Ruta 40, Aconcagua, Chos Malal, Zapala, Lago Alumine`, Bariloche, El Bolson, Esquel, Trevelin

Endlich finden wir mal wieder gute Buschcamps für die kommenden Nächte, nicht immer einfach wegen der vielen Zäune. Es ist heiß, und wir sind der 40 kurzzeitig untreu geworden, um auf die recht schöne Parallelstrecke 149 abzubiegen. Hier finden wir den bisher schönsten richtigen Campingplatz der in der Halbwüste eine tolle kleine grüne Oase darstellt, inklusive Wifi, warme Duschen und fast leer. Wir bleiben fünf Tage auf dem Complejo Bella Vista in gleichnamigen Ort, bevor wir zum Nationalpark El Leoncito fahren, wobei auch hier die große Hitze herrscht, wir aber schöne Blicke in Richtung Westen zu den schneebedeckten Riesen werfen können.

US mäßige Landschaften wohin man auch schaut.

In Uspallata biegen wir nach Westen ab, um einen näheren Blick auf den höchsten Berg der Amerikas zu werfen, den 6960 Meter hohen Anconcagua.

Man gelangt wandertechnisch nur ein Stück ins Tal hinein, bevor ein dicker Eintritt fällig wird. Kurz vor dem Grenzübergang zu Chile, dem Paso Redentor, machen wir kehrt und fahren diese wunderschöne Strecke noch einmal in die entgegengesetzte Richtung.

Wir fahren nach Mendoza, wo ich die Gasflasche füllen lasse und wir einen Walmart aufsuchen, der leider mal wieder recht schlecht sortiert ist. Trotzdem schaffen wir es, umgerechnet 120 Euronen auf den Kopf zu hauen, sind nun aber erstmal für die weitere, nur mit kleinen Käffern bestückte Ruta 40 gerüstet. Südlich Mendoza fahren wir über kleine Sträßchen an Weingütern vorbei, leider ist es mir unmöglich, mitten am Tag an einer Weinprobe teilzunehmen und anschließend weiterzufahren und olle Camper wollen die meisten Güter nicht über

Nacht auf ihrem Grund stehen haben.

Es ist heiß, sehr heiß aber nützt ja nix, die über 5000 Kilometer lange Ruta will schließlich bezwungen werden, auch, wenn ich es in diesem Jahr nicht mehr zur Gänze schaffe.

Wir überschreiten die Grenze zu Patagonien bei Barrancas, es wird schwer, ein vernünftiges Wildcamp zu finden, Zäune, Zäune. Schließlich klappt es, die Hitze fängt langsam an zu nerven. In Chos Malal stehen wir eine Stunde an der einzigen Tankstelle an, fahren anschließend raus und finden früh einen netten Platz. Im Wagen sind es 44 Grad im Schatten und Wally hat einen Bolzen an den Blattfedern verloren, die mehr oder weniger guten Pisten fordern irgendwann ihren Preis.

Nachts schwitze ich in meiner minimierten Kabine im Obergeschoss, der Vollmond ist auch nicht ohne und der Wind zerrt am Zeltstoff.

Langsam haben wir Visionen von grünen Wäldern und kühlen, glasklaren Bächen die die Berge runterrauschen. Nach vier Wochen auf oder neben der Ruta 40, die ersten 3000 Kilometer sind immerhin geschafft und waren teils wunderschön, muß dringend eine radikale Änderung her.

Irgendwo, nach einer weiteren heißen Nacht zwischen Chos Malal und Zapala verweigert Wally morgens den Dienst. Ein kurzes Röcheln gefolgt von einem Klicken, das wars. In all den Jahren ist das nicht passiert aber man ist ja schließlich unterwegs, um neue Erfahrungen zu sammeln.

Nun kommt endlich mein dickes, platzintensives Überbrückungskabel mal zum Einsatz. Was bisher Theorie war, klappt auf Anhieb. Ich verbinde eine der vorderen Batterien mit der Versorgerbatterie und schwupps, der Kübel springt an.

