbeitung wird Monate dauern und das Erlebte tief im Herzen verankert bleiben. 

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