Nelson, Abel Tasman Track, Collingwood, Heaphy Track, Westcoast, Te Anau, Greenstone-Caples Track, Routebourn Track, Christchurch

 

Auch, wenn die folgenden Berichte nicht unter Südamerika fallen, ordne ich es der Chronologie halber darunter ein.

 

Ich besuche Neuseeland und Australien seit nunmehr 30 Jahren regelmäßig und habe beide Länder ausführlichst jeweils zehnmal bereist.

Neuseeland reizt mich immer mal wieder wegen der guten und nie enden wollenden Wandermöglichkeiten und so besteige ich am 4. April den Flieger von Montevideo nach Santiago und weiter nach Auckland, von wo ich direkt weiter in den Norden der Südinsel nach Nelson fliege.

In Nelson verbrachte ich schon viel Zeit und dieser Ort hat sich in den 30 Jahren vom kleinen mehr oder weniger alternativen Örtchen zum Lifestyle Ort für betuchte Rentner und Urlauber entwickelt, nicht zuletzt wegen seiner vielen Sonnenstunden. Auch wenn sie langsam mal mit dem Bebauen der Hügel rundum aufhören könnten, gefällt es mir immer noch. Nach vielen Jahren in Lateinamerika weiß ich so manches sehr zu schätzen:

-Verständigung Top, klasse, mal kein Gestammel und Suche nach den richtigen Worten!

-Müll, wo ist der bloß plötzlich hin? Ich erwische mich dabei, regelrecht nach irgendwelchen schmuddeligen Ecken zu fahnden, finde aber nichts, unfassbar!

Leider werden in den Supermärkten immer noch die Plastiktüten für umsonst rausgehauen, als gäbe es kein Morgen, auch unfassbar!

-Toilettenpapier im Klo runterspülen, in Lateinamerika wegen der dünnen Abwasserrohre undenkbar!

-Schallgeschwindigkeit an der Supermarktkasse! Einfach nicht mehr zum aushalten wie schnell die sind, eine echte Umstellung, kann man in Argentinien regelmäßig schonmal eine halbe Stunde Wartezeit rechnen, bis man überhaupt an der Reihe ist! 

-Das Angebot! Ich habe seit Ewigkeiten keinen Joghurt mehr essen können, da Zucker und Gelatineverseucht. Die Cadbury Schokolade ist natürlich der Killer, unfassbar gut!

-Man ist wieder wer als Fußgänger! Traut sich aber erstmal nicht so richtig, zu tief sitzt das Gefühl, jederzeit über den Haufen gefahren werden zu können.

 

Im Hostel ist um diese Jahreszeit nicht mehr viel los und ich habe fast die ganze Woche das Mehrbettzimmer für mich allein.

Dann nehme ich den Bus zum Beginn des 50 Kilometer langen Abel Tasman Track im gleichnamigen Nationalpark, den ich natürlich schon gelaufen bin, der aber immer wieder schön ist, zumal es im Moment nicht überfüllt ist. Die Campingplätze müssen vorgebucht werden, mir reichen zwei Nächte, denn es ist allgemein sehr flach, mehrere große Inlets müssen überquert werden, was nur plus minus ein paar Stunden um Niedrigwasser geht. 

Eines der großen zu querenden Inlets

Herrliche Aussichten auf goldgelbe Strände begleiten mich, wofür dieser Trail berühmt ist. Ich schlage mein Zelt an der wunderschönen Bark Bay auf, die ungefähr auf der Hälfte der Strecke liegt.

Am nächsten Tag laufe ich bis zum Ende an der Totaranui Bay, die Pistenanschluss hat.

Nachts regnet es, doch morgens ist es wieder trocken und ich mache mich früh auf, um kein Auto zu verpassen,welches hier raus fährt und hoffe schnell auf eine Mitnahmemöglichkkeit.

Ich hechel zunächst vier Kilometer bergauf, bevor ich ein Motorengeräusch höre. Ein Mietcamper mit einem holländischen Paar hält an und ich darf einsteigen.

Sie biegen aber irgendwann ab und kaum stehe ich wieder an der Straße, hält ein einheimisches Paar und nimmt mich den Rest nach Takaka mit, wo es einen gut sortierten Supermarkt gibt. Das nette kleine Örtchen ist ein bißchen wie Nelson vor 30 Jahren, einfach relaxt.

Nach Einkauf und Tee trinken laufe ich raus und halte den Daumen raus. Satte 3 Minuten, und ich habe eine Mitfahrgelegenheit fast ganz bis Collingwood bei einem Freak in einer uralten, stinkenden Klapperkiste die total zugemüllt ist. Der Fußraum ist von leeren Bierflaschen übersät, die Kiste selbst stinkt fast unerträglich nach Hund aber der Hund und der Typ sind ganz nett und vielleicht nicht repräsentativ für das, was hier so in der Umgebung lebt aber sicher auch nicht ganz so ungewöhnlich, leben und leben lassen, diese Ecke hat mir schon immer gefallen. 