Als wir auf der Straße sind, fangen plötzlich alle Warnlichter an aufzuleuchten, das hatte ich schon mal in Australien, Lichtmaschine! Ich ignoriere also die Lämpchen, kann aber auch den Wagen nicht mehr abstellen. Also weiter nach Zapala, wo ich mir am ehesten Hilfe erhoffe aber wie das Pech so will, ist Sonntag und wir mieten uns erstmal eine Nacht auf dem schattigen Camping Municipal ein, ich stelle den Kühlschrank ab und hoffe, morgens noch genug Saft in der Batterie zu haben für einen weiteren Überbrückungsstart.

Fehlanzeige am Morgen, nichts geht mehr aber wir sind schließlich bei den netten Argentiniern unterwegs und der Nachbar hilft.

Nach einigem Herumgeirre und Gefrage finden wir schließlich den richtigen Mann der Lichtmaschinen repariert, allerdings dauert es bis morgen. Mutter zieht in ein Hotel, ich lasse Wally natürlich nicht allein an der Straße stehen und verbringe eine weitere hitzeintensive Nacht.

Am späten Vormittag sind wir wieder startklar und nun gibt es kein Halten mehr, auf nach Westen!

Nach 50 Kilometern Fahrt tauchen die ersten Araukarien auf, was Grünes, endlich!

Wir umrunden den Lago Alumine` und ich finde einen tollen, privaten Platz mitten zwischen Tannen und Araukarien, das haben wir uns verdient. Da bleiben wir erstmal, die Sonne scheint und es ist angenehm temperiert, herrlich.

Es wird dann aber doch nochmal wüstenhaft trocken, der Vulkan Lanin hüllt sich in Wolken, ich finde einen schönen Platz am Fluss, nun ist es allerdings zu kühl. Über Junin und San Martin de los Andes, wo mächtig Touristen Gedöns herrscht, geht es über die Ruta de los 7 Lagos durch herrliche Wälder und an Seen vorbei bis Bariloche.

Die Stadt wollen wir uns nochmal ansehen, waren wir ja schonmal mit dem Mietcamper hier vor 18 Jahren. Leider hat sie einen sehr schlechten Ruf was Einbrüche angeht, kein Thema also, Wally hier zu parken und in die Stadt zu gehen. Wir fahren raus zur Colonia Suiza mit nettem Camp und nehmen den nächsten Tag den Bus in die Stadt, Bariloche enttäuscht ein wenig im Vergleich zu früher, alles ist halt auf maximalen Tourismus ausgelegt mit dem wir mal wieder so gar nichts anfangen können.

El Bolson, das die Alternativen anzieht und schon eher nach meinem Geschmack ist, lassen wir aber auch schnell hinter uns, um erneut in die Halbwüste, die 40 hat uns längst wieder, einzutauchen.

Wir verlassen die 40 endgültig, Mutter atmet auf, und biegen nach Esquel und Trevelin ab, welches kurz vor der chilenischen Grenze liegt, die wir demnächst überschreiten wollen.

Zunächst aber machen wir es uns für ein paar Tage auf dem netten Campingplatz Nant Y Fall gemütlich. Warme Dusche, tolles Sommerwetter, Wifi am Auto, Waschmaschine, schöner Stellplatz, maximale Punktzahl erreicht.

Auf der argentinischen Seite stehen wir eine Stunde in der Schlange, nur um einen Ausreisestempel zu ergattern, Effizienz? Nie gehört. Die Chilenen sind da natürlich ganz anders drauf, kein Stau soweit das Auge reicht. In Futaleufu fahnden wir nach Obst und Frischzeug aber Äpfel und Bananen sind partout nicht aufzutreiben. Wir begeben uns auf sehr schöne Piste mit wilden Flüssen, auch die überall wild blühenden Fuchsien sind eine Pracht und erreichen die Carretera Austral, der wir ein Stück nach Süden folgen. Im kleinen Ort Santa Lucia wurden die Einwohner vor ein paar Wochen nachts von einer verheerenden Schlammlawine im Schlaf überrascht, es gab Tote, das halbe Dorf wurde darunter begraben, die Carretera blockiert für Monate. Von unserer Seite kommend, können wir nach Süden passieren, nach Chaiten, wo wir hin wollen nicht. Wir rollen auf nagelneuem Teer Belag dahin und finden am Rande eines winzigen Kaffs einen Platz für die Nacht, leider dominieren mal wieder Zäune. Bessere Straßen, mehr Besiedelung mit all seinen negativen Folgen.

