Elephant Island, South Shetland, Antarktische Halbinsel, Kap Hoorn, Ushuaia

Die zwei Seetage verlaufen ruhig. Shack Rock, der das erste Anzeichen von Land markiert, versinkt im Nebel. Die Wolken hängen tief, als wir das legendäre Elephant Island erblicken.

Das ist es also, wo 22 Männer über vier Monate ausharren mußten, bis sie schließlich gerettet wurden. Unglaublich für mich, dies mit eigenen Augen zu sehen. Ein kleiner felsiger Hügel, mehr ist es nicht. Die Männer hatten sich rechts davon auf dem kleinen Streifen zwischen der Insel und der steil aufragenden Landmasse, wenige Meter über dem Wasserspiegel unter zwei der drei mitgebrachten, umgestülpten Boote eingerichtet. Sie tauften es Point Wild. Das dritte Boot wurde vom Schiffszimmermann so gut es ging hergerichtet und verstärkt für die gefährliche Reise, die sechs Männer schließlich nach Cape Rosa brachte.

Gleich rechts davon, kalbt dieser große Gletscher ins Meer. Eine extrem ungemütliche Gegend.

Die 182 Passagiere an Bord sind in Bootsgruppen von jeweils ca. 25 Leuten aufgeteilt, die sich pro Landgang weiter verschieben, so dass jeder mal vorne ist. Die Gruppen werden dann versetzt aufgerufen und an Land gebracht bzw. zurück geholt, da an den meisten Anlandepunkten der Reise nicht mehr als 100 Leute auf einmal an Land erlaubt sind. Hier wäre das schon zuviel, alles geht entsprechend langsam, zumal es ohnehin außergewöhnlich ist, das es überhaupt ruhig genug ist zum Anlanden. Wir sind heute in der letzten Gruppe und mit Sorge beobachte ich, wie sich immer mehr Eis vom Gletscher zum Anlandepunkt verschiebt, auch die See wird unruhiger. Drei Gruppen schaffen es, dann ist Schluss. In einem Video wird uns am Abend gezeigt, wie schwierig es für die letzten Leute bereits war, zurück ins Boot zu kommen, trotzdem bin ich wahnsinnig enttäuscht, doch in diesen Breitengraden ist einfach nichts garantiert. Stattdessen unternehmen wir eine Zodiac Tour.

Spektakuläre, raue, unwirkliche Gegend, für einen längeren Aufenthalt nicht ganz so geeignet. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Männer hier gelitten haben müssen. Die Insel ist von Pinguinen und Seevögeln bevölkert.

In rasanter Geschwindigkeit ist die Bucht mit Eis vom nahen Gletscher dicht. Links sieht man die Gedenk Statue am Point Wild.

Wir fahren weiter Richtung Süd Shetland Inseln, wo auch Elephant Island zugehört. Diese bestehen aus 11 größeren und einigen kleineren Inseln, wobei das Klima rund ums Jahr relativ mild sein soll, was viele Forschungsstationen nutzen.

Die geplante Anlandung in Kinnes Cove fällt wegen zuviel Dünung aus.

Wir erreichen eine Hammer Gegend mit riesigen Eisbergen.

Brown Bluff klappt bei Bomben Wetter, wir werden von süßen Adelie Pinguinen begrüßt.

Auch Esels Pinguine brüten hier und sind mal wieder fleißig am Steine sammeln für den Nestbau.

Weiter geht es an Mega Eisbergen vorbei zu den Aitcho Inseln, wo wir aufgrund der Dünung nicht anlanden können.

Wir verbringen den nächsten Morgen in Yankee Harbour bei gruseligem Wetter mit Esels Pinguinen und Robben. Anschließend fahren wir weiter zum berühmten Deception Island, wo wir bei Schneetreiben und schlechter Sicht durch die schmale Einfahrt entlang von Steilwänden in die Caldera einfahren, ziemlich einmalig.