Collingwood, eine kleinen Ansiedlung am Meer ganz im Nordosten hat einen kleinen, teuren Supermarkt, eine Tankstelle ein paar Cafes und einen netten Campingplatz und ist, wie kann es anders sein, sehr relaxt, diese Jahreszeit ist einfach klasse. In Richtung Norden kommt nicht mehr viel, außer eine große, sandige weit ins Meer reichende Landzunge, die ich natürlich schon mehrfach besuchte.

Ich miete mir für eine Nacht eine kleine private preiswerte Hütte, packe meinen Rucksack vernünftig, erkunde den Strand und das Dörfchen und starte am nächsten Morgen Richtung Kahurangi National Park.

Zunächst ist noch relativ viel Verkehr aber die meisten biegen Richtung Spit, also der Landzunge ab und nach der Kreuzung bin ich ziemlich allein auf weiter Flur. Ich laufe die ersten 10 Kilometer auf der leeren Asphaltstraße. Dann hält einer und nimmt mich ein Stückchen mit bis er abbiegen muß. Und so geht das auf den restlichen zu bewältigen 25 Kilometern weiter. Alle die können, halten und nehmen mich mit bis sie abbiegen müssen. Als ich Piste erreiche, hält sogar noch der Postbote, dann laufe ich wieder bis der letzte Farmer vor dem Nationalpark mit dem Quad ankommt, wo ich noch drauf passe, bis wir seinen Monster Trecker erreichen und darauf weiterfahren bis er....abbiegen muss. Ich habe nur noch 5 Kilometer zum Laufen bis ich meinen ersten Campspot erreiche. Das war wieder einmal ein sehr cooler Tramp Tag. Der Farmer meinte, es wäre Ungemach in Sicht die nächsten Tage. Ich habe natürlich das Wetter gescheckt, denn ich hasse schlechtes Wetter nun mal über alle Maßen beim Wandern und es sah nicht so schlecht aus die kommenden Tage. Am folgenden Morgen laufe ich noch zuversichtlich und bei gutem Wetter los.

Der Heaphy Track ist 78 Kilometer lang und verbindet die Ost mit der Westküste bzw. umgekehrt. Ich laufe ihn zum ersten Mal und es wird auch das letzte Mal gewesen sein. Der Track ist berühmt für sein häufig auftretendes schlechtes Wetter und so kommt es dann auch. Als einer der viel publizierten und somit ziemlich berühmten "Great Walks", muß alles vorgebucht werden, sei es in einer der Hütten oder eben einen Zeltplatz der immer bei den Hütten eingerichtet ist. In der Nebensaison ist es deutlich billiger auf den Great Walks und kein Problem erst kurzfristig zu buchen wie ich es in Nelson tat. 

Am ersten Tag geht es stetig bergauf, meist durch Wald bis ich die erste Hütte, Perry Saddle Hut erreiche. Es hat mittlerweile angefangen zu regnen und die neuseeländischen Wander Kollegen sind natürlich alle in der tollen, sehr neuen beheizbaren Hütte verschwunden, solche Weicheier!

Frau Ranger kommt später vorbei, checkt mein Permit und meint, da kommt Ungemach, na dann, kann ich gleich mal mein nagelneues Zelt auf Herz und Nieren prüfen.

Als Zelter darf ich die Hütte natürlich nicht betreten, hier gibt es aber immerhin eine kleine Überdachung und einen Tisch für die Zelter. Obwohl ich den Platz sorgfältig wähle, fängt gegen 22 Uhr das Wasser an sich um das Zelt zu sammeln und darunter zu laufen, was zwangsläufig schnell auch zur inneren Überschwemmung ausarten kann. Also ziehe ich mit Taschenlampe und im strömenden Regen unter das Dach, wo ich das Zelt nur sehr schwer befestigen kann. Zudem kommen enorme Windböen hinzu, die sich im Laufe der Nacht zu einem Sturm auswachsen. Immerhin höre ich während ein paar Windpausen den Kiwi rufen, wie schön.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken, das Zelt bricht mehrfach komplett über mir zusammen, weil es sich in dem Wind nicht mehr halten kann und außerdem das größte sch... Zelt ist was ich jemals besessen habe. Ich muß mehrfach im Sturm raus, Zelt aufstellen, der Shelter bietet fast gar keinen Schutz mehr, und bin irgendwann samt Klamotten nur noch nass. Um 4 Uhr morgens verlasse ich das sinkende Schiff und flüchte in die Hütte, was für eine Nacht!

