Cairns, Cape Tribulation, Bloomfield Track, Cooktown, Lakefield National Park, Coen, Telegraph Track, Bamaga, Cape York, Sydney

Australien - meine große Leidenschaft seit 30 Jahren. Ein Land der Extreme und großer Schönheit, fantastischer Offroad und Abenteuerspielplatz. Natur und Tierwelt sind einmalig, die Strände Weltklasse, für mich die mit Abstand schönsten der Welt. Wer Abenteuer sucht, findet es hier auch heute noch. Herausforderungen, Einsamkeit und unberührte Landschaften sind garantiert, sobald man die ausgetretenen Pfade verlässt. Die Aussies sind nette und teils sehr individuelle Zeitgenossen, das Verhältnis zu ihrer Vergangenheit ist zwiespältig und manchmal befremdlich. Viele stehen den Aboriginis, diese einst so hochspezialisierten und dieser speziellen Umgebung perfekt angepaßten Überlebenskünstler mit Argwohn und verständnislos gegenüber. Die Ureinwohner, oder das, was noch von ihnen übrig ist, sind so anders als beispielsweise die Maoris und es bricht mir immer wieder das Herz, sie irgendwo in den Städten so verloren, alkoholisiert, entwurzelt und perspektivlos zu sehen.

1989 befuhr ich weite Strecken im Land mit einem Mietcamper, besuchte das Great Barrier Reef und segelte entlang der Whitsundays. Vieles wiederholte ich während weiterer 10 Besuche, stieg zunächst auf Mietwagen und Zelt um und irgendwann mußte zwangsläufig ein vernünftiges Allradfahrzeug her. Ich kaufte 2002 gemeinsam mit meiner Mutter einen Land Cruiser HZJ 75, ein Ex Britz aus deren Mietwagenflotte in hervorragendem Zustand, den ich viereinhalb Jahre später  wieder sehr gut verkaufte. Voll ausgebaut und ausgestattet und extrem zuverlässig, bereiste ich damit jeweils fünf Monate pro Jahr die Gegenden, wo ich bisher mit normalem Fahrzeug nicht hin kam. Meine Offroadleidenschaft und Begeisterung für den Land Cruiser war geboren und sollte mich nie wieder loslassen. Try und Error war die Devise in diesen spannenden Jahren, in denen ich versuchte, meine Kenntnisse zu vertiefen ohne Wagen oder Mannschaft Schaden zuzufügen. Dies gelang, aber manchmal nur haarscharf, allein über diese Begebenheiten könnte ich ein Buch schreiben.

 

Ich lande Anfang Juni in Cairns, wo ich mich im Vorfeld in einem sogenannten Share House eingemietet habe. Es handelt sich hierbei um Häuser mit mehreren Wohneinheiten, wo man sich kurz oder langfristig preiswert ein Einzelzimmer mieten kann und alle Annehmlichkeiten einer Wohnung hat, die man sich mit ein paar anderen Mietern teilt. Ich freue mich, fast die ganze Woche die Wohnung allein zu haben und mache mich auf die Jagt, meine benötigten Utensilien für den geplanten Trip nach Cape York zusammen zu bekommen. 

Eine Woche später ist alles beisammen, inklusive einem nagelneuen Giant Mountainbike und ab geht es auf dem Coast Highway Richtung Norden.

Die Strecke nah entlang von Küste und Stränden ist sehr schön, jedoch größtenteils auch stark befahren. Auf gutem Asphalt mache ich 75 Kilometer bis Mossman, wo ich mein Zelt auf einem Campingplatz aufschlage. Bereits am nächsten Tag kann ich die kurze Fähre über den Daintree River nehmen und schaffe es im Anschluss noch durch den herrlichen Regenwald bis Cape Tribulation, wo ich mein Zelt auf einem Campingplatz direkt am Strand aufschlage und einen Tag Pause einlege.

Typischer Aussie Humor

Hier am Cape Trib ist es wunderschön, tolle Strände und üppigster, extrem vielfältiger Regenwald.

