Montevideo, Nuevo Helvecia, Nuevo Berlin, Salto, Parque Ibera, Encarnacion, Hohenau

Nachdem der Rückflug ab Curacao dank der chaotischen Avianca alles andere als entspannt lief, bin ich froh, endlich samt aufgegebener Tasche uruguaynischen Boden zu erreichen, auch, wenn es 2 Uhr in der Früh ist. Der Herr Zöllner entdeckt beim Scan so allerlei Merkwürdigkeiten und will den Inhalt sehen. Sofort quellen alle möglichen Auto Ersatzteile raus. Er schüttelt den Kopf und meint: "Verboten, geht gar nicht." Siegessicher zücke ich das temporäre Import Papier aber er schüttelt trotzdem den Kopf, geht aber zum Chef, kommt eine halbe Minute später wieder raus und meint "Alles o.k." Puh, zum Glück ist der Chef ein Netter wie ich von der letzten Einreise weiß.

Nachdem alles verräumt ist, die neuen Spurstangenköpfe eingebaut und die Spurstange auch wieder angepasst ist, geht es die Tage über Nuevo Helvecia und einige sehr schöne Übernachtungs Stopps am Rio Uruguay nach Norden. Dieses Land ist einfach herrlich entspannt. In Salto wechsel ich zu den Argentiniern und rolle erstmal einige Tage über mehr oder weniger gute Straßen zum Parque Ibera`.

Da es die Wochen zuvor viel geregnet hat, bin ich nicht sicher, ob die Piste befahrbar ist. Doch bis auf ein paar Wasserlöcher und eine mehr oder weniger aufgewühlte Piste geht es gut, zumal der Untergrund aus Sand besteht.

Bereits am Eingang begrüßen mich die Wasserschweine und Kaimane.

Der Campingplatz ist klasse und sonst ist niemand da, alles ist kostenfrei und es rennen jede Menge Ranger rum.

Ich laufe die nächsten Tage sehr viel und studiere das Leben der Wasserschweine, die mich sehr nah ran lassen. Die Kaimane sind laut Ranger harmlos, auch gibt es viele Sumpfhirsche und natürlich jede Menge Vögel, ein Paradies.

Nach dem Pantanal in Brasilien, ist das hier der größte Süßwassserspeicher des Kontinents. Ausgedehnte Sumpfgebiete, die auf üppige Regenfälle angewiesen sind  um diesen Artenreichtum zu sichern, zeichnen die Gegend aus. Der größte Teil dieses Sumpfgebietes ist weg und steglos und kann nur per Boot erkundet werden. Einen großen Hauptfluss gibt es, der in den Rio Uruguay mündet. Immer wieder stechen Inseln die mit Bäumen und Bewuchs bestanden sind ins Auge. Einige wenige Zuwegungen ermöglichen es, per Wagen ein Stück hinein zu dringen. Es gibt Bestrebungen, diesem Gebiet den Nationalpark Status zu verleihen. Gut, weil besser geschützt, schlecht, weil es deutlich mehr Menschen anziehen würde. 

Argentinien hat leider derzeit mal wieder massive Probleme mit dramatischem Peso Verfall bedingt durch wirtschaftlich/politischem Missmanagement. 

Man kann noch 7 Kilometer weiter fahren vom Campingplatz, dann ist wirklich Schluss, es geht nur noch per Boot weiter.

Die sind echt total harmlos!

Nach einer Woche verlasse ich das Paradies und reise ins nahe Paraguay ein. In Hohenau finde ich optimale Bedingungen vor, um den Kampf gegen den Rost aufzunehmen. Hauptsächlich im vorderen Bereich gibt es einige neuralgische Stellen die schlimm aussehen. Die Beifahrertür hat ein Loch und die Säule vorn macht mir große Sorgen. Ruben, der Besitzer des Parque Manantial mit Camping und großer Pool Anlage, weiß einen guten Mann für den Job. Der kommt und macht mir ein faires Angebot, zweieinhalb Wochen soll das Ganze dauern.

