02.10., Deutschland: Über ein halbes Jahr später bewegt sich in Argentinien immer noch nichts und auch alle übrigen Grenzen des Kontinents sind auf dem Landweg nach wie vor für Reisende geschlossen.

Ich schätze mich glücklich, zufälligerweise ein recht gutes Timing bewiesen zu haben und das Gros dessen was ich machen wollte, verwirklichen konnte. Meine erneute Durchquerung der USA aus eigener Kraft diesen Sommer musste ausfallen und so wird es wohl auch mit den geplanten Brasilien Plänen geschehen. Aber.... Stillstand ist nicht mein Ding, Optimismus ist schon mal die halbe Miete und es gibt ja trotzdem so viel zu tun! Ich verbringe Monate im Chiemgau mit Abstechern nach Tirol und ins Berchtesgadener Land und lasse mal wieder ordentlich die Wanderschuhe qualmen.

Außerdem bin ich seit meinem unfreiwilligen Abgang aus Südamerika schwer damit beschäftigt, meinen lang angedachten Traum eines etwas komfortableren und meinen Ansprüchen angepasstes Reisefahrzeug zu verwirklichen. Dies klappt bisher erstaunlich gut und in einem geradezu atemberaubendem Tempo.  

06.08., Deutschland: Während wir noch versuchen, die vergangenen Eindrücke einigermaßen zu verdauen, kommen die Süd Shetlandinseln in Sicht. Wir besuchen das legendäre Elephant Island und betreten viele weitere faszinierende Orte bei und auf der antarktischen Halbinsel. Eine Sinfonie aus Landschaft, Eis und Tierwelt erschlägt uns fast. Das Krönchen oben drauf setzt der Captain mit einem unerwarteten Abstecher nach Kap Hoorn. Eine Reise der Superlative, die uns deutlich mehr wert war als das, was wir dafür ausgegeben haben, denn sie ist zu einem unzerstörbaren Baustein unserer Seele geworden.

25.06., Deutschland: Nach weiteren Tagen auf See, erblicken wir das abgelegene Südgeorgien, eines der letzten fast unberührten (Tier) Paradiese dieser Erde.

Zunächst steuern wir die unglaublich schöne und selten besuchte King Haakon Bay an. In der Right Whale Bay raubt uns die Landschaft und die unüberschaubare Zahl an Königspinguinen und arktischen Pelzrobben schier den Atem.

25.05., Deutschland: Unsere unvergessliche Reise in die Antarktis, startete am 18. November `19 von Ushuaia aus. Ich und meine Mutter besteigen die „Fram“ der norwegischen Reederei Hurtigruten und sichten zwei Tage später die Falklandinseln. Saunders Island beeindruckt uns mit seinen diversen Pinguinarten und der Vogelvielfalt, sowie einem traumhaft weißen Strand besonders.

 

Meine Entscheidung, nach Deutschland zu fliegen, um die weiteren Entwicklungen hier abzuwarten und zu beobachten, war auch im Nachhinein gesehen die Richtige. Hier habe ich deutlich mehr Bewegungs und Handlungsspielraum. In Argentinien wäre ich nach wie vor dazu verdammt, irgendwo extrem eingeschränkt an einem Platz zu hocken, eine wahre Horrorvorstellung für mich.

25.04., Deutschland: Früh am Morgen, noch im Dunkeln, werden wir aus dem Städtchen eskortiert. Man hat uns noch den so wichtigen Gesundheits Wisch ausgehändigt, der besagt, dass wir hier 14 Tage Quarantäne hinter uns haben.

Schnell löst sich die Gruppe bestehend aus Argentiniern, Franzosen und mir auf und ich genieße die leere weite Pampa und die vermeintliche Freiheit.