Das Ganze wird ein wenig durch die Tatsache getrübt, dass man das schöne Meer nicht zum Baden nutzen kann ohne Gefahr zu laufen, im Maul eines Crocs zu landen. Mit den Salzwasserkrokodilen ist nicht zu spaßen und selbst die Einheimischen, die in der Regel nie zimperlich sind, lassen es lieber sein.

Hinter Cape Trib beginnt der Bloomfield Track, der nur mit Allradfahrzeug befahren werden kann bzw. soll, ich bin jedoch sicher, auch ein Golf würde bei dem derzeit niedrigen Wasserstand aller Flüsse die man zu queren hat, die Fahrt locker schaffen. Es geht fast ausschließlich durch Regenwald ohne große Aussichten.

Ich komme ganz schön ins Schwitzen, denn heute ist viel Lauf und Schiebearbeit angesagt, der Bloomfield ist berühmt für ein paar extrem steile Anstiege mit über 30 Prozent. Immerhin schaffe ich trotzdem 44 Kilometer, sehe noch von weitem einige richtig große Salties, Salzwasserkrokodile auf einer Sandbank liegen und erreiche das schöne Bloomfield Beach Camp, welches aber nur dem Namen nach am Strand liegt.

Zurück auf Asphalt, kann ich wieder richtig in die Pedale treten und erreiche

nach einem Zwischenstopp am bekannten und beliebten Lions Den Hotel Cooktown.

James Cook landete hier 1770 an und blieb zwei Monate, um sein leckgeschlagenes Schiff Endeavor zu reparieren. Für mich ist es der nördlichste Punkt an dem ich jemals war, da nördlich während der Monsunzeit kein Durchkommen mehr ist und ich immer nur diese Zeit zur Verfügung hatte.

Ich suche mir einen netten Campingplatz etwas außerhalb und fahre zurück ins Städtchen um mich umzusehen und dem letzten verfügbaren guten Supermarkt zwischen hier und Bamaga einen ausführlichen Besuch abzustatten.

Zunächst geht es noch auf gutem Asphalt weiter, und ich finde einen klasse Wildcamping Platz an den Isabell Falls, wo mich mal wieder ein nettes Paar zum Essen einlädt.

Auch treffe ich eine sogenannte Tag along Tour. Jeder fährt seinen eigenen Wagen aber es gibt ein Führungsfahrzeug mit einem hoffentlich kompetenten Leiter. Als sie hören wo ich hin will, fällt ihnen erstmal kollektiv die Kinnlade runter. Sie kommen von Cape York und können sich mein Vorhaben überhaupt nicht vorstellen. Diese Reaktion wird mir in nächster Zeit noch unglaublich oft entgegenschlagen und bringt mich jedesmal innerlich und äußerlich zum Grinsen.

Nun ist erstmal Schluss mit Lustig, der Asphalt endet und der Spaß beginnt!

Ich erreiche den großen Lakefield National Park, den ich die nächsten Tage durchradeln werde. Es wird herrlich einsam und still auf der Piste. Die Piste selbst ist in gemischtem Zustand, mal kann man super fahren, mal muß ich kilometerweit schieben, da es ein einziges Waschbrett ist und für mich unfahrbar. Natürlich kommt ab und an doch mal einer vorbei und fast alle halten an, und bestaunen diese komische Tante auf einem....FAHRRAD...!??

Mir wird Wasser angeboten und die besorgte Frage, ob alles o.k. sei, habe ich noch niemals so häufig gehört. Auch wird mir natürlich eine Mitfahrgelegenheit offeriert, damit ich möglichst schnell hier raus komme. Das dies genau nicht meine Absicht ist, können die wenigsten wirklich verstehen.

Um den Krokodilverseuchten Lakefield hatte ich mir insofern etwas Sorgen gemacht, da ich nicht wußte, wie tief und breit die zu querenden Flüsse sind, höre nun jedoch von verschiedener Seite, dass es auch für mich kein Problem sei, was mich ungemein beruhigt. Ich genieße den Park und die so wohlbekannte australische Szenerie in vollen Zügen.