Ich ziehe für kleines Geld in ein riesiges Zimmer mit Bad, Kochgelegenheit und Balkon. Fast jeden Tag laufe ich zur Werkstatt, um die Fortschritte zu begutachten, sie arbeiten wirklich permanent am Wagen.

Wally wird ganz schön auseinander genommen und ist nach der vereinbarten Zeit wieder fertig zusammengebaut. Vorn unterm Blech wurde noch mehr brauner Fraß entdeckt. Leider kann ich die Frontscheibe nicht rausnehmen lassen, da ich keine Ersatzscheibe finde und diese zerspringen könnte wegen eines vorhandenen Steinschlags. Ich bin zufrieden, zumindest vorerst, und kann zurück ins Auto und auf den Platz ziehen, wo ich es mir weitere vier Wochen gemütlich mache und die ein oder andere Schraube nachziehen muß. Auch Silikon kommt mal wieder zum Einsatz. Das auseinander nehmen hat erwartungsgemäß zur Folge, dass nach dem Zusammenbau nicht mehr alles so dicht ist wie zuvor aber damit kann ich leben. Wally hat eine Komplettlackierung bekommen, diesmal in Matt, mal sehen, wie sich das bewährt. Die Stoßstange wurde neu nachgebaut, da die Alte hinüber war und die Felgen sandgestrahlt und frisch lackiert. Der Unterboden ist nun schön schwarz lackiert, da sieht man dann auch den Rost nicht mehr so, haha. So schlimm ist es dort nicht, die Karosse macht da mehr Ärger.

Die ganze Arbeit hat mich höchstens ein Zehntel dessen gekostet, was ich hätte in Deutschland dafür hinlegen müssen. 

Der erste Frost des sogenannten Winters stellt sich ein und die Temperaturen schwanken erheblich. Ein Abfall von 30 auf 10 Grad Tagestemperatur ist schon etwas unangenehm, aber im Sommer hält man es hier vor Hitze nicht aus, zumindest ich nicht. Ansonsten gefällt es mir ausgesprochen gut, alles sehr entspannt, nette Menschen, von denen die meisten sehr fleißig sind. Die ganze Gegend hat noch einen hohen deutschstämmigen Bevölkerungsanteil, von denen viele auch noch astrein Deutsch sprechen. Die jüngere Generation scheint aber nicht mehr das große Interesse am Erhalt der Sprache zu haben. Das sich hier der ein oder andere Nazi hingerettet hat ist bekannt. Ich treffe jedoch viele Deutschstämmige, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts hergekommen sind und sich hier etwas aufgebaut haben. So auch die Besitzer diese Platzes mit riesigen Ländereien, wo man toll spazieren gehen kann. Sie betreiben auch eine Brahman Zucht. Diese Rinder sind besonders Hitze und Insektenresistent. Wenn man sieht, wie die ganze Anlage im Schuss ist, dann wird klar, dass hier immer noch deutsche Gründlichkeit herrscht.

Ein paar Tapire teilen sich ein Gehege und lassen sich gern streicheln, genau wie der große Brahman Bulle aber es gibt auch wilde Tiere.

Ich besuche die Jesuitenreduktionen Tavarangüe und Trinidad.

Schöne Standorte haben sie sich dafür ausgesucht, es waren ganze Dörfer. Die Jesuiten haben natürlich missioniert, fest steht jedoch auch, dass viele Guarani nur durch diesen Schutz in den Missionen der Verfolgung und Versklavung entkommen konnten und es deshalb noch einen nennenswerten Anteil an Urbevölkerung im Land gibt, im Gegensatz zu Uruguay zum Beispiel. Nach 150 Jahren war dann Schluss. Der König von Spanien befahl 1767 die Jesuiten des Landes zu verweisen, Plünderung und Verfall folgten.

Ende Juli begebe ich mich zurück zum gleichen Grenzübergang in Encarnacion und reise erneut nach Argentinien ein.