Futaleufu, Balmaceda, Chaiten, Hormopiren, Osorno, Villarica, Pucon, Curacautin, Chillian, Santiago de Chile, Montevideo

In La Junta nehmen wir die Piste zum am Fjord gelegenen Balmaceda, von wo wir am nächsten Tag die kostenlose siebenstündige Fähre nach Chaiten nehmen, die schnell eingesetzt wurde, um die geblockte Carretera zu umschiffen. Sehen tun wir dank schlechten Wetters leider nicht viel und als wir in Chaiten anlanden, werden wir von einem übermächtigen Fluchtinstinkt ergriffen, denn es regnet wie aus Kübeln.

Die Fähre, die in nördlicher Richtung zu nehmen ist, ist am nächsten Tag ausgebucht, zum Glück, denn so kommen wir in den Genuss eines strahlend schönen Tages, an dem ich hoch zum Vulkan Chaiten laufe, der 2008 weite Teile inklusive dem 10 Kilometer entfernten kleinen Ort Chaiten verwüstete, man nahm irrtümlich an, der Vulkan wäre erloschen.

Dank einer nagelneuen, jedoch defekten Speicherkarte verliere ich 200 Bilder, irgendwann mußte es ja mal passieren.

Die Gegend im vom amerikanischen Millionär Douglas Tomkins gegründeten Parque Pumalin ist wunderschön an einem solch strahlenden Tag und auch die Fahrt entlang des Aussenfjords nach Hormopiren kann sich sehen lassen, zumal wir jetzt in der Hauptsaison nicht noch einmal das Schiff wechseln müssen.

Kurz vor Puerto Montt biegen wir auf eine Piste und umrunden den Fjord, der intensiv für Aquakultur genutzt wird, bevor wir Osorno erreichen und die guten Einkaufsmöglichkeiten nutzen.

Nach einem kurzen Stück auf der Autobahn biegen wir Richtung Panguipulli und Villarica ab. Hier und in Pucon herrscht noch ziemliches Schweinetreiben, die Chilenen nutzen die letzten Ferientage bei bestem Wetter am See.

Über Nebenstrecken, an denen wir Wildcampings finden, geht es in den Nationalpark Conguillio, der einmal mehr mit tollen Araukarien Beständen glänzt.

Ausserhalb von Curacautin mieten wir uns für ein paar Nächte in eine Ferienwohnung bei Bayer Hans ein, der Maschinenpistolmässig Bayrisch redet, bevor wir hoch zum Vulkan Lonquimay kurven und anschließend wieder ein tolles Camp zwischen Araukarien am Fluß finden.

Über Nebenstrecken geht es nun zum Parque Nacional Laguna del Laja, wo karge Landschaft vulkanischen Ursprungs dominiert und im Winter Ski gelaufen wird, bevor wir weiter über Chillian der Küste entgegen streben.

Diese hat lange Strände zu bieten, jedoch ist das Wasser sehr kalt und es wäre ohnehin zu gefährlich hineinzugehen. Wildcamping ist sehr schwierig hier, will man so wie wir nicht auf öffentlichen Parkplätzen nächtigen, auch gibt es viele Baumplantagen.

Auf dem Weg zurück ins Landesinnere, finden wir doch noch ein Weingut wo wir eine Tour mitmachen können und auf deren Parkplatz übernachten dürfen. Rotweine dominieren und ich kann ein paar gute Tröpfchen erstehen.

Im Reserva Nacional Rio de los Cypresses haben wir nochmal ein paar nette Campingtage, bevor es nach Melipilla geht, wo wir uns für zwei Nächte eingemietet haben, damit Christel in Ruhe zusammenpacken kann. Wir lassen hier die letzten Monate entspannt ausklingen und meine Mutter kann einmal mehr auf eine erlebnisreiche und tolle Zeit zurückblicken, bevor ich sie in Santiago am Flughafen absetze.

Ich begebe mich nördlich und dann nach Osten zur argentinischen Grenze, die ich am Paso Redentor überquere und erneut vorbei am Anconcagua auf bekannter, schöner Strecke Richtung Mendoza fahre, um dann tagelang das unglaublich große Argentinien zu durchqueren. Nach ein paar Übernachtungen an Tankstellen ist es geschafft und ich erreiche Uruguay, wo ich Wally bei deutschen Auswanderern in die Halle stelle, um meine viermonatige Auto Auszeit anzutreten und zunächst nach Neuseeland fliege.