Irgendwann hält noch Crocodile Dundee in Form eines Rangers. Woher, wohin? Keine Ahnung, soweit wie ich komme. Er kommentiert das nicht weiter und fragt auch nicht nach einem obligatorischen Campingpermit das man eigentlich vorbuchen müßte, was wohl als Radler schlecht geht. Er meint noch, sie hätten grad ein sieben Meter Croc gefangen und woanders hingebracht, ich solle aufpassen an den Flüssen.

Krokodile, Bären, Skorpione, man macht schon was mit im Leben, haha.

Ich erreiche kurz vor Dunkelheit eine der offiziellen Camp Stellen, nachdem ich vorher vergebens nach einem geeigneten Wildcampingspot Ausschau gehalten hatte und mache mir schnell ein paar Nudeln, bevor ich mir im nahen und sehr klaren kleinen Strom den Dreck des Tages abwaschen kann. 70 Kilometer heute trotz teils mieser Piste, nicht schlecht.

Den darauffolgenden Abend finde ich einen super Platz plus gefahrfreiem Wasserzugang und habe satte 85 Kilometer gemacht.

Leider gibt es auch hier immer mal wieder überfahrene Kängurus, die lebenden sind einfach zu schnell weg für meine Kamera. Unglaublich viele schwarze Kakadus bevölkern die Gegend, Australien pur.

Ich erreiche die Hauptachse bei Musgrave Station, der Tag lief wieder mal super. Als ich auf den Camping komme, fängt doch tatsächlich ein Teil der zahlreichen Camper an zu klatschen, viele hatten mich in den letzten Stunden überholt. Ich gönn mir eine riesen Portion Pommes, ein paar Bier und eine feine Dusche. Der Chef hat ein paar Sweeties, also Süßwasserkrokodile im Teich an dem ich recht nah zelte und lockt sie zur allgemeinen Belustigung mit Futter. Süßwasserkrokodile sind harmlos, da Pflanzenfresser und wesentlich kleiner mit einer langen, schmalen Schnauze, die werden nachts nicht versuchen, mich aus dem Zelt zu zerren.

Nun muß ich mich leider einige Zeit auf der Hauptstrecke bewegen, da es hier keine Alternativen gibt. Es sind Ferien und da jeder Aussie der was mit Allradlern am Hut hat, und das sind verdammt viele, einmal im Leben nach Cape York gefahren sein muß, ist im Moment entsprechend viel los. 10 Kilometer hinter Musgrave beginnt ein bisher nicht gekanntes Elend. Die Piste wird extrem schlecht. Sie ist zwar angenehm breit, doch das tiefe Waschbrett ist mit das Schlimmste, dass ich seit langem gesehen habe, zudem kommt über weite Strecken noch Sand hinzu, der absolute Killer für jeden Fahrradfahrer. Auch die Staubentwicklung der Fahrzeuge ist richtig übel und trifft mich voll. So heißt es Tuch über Nase und Mund, Augen zu und durch. Da ich minimum den halben Tag schieben muß, werden es heute nur 50 Kilometer, womit ich unter diesen Gegebenheiten durchaus zufrieden bin.

Ich finde einen schönen versteckten Platz zum Übernachten und hoffe morgen auf eine Besserung.

Zunächst wird es nicht wirklich besser, doch 35 Kilometer vor Coen beginnt super neuer Asphalt. Ich treffe Brian, der einzige Radler der außer mir hier oben noch unterwegs ist und nach Süden fährt, natürlich wurde mir darüber schon berichtet. Er schimpft über den Telegraph Track für den er mit seinen dünnen Reifen eindeutig falsch gerüstet ist und am Ortseingang von Coen fängt mich die Polizei ab und will partout meine Daten aufnehmen, dann haben sie mich gleich auf dem Schirm, falls ich verloren gehe, haha.

Hinter der Dorfkneipe gibt es ein schönes großes Campingareal mit allem, was man sich wünscht. Das Feierabend Bier ist lecker, die Pizza leider mäßig, der nette Besitzer setzt sich auch noch zu mir und ich bin wieder frisch gestärkt für das, was da nun kommen möge.