Wir werden bei starkem Schneetreiben am schwarzen Strand der Whalers Bay abgesetzt. Endlich mal so richtiges Antarktis Wetter. Vom vulkanischen Deception Island ist nur noch der Rand übrig, die Caldera ist durch Vulkanausbrüche eingebrochen, geflutet und so tief, dass dort Schiffe einfahren können. Nach wie vor ist dies hier hochaktives Gebiet und könnte jederzeit explodieren. Der schwarze Strand ist teilweise ganz warm. Gebäude und Kessel zeugen von früherer Aktivität durch Wal, Robbenschlächter und Forscher.

Zügel und Esels Pinguine trotzen hier dem Wetter in der Whalers Bay

Die Stimmung ist toll, auch für Fotos

Nachdem sich noch erstaunlich viele Leute in die Fluten gestürzt haben, verlassen wir diesen unwirklichen und ganz besonderen Ort.

Tags darauf versucht das Expeditionsteam in Orne Harbour anzulanden, Versuch gescheitert, der Anlandepunkt ist noch mit hoch aufgetürmten Eis blockiert, wir haben das Nachsehen.

Weiter geht es in die Wilhelmina Bay, wir gehen auf Zodiac Tour und treffen später auf das neueste Hurtigruten Flagschiff mit Hybrid Technik, die Roald Amundsen. Das Schiff startet gerade in seine erste Antarktis Saison und fährt "nur" die antarktische Halbinsel an. Es kann über 200 Passagiere mehr fassen als die Fram, was für mich schon ein Ausschlusskriterium wäre, jedoch machen sich die Norweger zumindest Gedanken über alternative und umweltfreundlichere Techniken. Nebenbei sei auch noch erwähnt, dass es sowohl in der Antarktis, als auch in der Arktis zum Glück nicht erlaubt ist, die Schiffe mit Schweröl zu betreiben, so wie es bei den großen Kreuzfahrtschiffen leider Standard ist.

Und weiter geht es durch atemberaubende eisige Kulisse. 

Immer tiefer hinein in die Paradise Bay, die ihren Namen nicht zu unrecht trägt. Eine unwirkliche Sinfonie aus gigantischer Landschaft. Auch lassen sich vermehrt Wale blicken.

Wir erreichen die argentinische, nicht besetzte Forschungsstation Almirate Brown Reseach Station. Zuvor hatten wir bereits eine ebenfalls nicht besetzte chilenische Station, ebenfalls in spektakulärem Setting passiert. Zwar ist es bedeckt, doch gibt es immer wieder tolle Stimmungen durch kurzfristigen Sonnendurchbruch.

Wir gehen an Land und stapfen anschließend einen kleinen Berg hinter der Station  rauf, von dem man toll auf dem Hosenboden wieder runterrutschen kann, gigantische Aussichten inbegriffen. 

Wir bleiben über Nacht in der Paradise Bay, genau wie in der Arktis, gibt es nur wenige Stunden kein bzw. wenig Tageslicht im Sommer. Um 7 Uhr schallt die Stimme unserer Expeditionsleiterin in die Kabine. Die Stimmung draußen wäre fantastisch, meint sie, drei Minuten später bin ich an Deck.

Perfekte Spiegelung an einem windstillen, sonnigen Morgen an einem der schönsten und abgelegensten Plätze dieses Planeten, mehr Mega geht nicht!

Orte, die sich ins Gedächtniss und die Seele einbrennen, die Stimmung ist fantastisch!

Wir gleiten bis nach Daco Island, wo wir anlanden und einmal mehr auf zahlreiche Esel Pinguine treffen. Sie brüten teilweise hoch auf dem Berg. Wir erklimmen diesen und brechen teilweise bis zu den Knien in Weichschnee ein. Diese Löcher müssen wieder verschlossen werden, könnte sonst zur Pinguin Falle werden.

Die Aussichten hier oben sind mal wieder unglaublich!

Pinguine haben natürlich immer Vorfahrt. Das Expeditionsteam steht an den neuralgischen Punkten der Pinguin Autobahn, damit niemand unnötig aufgehalten wird durch die Typen in den roten Jacken.

Kleiner Schmutzfink auf dem Weg zur Waschung.

Wir gleiten langsam aus der Paradise Bay zum nächsten atemberaubenden Anlandepunkt, Domoy Island.