Bald ist es damit wieder vorbei, denn auf den kommenden 2200 Kilometern, die ich in den nächsten vier Tagen zurücklege, habe ich 20 Polizei Blockaden zu passieren, muss Fiebermessungen und Fragen über mich ergehen lassen und darf mich nirgendwo anders als auf bzw. unmittelbar neben der Hauptstraße aufhalten. Einzig Tankstellen sind erlaubt. Das Gefühl, weiterhin Aussätzig zu sein verstärkt sich. Für Wally habe ich bei Buenos Aires einen guten Platz gefunden und so erreiche ich nach weiteren Kontrollen mein Hostal in der Nähe des Flughafens. Dort hoffe ich weiterhin vergeblich auf eine Benachrichtigung der Botschaft für die kommenden Rückholflüge. Zu meinem Glück tut sich schon am Tag nach meiner Ankunft die Möglichkeit auf, einen Flug mit KLM nach Amsterdam zu buchen, und so lande ich dort am 8.4. und schaffe es noch am selben Tag bis in die alte Heimat, wo erneute Quarantäne angesagt ist. Fünf Wochen lang mehr oder weniger als Aussätzig behandelt zu werden, fordert doch etwas mentale Stärke, von der ich mir ja in meiner langjährigen Reise und Outdoor Karriere reichlich aneignen durfte.

Meine letzte längere Wanderung vor dem Lock down führte mich zur Otto Meiling Hütte im wunderschönen Parque Nacional Nahuel Huapi. Im Hintergrund der Doppel Vulkan Tronador auf der argentinisch/chilenischen Grenze gelegen.

28.03., Perito Moreno, Argentinien: Die vergangenen drei Monate waren mal wieder eine sehr langsame, geradezu meditative, traumhafte, unvergessliche Zeit. Ich befand mich schon fast auf dem Weg nach Uruguay, um Wally dort abzustellen und meine diesjährigen extrem sportlichen Pläne umzusetzen. Und dann, plötzlich mitten in der argentinischen Pampa – Filmriss – Apokalypse now? Ich hatte eigentlich gehofft, solch ein Szenario würde noch ein paar Jahrzehnte weit weg sein, aber nun müssen wir da wohl durch. Ich sitze nun seit über einer Woche mit weiteren 20 Leuten aus 7 Nationen in kompletter Quarantäne auf dem städtischen Campingplatz. Es hätte uns alle schlechter treffen können. Trotzdem macht sich jeder so seine Gedanken über das ausgeliefert sein, die extreme Beschränkung der Freiheit, und vor allem die nahe Zukunft. Entscheidungen, wie es jetzt aktuell weitergehen soll müssen getroffen werden, Langeweile kommt nicht auf. Schon allein die für mich relevante Lage zu sondieren, verschlingt jeden Tag Stunden. Dies ist Science Fiction Szenario. Argentinien befindet sich im totalen shut down und eine Lösung für meine aktuellen Nöte scheint derzeit weit weg. 

21.02., San Carlos de Bariloche, Argentinien: Zurück in meinem Lieblingsland und zurück in Patagonien, welches mich einmal mehr in seine windigen Arme schließt. Endlich habe ich es geschafft, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Gauchos und solche die es werden wollen, gibt es reichlich zu sehen auf dem Gaucho Festival in Junin de los Andes.

Nach zwei Monaten in sehr karger Umgebung, genieße ich nun erstmal das viele Grün und richtige Bäume.

18.01., Punta de Choros, Chile: Nord Argentinien habe ich bereits vor zwei Jahren recht ausführlich erkundet, doch meiner Ansicht nach immer noch nicht genug.

Die Mischung aus einsamen Halbwüsten mit fantastischen Wild Camp Möglichkeiten und die Befahrung hoch gelegener und zum Teil wenig bekannter, spektakulärer Pässe oder Minen Pisten bis fast 5000 Metern üben auf mich eine unwiderstehliche Faszination aus. Die nördlichen Anden im Grenzgebiet zwischen Argentinien und Chile sind mit das Beste, was dieser Kontinent zu bieten hat. 

Zwischendurch bietet es sich natürlich an, dem Pazifik, der in Chile nie weit entfernt ist, einen Besuch abzustatten. Ich entdecke auch hier den ein oder anderen guten Wild Camp Spot entlang spärlich besiedelter Küste am Rande der Atacama Wüste. Aus den angedachten Relax Tagen werden so ganz langsam Wochen.