Es gibt wieder einige Laufphasen, doch tendenziell wird es etwas besser. Als ich so vor mich hin laufe, kommt ein Roadtrain hinter mir angefahren und wird langsamer und langsamer. Ungewöhnlich, denn hier nimmt fast keiner Rücksicht auf eine Radfahrerin und dann steht er. Er öffnet die Tür, schaut mich an, als wenn er sagen wollte: Mensch Mädel, bist du eigentlich noch ganz bei Trost? Er sagt aber nur: "Are you o.k.?" "Ja, klar", grinse ich, "alles bestens, ich liebe es, wirklich, vielen Dank!" Die Zweifel an dieser Aussage stehen ihm ins Gesicht geschrieben, aber er zieht von dannen. Ich erreiche das Archer River Roadhouse. Ich liebe Roadhäuser, denn sie sind ein Stück willkommene Zivilisation in der Mitte vom Nichts, haben fast immer einen einfachen aber meist guten und preiswerten Campingplatz, es gibt was zum Essen und Trinken und ist außerdem Treffpunkt für alle, die unterwegs sind und auch für die Einheimischen der Gegend. 

Der Fischburger ist gut, die Dusche sowieso und eine Überraschung gibt es am nächsten Tag, Asphaltstrecke bis zum Abzweig nach Weipa, wo ich abbiege in ruhigeres Gebiet.

Gerade als ich glücklich grinsend vor diesem Abzweig einen kleinen Berg in schnellem Tempo auf einem dieser neuen Asphalt Abschnitte runterrolle, höre ich plötzlich ein lautes Gegröle, Gepfeife und Klatschen. Als ich überrascht nach links schaue, sehe ich eine ganze Horde Straßenarbeiter auf einem Hügel stehen, die mich irgendwo überholt haben müssen. Ich bekomme nur noch schnell ein Winken zustande, ach, ist das herrlich hier oben.

Ich finde einen ganz guten Platz zum Campen, wie immer fechte ich einen Kampf mit den Ameisen und plötzlich sind auch lästige Fliegen da, die einem ständig ins Gesicht wollen und ich dachte schon, in den trockenen Monaten würde man davon komplett verschont.

Dieser Abschnitt verläuft super, eine klasse Piste zum radeln und sehr wenig Autos. Ich stoße wieder auf die Hauptpiste und gönne mir eine Cola an der Old Moreton Station. Als ich dort einlaufe, fängt eine Horde Allradler die mich kurz zuvor rücksichtslos im hohen Tempo überholt haben, sodass meine ausgestreckter Stinkefinger für sie im Rückspiegel leider nicht zu sehen war, an zu klatschen. Danke, danke, sowas kenn ich schon und neiiin, ich habe keine Angst und jaaa, es macht Spaß und yes, ich bin ein tough Girl, haha! Die letzten 40 Kilometer bis zur Bramwell Junction werden aufgrund der rücksichtslosen Raser in Verbindung mit dem aufgewirbelten Staub nochmal heftig, zeitweise bekomme ich richtig Angst, über den Haufen gefahren zu werden. Doch dann ist es geschafft, hier verlasse ich die Hauptpiste morgen und biege auf den Abschnitt ab, auf den ich mich so lange gefreut habe, den berühmten Telegraph Track.

Zunächst aber schlage ich mein Camp auf der großzügigen Wiese des Bramwell Roadhouses auf und order einen riesen vegetarischen Burger. Fasziniert beobachte ich anschließend, wie dunkelbraunes Wasser in die Duschtasse läuft.

Wow, heute hat sich die Dusche definitiv gelohnt. 

Am Morgen, ich lasse mir heute viel Zeit und beobachte, wer so alles ankommt und vorbeifährt, hält zunächst einer von den zum Touristentransporter umgebauten Allrad LKW und diverse Leute strömen auf mich zu und beglückwünschen mich. Sie hätten mich schon öfter überholt und bestaunt. Kurze Zeit später hält ein Typ, kommt auf mich zu und schreit" Lisa, schau mal wer hier ist, die Verrückte auf dem Fahrrad"!!

Also, bis jetzt haben sie sich ja alle zurückgehalten und nun spricht tatsächlich mal einer aus, was alle denken. Ich könnte mich ausschütten vor Lachen, sie sind einfach köstlich.