Man heizt am Morgen nochmal den Ofen für mich an, sodass ich tatsächlich fast alles bis 10 Uhr trocken habe und weiterziehen kann, natürlich im Regen.

Alles versinkt darin und ich kann die Kamera kaum rausholen. Als ich die Schwimmflossen am Boot Pole Corner sehe, muss ich echt lachen, wie passend!

Schnell weiterlaufen, um warm zu bleiben mit Kurs auf die nächste anvisierte Hütte, James Mackay Hut. Ich checke den Campingplatz, der aus ein paar Holzplattformen besteht, was ich sowieso nicht mag, die Ranger Hütte ist nicht besetzt und selbst wenn, ich krall mir ein leeres Bett und bin gern heute auch mal Weichei.

Die Nacht war gut und trocken, ich lasse mir Zeit am Morgen, denn es sind nur gut 20 Kilometer heute. Die Hütten sind sehr komfortabel mit Holzofen, Wäscheständer und Gas zum Kochen.

Nach einer Pause an einer älteren Hütte, erreiche ich schließlich die wilde Westküste und die Heaphy Hut. Es regnet auch schon länger nicht mehr und die Sonne kommt raus!

Wild und schön ist es hier. Große Mengen an Schwemmholz liegen überall an den Stränden und die vielen Nikau Palmen, die es nur in Neuseeland bzw. der Westküste gibt, sind eine Pracht.

In dieser Nacht ist es trocken, doch am Morgen beginnt es wieder zu regnen. Ich packe nass zusammen und begebe mich durch ganze Nikau Palmen Wälder in Richtung Parkplatz. Es regnet so heftig, dass ich die Kamera nicht rausholen kann, doch kurz vorm Ende hat das Wetter ein Einsehen und der Regen hört auf.

Nachdem die letzte Brücke passiert ist, erreiche ich den Parkplatz von Kohaihai Beach, wo ich mich direkt zu einem strategisch guten Punkt begebe, um keines der wenigen Autos zu verpassen. Eine halbe Stunde später kommt eines und nimmt mich die 15 Kilomter nach Karamea mit, wo ich mir ein Zimmer nehme um mich durchzutrocknen. 

Am Morgen ist es trocken und noch bin ich zuversichtlich, problemlos eine Mitfahrgelegenheit ins 100 Kilometer entfernte Westport zu ergattern.

Jetzt in der Nebensaison jedoch, ist hier ganz im Norden der Westküste ziemlich tote Hose und so laufe und laufe ich mal wieder. Acht Kilometer schon vom Last Resort, meiner Unterkunft, ich habe die Straße weitestgehend für mich allein.

Irgendwann hält eine Schweizerin mit ihrem Van und nimmt mich bis zehn Kilometer vor Westport mit. Für den Rest finde ich ein Auto in Minutenschnelle an der nun deutlich stärker befahrenen Straße.

Ich verbringe zwei Nächte in einem wirklich schönen Hostel in Westport, einem dieser typischen kleinen Westküstenkäffer, wo sich nur langsam was zu verändern scheint, zum Glück!

Ich ziehe weiter nach Punakaiki, wo ich mich ebenfalls ins Hostel vor Ort einmiete und schaue mir zum ungefähr achten Mal die berühmten Pancake Rocks an, außerdem gefällt mir dieser Küstenabschnitt einfach immer wieder. Das Hostel ist deutsch geführt und sitzt quasi direkt am Strand wo die Brecher der Westküste auflaufen, auf Dauer wäre mir das echt zu nah.

Auch kann man wunderbar durch die üppige Natur spazieren und die verschiedenen Farm Arten bewundern. Es dominieren der überall anzutreffende Silberfarn, der Nationalpflanze ist und die Nikau Palme sowie der Cabbage Tree, der zur Gattung der Bäume und Pflanzen gehört.

Womit ich nicht gerechnet habe, ist leider eingetreten, ich werde erneut von einer gemeinen Sehnenentzündung am Fuß heimgesucht, was ich ja bereits vom PCT kenne. Damit bin ich nun schwer gehandicapt und kann mal wieder kaum noch laufen. Im Hostel lerne ich eine Österreicherin kennen, die mich mit zu meinem nächsten Stop nach Hokitika mitnimmt, welches aufgrund seiner direkten Lage am Meer mein Lieblingskaff der Region ist. 1864 gegründet aufgrund des Goldrausches, wurde es rasch das Zentrum der Region mit einem bedeutenden Hafen. Heute lebt es noch ein wenig vom Greenstone, einer Jadeart und natürlich dem Tourismus, zumindest im Sommer, wie alle Städtchen der Westküste.

Der Plan, mich laufend und weitestgehend trampend die Westküste entlang zu bewegen fällt aufgrund meiner Behinderung nun flach.