Auf geht es auf den Telegraph Track, ich bin gespannt, was mich erwartet.

Nach einem kurzen Stück sandiger aber fahrbarer Piste, ist schon wieder Schluss, denn ich stehe an einem der berühmt berüchtigten Abgänge, an dem so mancher Allradler das Gruseln kriegt. Alles sammelt sich am Palm Creek, wo es fast senkrecht einige Meter abwärts und gegenüber sehr steil wieder hoch geht. Zwar gibt es auch einen Chicken Track, also eine leichtere Umfahrung aber die ist hier auch sehr steil, rutschig und matschig. Bald kommt einer der sich traut und alle halten die Kameras bereit.

Ohne Winde läuft hier absolut gar nichts. Irgendwann wechsel ich zum Chicken Track, den auch ich hoch will, was aber auch für einen Radler nicht so ohne weiteres machbar ist, denn es ist auch hier steil und glitschig. Ich muss alles vom Fahrrad nehmen und benötige jemanden, der mein Fahrrad annimmt. Hilfe ist ja zum Glück reichlich vorhanden. Ich habe Stunden hier verbracht, bevor es auf wunderschöner hervorragend fahrbarer Piste weitergeht. Für Abwechslung sorgt der ein oder andere Creek, wo ich aufgrund der Tiefe auch nochmal die Packtaschen abnehmen und mehrfach durchwaten muß. Der Telegraph Track wurde angelegt, um ein Telegraphen Kabel zu verlegen, welches den abgelegenen Stations hier oben eine Kommunikation mit der Aussenwelt ermöglichte, was per Morse Code von 1885 bis 1962 ablief, danach verlief hier noch ein Telefon Kabel bis auch das 1987 endgültig ausgedient hatte. Viele Masten sind noch am Weg zu sehen.

Nachmittags schlage ich mein Camp an einem kleinen Fluss mit Wasserfall auf, perfekt.

Nach weiterer sehr abwechslungsreicher Strecke, die mal sandig mit Laufphasen verläuft, mal fahrend und reichlichen Creek Crossings die alle problemlos machbar sind aber teils steil und glitschig, erreiche ich den berühmten Gunshot Creek.

Hier hat sich schon eine stattliche Anzahl Leute versammelt und tatsächlich, ich habe Glück, eine Gruppe geht den fast senkrechten Abgang des Gunshot an.

Langsam läßt man die Autos hineinrutschen, befestigt das Windenseil und läßt sich von einem Kollegen hinausziehen, denn der Wagen liegt vorne auf und kommt allein nicht raus. Auch wenn es sich um gut gerüstete Gruppen handelt, darf man nicht vergessen, dass man sich hier in der Mitte vom Nichts weit weg der Zivilisation befindet, sowas würde bei uns kaum jemand auf dem Übungsgelände machen, Respekt.

Die Australier haben den Offroad Anhänger perfektioniert. Wohl nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so dermaßen gute und vielfältige Auswahl wie hier und selbstverständlich wird der ein oder andere auch über diesen Track geschleift. 

Die Hänger nehmen aber doch lieber die Chicken Umfahrung, ich nehme einen kleinen Seiten Track am Gunshot, was natürlich nicht ohne Abräumen des Fahrrads und reichlich Glitsch machbar ist.

Ich fahre noch ein Stück und finde einen klasse Platz oberhalb des Cockatoo Creek, der breit und wie immer glasklar ist. Hier entdecke ich das einzige Krokodil Warnschild, was mich und die Aussies nicht abhält, diesen tollen Creek zu nutzen. Die Aussies stellen ihre Stühle in den Fluss und schauen ihren Kids beim Spielen zu, sehr unwahrscheinlich, dass hier was großes, böses lauert.

Ich erreiche die Elliot Twin Falls, sehr schön, jedoch Camping nur mit Permit. Ich fahre ein Stück zurück und finde direkt am Track einen guten Platz und weiche mich in das herrlich klare Wasser mit kleinen natürlichen Pools ein, einfach klasse.

Ich bin natürlich nicht die Erste, die hier hoch radelt, jedoch ist das immer noch eher selten, was, wie man mir erzählt, mich zum "Talk of the Cape" in dieser Saison macht. Mein Respekt gilt diesem Mann, der es 1918 machte, 10 Jahre vor dem ersten Auto!

Die Strecke nach Nolans Brook erweist sich als recht anspruchsvoll, heißt, eine Mischung aus steinig, sandig, schräg, ausgewaschen und diverse Creek Crossings. Zweimal muß ich das Fahrrad abladen und alles in mehreren Etappen durchtragen. Laut Aussage von jemandem unterwegs, wäre Nolans Brook für mich nur schwimmend machbar. Zu oft habe ich schon Leute getroffen, die übertreiben, weshalb ich negativen Aussagen keinen Glauben mehr schenke, bis ich mir selbst ein Bild gemacht habe. Nach Überquerung einer schmalen Holzbrücke stehe ich zunächst mal an einem großen Creek der breit und trübe ist, weshalb natürlich gleich die Krokodile in die Gedanken hüpfen. Die Autos müssen durch eine relativ tiefe Furt, doch ich finde was kürzeres, flacheres und niemand stürzt sich auf mich.

Dasselbe gilt für Nolans Brook selbst, abladen, alles rüber tragen und den hier glasklaren Fluss mit schönen tiefen Löchern zum einweichen genießen. Allein wegen dieser Möglichkeiten ist dies schon eine absolute Top Tour. Bei keiner Flussquerung war ich tiefer als bis zum Po im Wasser und die Crocs? Die glänzen hier mit Abwesenheit, da der Track nicht auf Meeresniveau liegt.

Für diese Aussage übernehme ich trotzdem keine Garantie!

Hier am Nolans Brook gefällt es mir so gut, dass ich zwei Nächte bleibe. An diesem Nachmittag ist noch einiges los. Mehrere Gruppen eiern durch den Creek, die meisten kommen nur mit Seilwinde durch. Bei einer Rentner Truppe hat sich einer aus seinem neuen Land Cruiser ausgeschlossen, während der Schlüssel innen steckt, hat der sich selbst verriegelt und alle Fenster oben, moderner Schrott halt.

Hilfsbereite Offroader sind genug anwesend, doch es gelingt nicht, irgendwie in das Teil einzubrechen ohne Schaden anzurichten. Der Oldie schläft bei den Kumpels und am Morgen müssen sie bis zur Jardine River Ferry fahren, um Netz zu finden und den in Bamaga sitzenden australischen ADAC rufen zu können.

Auffällig ist, dass man leider kaum noch den guten alten, oder eben auch die neueren Versionen des HZJ sieht. Sie sind abgelöst worden durch die "Weichgespülten" wie ich sie gerne nenne. Warum ist völlig klar, Nissan, Mazda und Co. sind deutlich preiswerter und machen auch ihren Job. Wobei ich bezweifle, dass dies auch 20 Jahre und 300 Tausend Kilometer später so noch der Fall ist.

Am Morgen lasse ich das Zelt stehen, und mache mich auf für das Finale. Über eine sehr sandige Piste erreiche ich den Jardine River und damit auch leider das Ende des Telegraph Tracks. Hier hat man früher mal den Fluss gequert, sieht für mich nicht so aus, als wenn das noch ginge, tief sieht er hier aus und es sollen ein Haufen Crocs drin sein. Somit benutzt nun jeder die Fähre, die an der Hauptstrecke, der Peninsula Developmental Road liegt. Irgendwo soll aber noch eine Querung möglich sein, für mich allerdings lieber nicht.

Am Morgen heißt es Abschied nehmen, leicht fällt es nicht und sobald ich auf der Hauptpiste bin, geht die Raserei wieder los mit der entsprechenden Staubentwicklung. Ich erreiche die Jardine River Fähre und Mr. Ferryman nimmt mich umsonst mit, Radfahrerbonus eben. Auf der anderen Seite hält mal wieder jemand und will mich und das Rad aufladen, um mich aus diesem Elend zu befreien aber dafür bin ich ja nicht hier.