Ich nehme zähneknirschend den Bus nach Fox Glacier, wo ich mich in ein zentrales Hostel einmiete und mir ein Fahrrad leihe, um zum gleichnamigen Gletscher zu gelangen. Es geht auch hier durch üppigen Regenwald aber der Gletscher selbst ist mittlerweile kaum noch zu sehen, das Abschmelzen nimmt offenbar rasante Ausmaße an, sodass ich noch nicht mal ein Foto mache.

Ich beschließe, einen großen Sprung nach Te Anau zu machen. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Queenstown, lande ich dort auf dem Campingplatz, wo ich mir eine preiswerte Bude miete die über einen Heizstrahler, Wifi, eine große Gemeinschaftsküche und Duschen verfügt und immerhin doppelt so groß ist wie mein Auto, was will man mehr. Es ist kühl hier, doch so kann ich relaxt die Besserung meines Fusses abwarten, was sich ärgerlicherweise hinzieht, auch, weil ich zuviel rumlaufe aber ich muss ja zumindest zum Supermarkt.

Ich möchte als erstes den Kepler Track noch einmal laufen und hatte geplant, direkt am ersten Mai zu starten, denn ab dem Tag ist Nebensaison und die Hütten und Zeltplätze sind erheblich billiger, da es sich auch hier um einen Great Walk handelt. Je später es wird, umso größer ist die Gefahr das zuviel Schnee in den Bergen fällt. Doch der Plan scheitert wegen meines Fusses und ich muß mich nach Besserung mit einer Tagestour zur Luxmore Hut, die wunderbar hoch über Te Anau liegt zufrieden geben.

Dann kann ich meine Klamotten packen und mich aufmachen für eine weitere Mehrtagestour. Ich stelle mich an die Straße nach Milford Sound, auch das etwas mühsam um diese Jahreszeit aber irgendwann halten zwei nette Jungs aus Deutschland mit ihrem Mietcamper und nehmen mich die ganze Strecke mit bis zu meinem Einsatzpunkt für den Greenstone/Caples Track.

Da ich etwas spät hier ankam, muß ich mich echt ranhalten, heute noch mein Ziel, die 27 Kilomter entfernte Greenstone Hut zu erreichen, was ich gerade noch mit einsetzender Dunkelheit schaffe.

Das Greenstone Valley ist sehr schön, weit und offen und gefällt mir gut. Das mit dem Zelten habe ich aufgegeben und übernachte in den hervorragenden Hütten mit nur wenigen anderen Wanderern. Dies kostet 15 NZ Dollar die Nacht, beim derzeitigen Super Kurs mal gerade 8,80 Euro.

Auf dem Caples Track läuft man sehr viel durch ein Tal ohne viel zu sehen und irgendwann fängt es an zu regnen, so dass ich am höchsten Punkt leider überhaupt nichts sehe. 

Ich schließe die Runde, trockne meine Klamotten in der Howden Hut und laufe weiter auf dem Routebourn Track, welcher einer der bekanntesten Great Walks ist und den ich bereits in den Neunzigern lief. Um diese Jahreszeit kosten die Hütten auch 15 Dollar und man muß nicht vorbuchen.

Super Wetter läßt mich diesen landschaftlich wunderbaren Track in vollen Zügen genießen. 

Die 32 Kilometer sind leider viel zu schnell zu Ende und einmal mehr latsche ich die Piste entlang, während mich die wenigen Autos die vorbeikommen ignorieren.

An der Asphaltstraße angekommen, geht dann mal wieder alles sehr schnell. Ein netter Mensch, der mir auf dem Trail entgegenkam nimmt mich in einem Rutsch nach Queenstown mit und es stellt sich raus, dass auch er vor ein paar Jahren den PCT lief, er hatte das anhand meines ULA Rucksacks vermutet, der bei den PCTlern sehr beliebt ist.

Zurück in crazy Queenstown, dem absoluten Zentrum für alle möglichen und unmöglichen überteuerten Aktivitäten wie Bungee Springen, Jetboot, Riesenschaukel und und, die Neuseeländer sind echt erfinderisch was Nervenkitzel angeht. Das Bungee Springen habe ich schon vor über 20 Jahren hier erledigt, die ein oder andere Neuerfindung würde mich schon reizen aber die Preise sind echt abgehoben. Ich erwische für den nächsten Tag ein sehr billiges Bus Angebot und  begebe mich zurück nach Te Anau in meine preiswerte Unterkunft auch in der Hoffnung, doch noch was in den Bergen laufen zu können, doch das Wetter ist mir einfach zu instabil und somit war es das dann diesmal. 

Anfang Juni nehme ich einen Flug von Christchurch über Sydney nach Cairns.

Auf nach Australien!