Ich fahre nach Seisa und campe am Alu Beach, wo es einen schönen, einfachen Campingplatz gibt. Die letzten 30 Kilometer waren nochmal richtig heftiges Waschbrett und so sehr ich die rote australische Erde liebe, brauche ich heute mal wieder eine besonders intensive Dusche.

Ich fahre nach Bamaga, das nördlichste Städtchen, wo es einen recht gut sortierten Supermarkt gibt und, wenn man Glück hat, auch ab und zu mal funktionierendes Wifi. Am Loyality Beach Camp ist es voll und ich treffe das nette Quartett, welches ich über den ganzen Telegraph Track immer wieder getroffen habe. Sie waren schon am Cape und lassen sich viel Zeit hier oben, welches diese tolle Ecke Australiens auch definitiv verdient.

Bevor die letzte Etappe beginnt, versuche ich in Bamaga noch meinen Rückweg zu organisieren, was letztlich auch gelingt. Dann geht es Richtung Tip aber nicht ohne eine weitere Übernachtung im Busch mit privatem Wasserzugang. Am nächsten Tag erreiche ich das Tip nach einer wunderbaren Fahrt durch Regenwald. 

22 Tage, die ich nicht vergessen werde, ein klasse Trip zum Tip!

Wunderschön ist es hier oben, ich lege das Fahrrad in die Büsche und laufe den Rest bis zum berühmten Schild. 150 Kilometer sind es noch bis Papua Neuginea.

Ich treffe einmal mehr jede Menge Leute die mich unterwegs gesehen haben und fahre zurück nach Bamaga, wo ich mir in der Dorfkneipe erstmal ein paar Bierchen gönne und mich mit einem netten einheimischen Aboriginie unterhalte. Ich frage ihn, ob sie tatsächlich immer noch die vom Aussterben bedrohten Seekühe fangen. Ja, meint er, die schmecken ganz gut. Er ist 53 Jahre alt und noch nie aus diesem Kaff raus gewesen, hat eine kleine Wohnung und ist zufrieden. Ich hatte diverse Begegnungen mit den Ureinwohnern und sie sind mir hier oben durchweg positiv und aufgeschlossen begegnet. Das mit den Seekühen sollten sie aber vielleicht nochmal überdenken.

Ich fahre raus zum 10 Kilometer entfernten Flughafen und schlage mich kurz davor in den Busch, denn die Skytrans Maschine geht morgens relativ früh.

Skytrans berechnet nichts extra für das Rad und nach einem kurzen Zwischenstop und schöner Sicht auf das nördliche Barrier Reef, bin ich zurück in Cairns.

Die Idee war eigentlich, noch nach Alice Springs zu fliegen und den Larapinta Trail zu laufen. Aktuell ist dort die gute Saison und entsprechend teuer sind die Flüge, zumal die billige Quantas Konkurrenz Alice nicht anfliegt. Ich muß das Vorhaben auf das nächste Mal verschieben, wenn ich sowieso in Alice vorbeikomme, wann immer das sein wird aber klar ist auch, ich komme wieder, dann wieder richtig lang, eine unendliche (Liebes) Geschichte eben.

Ich stelle das Fahrrad auf Gumtree, ein Verkaufsportal und schwupps, schon ist es gut verkauft. Dann ziehe ich nochmal ins Sharehouse, genieße den Luxus eines gigantischen bestens sortierten Supermarktes um die Ecke und lasse es mir gutgehen, bevor ich mir noch ein paar Tage in einer meiner Lieblingstädte gönne, Sydney.

Ich habe mich im Harbour YHA eingemietet, das Hostel mit der besten Lage in der Stadt, zwei Minuten vom Hafen mit gigantischem Blick auf diesen. Die Dachterrasse läßt selbst Luxushotels vor Neid erblassen.

Vier Tage Großstadt reichen mir dann aber auch, selbst, wenn es Sydney ist.

Nach dem Flugzeugwechsel in Santiago de Chile, geht es mit fantastischer Sicht auf die schneebedeckten Anden zurück nach Montevideo, wo Wally auf mich wartet, um den Weg nach Patagonien anzutreten.

 

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