Murrillo, Manizales, Nevado El Ruiz, Filandia, Salento, Valle de Cocora, Toche, Ibague, Desierto de Tatacoa, San Augustin, Popayan, Pasto, Las Lajas

Über Schleichwege Richtung Nordwesten, umfahre ich Bogota weiträumig auf einer sehr schönen Strecke die zwar teilweise ausgebaut ist, aber durch den immensen LKW Verkehr der in diesem Land auf fast allen Hauptstrecken tobt, nicht wirklich immer ein Vergnügen. Damit wäre ich bei einem leidigen Thema: durchgeknallte Kolumbianer hinterm Steuer!

So nett sie auch größtenteils sind, sobald sie hinterm Lenkrad oder auf dem Moped sitzen, vollzieht sich offenbar irgendeine Wandlung die das Hirn ausschaltet und den Gasfuß an.

Es gibt wohl kaum einen Reisenden, der in diesem Land nicht irgendeine haarsträubende Situation mit beinahe Kollision hinter sich hat. Überholt wird an jeder erdenklichen Stelle, uneinsichtige Kurven sind dabei besonders beliebt, so nach dem Motto, wieso sollte da ausgerechnet jetzt einer entgegen kommen, jetzt komm doch Ich! Die schwer beladenen LKW schleichen auf den Bergstrecken hoch und runter wie die Schnecken. Ich sitze oft nur völlig fassungslos im Auto und schaue mir das Treiben an, während mal wieder ein Todesschwadron an mir vorbeizischt und noch so gerade haarscharf vorm anrauschenden Gegenverkehr irgendwo weiter vorne einschert. Irgendwann habe ich mir die Strategie zurecht gelegt, wenn irgend möglich hinter was Großem mit Abstand zu fahren, sodass der Gegenverkehr erstmal in den und nicht in mich knallt. In den Städten und größeren Orten ist es auch immer lustig, denn dort bestechen Heerscharen von Motorrad und Mopedfahrern mit ihren eindrucksvollen Fahrkünsten. Manchmal vergisst man einfach, dass auch vorzugsweise rechts überholt wird obwohl dafür eigentlich gar kein Platz vorhanden ist. In einem Kaff nehme ich um ein Haar erst einen Mopedfahrer aufs Korn um anschließend im selben Kreisel einem von rechts aus dem Nichts schießenden Fahrradfahrer in letzter Sekunde auszuweichen indem ich das Lenkrad scharf herumreisse.

Keine Frage, an diesem Abend brauche ich zwei Bierchen. Den Kolumbianern hätte man besser nie mehr als ein Seifenkistensteuer in die Hand gegeben, alles andere ist schlicht lebensgefährlich. Tut mir leid liebe Kolumbianer, in Deutschland ist es auch alles andere als Toll aber ihr toppt bisher alles.

Wie das so ist mit der menschlichen Psyche, treten irgendwann gewisse Gewöhnungs und Abstumpfungserscheinungen auf und das ist auch gut so.

Ich begebe mich in die Ebene in ein kleines Kaff namens Tobia, nett am Fluss gelegen wo ich Vögel beobachte die aber nicht wirklich vor die Linse wollen und einfach mal kurz die feucht/schwüle Hitze genieße.

Ich biege auf die 43 nach Süden ab und bald mal nach Westen Richtung Murrillo. Schöne Ausblicke säumen den Weg, kaum Verkehr. In Murrillo endet der Asphalt und die Piste sieht übel aus. Da mein Navi auch nichts mehr weiß, erkundige ich mich vorsichtshalber, ob dies wirklich der Weg nach Westen und Manizales ist, ja, ist es. Schön ist es hier oben, leider gibt es keinerlei Möglichkeit, irgendwo vernünftig für die Nacht zu parken so dass ich letztlich auf der Piste übernachten muß, was bei dem kaum vorhandenen Verkehrsaufkommen kein Problem darstellt.

Es wird recht frisch und morgens um 7 bin ich schon wieder auf Piste, denn es ist nur noch extrem langsames Vorankommen auf der steinigen, löchrigen was sich Piste nennt.

Ich schraube mich immer höher, der 5300 Meter Nevado El Ruiz kommt in Sicht. Wally schafft es ganz gut auf 4000 Meter wo nun herrliches Bergpanorama dominiert. Auf dem Pass sind einige finster aussehende Gestalten mit Mulis, die mit Milchkannen beladen sind unterwegs. Nach fast 5 Stunden Geschleiche über diese raue aber tolle Piste, erreiche ich Asphalt und Wally hat dann doch mal beschlossen schön blau zu qualmen und damit auch die Fahrerkabine zu verpesten.

Hinter Pereira gibt es ein kleines Örtchen namens Filandia welches ich ansteure, da Engländer dort eine alte Bude gekauft haben und Camper aufnehmen. Ich bin nun hier im Kaffeegürtel des Landes. Leider trinke ich ja keinen aber man bietet mir zur Begrüßung einen Tee an. Hier im und am Haus gibt es noch verdammt viel zu tun und obwohl die Gegend wirklich nett ist, frage ich mich immer wieder, was Ausländer wohl dazu veranlasst in dieses oder jenes Land oder solch eine Gegend zu ziehen. 

Der Regen holt mich mal wieder ein, es schüttet die ganze Nacht. Morgens kommt die Sonne raus und ich bleibe noch eine weitere Nacht, bevor ich mich auf nach Salento und ins Valle de Cocora mache. Dort wachsen die berühmten Wachspalmen die übrigens von Alexander von Humboldt entdeckt wurden und als die höchste Palmenart der Welt gilt sowie der Nationalbaum ist.

Ich parke ganz am Ende der Piste, schmeisse mich ins Regenzeug und stapfe durch den Morast den höchsten Palmen entgegen die sich weitestgehend in Nebel hüllen. Trotzdem haben auch solche Bilder einen gewissen Reiz und ich schaue mir auf dem Rückweg noch den kleinen bunten Ort an, der mich aber mal wieder nicht lange hält und fahre anschließend zu einem Hostel etwas Außerhalb.

Hier muss ich leider feststellen, dass sich eine Gasdruckfeder des Klappdaches verabschiedet hat, welches mir das Aufklappen nun zukünftig erstmal sehr erschweren wird.

Kühl und regnerisch aber herrlich grün ist es hier und nach zwei Tagen fahre ich wieder durch Salento, um die Piste durch abgelegenes Gebiet in Richtung Toche und weiter nach Ibague zu nehmen.

Wie immer ist es ein langsames Vorankommen, doch ich werde mit schönen Aussichten und herrlichen, ganzen Wachspalmenwäldern belohnt wie sie so bei Salento nicht mehr existieren. Ich benötige viel Zeit, bis ich irgendwann wieder auf die schreckliche Hauptstrecke mit ihren schleichenden LKW Kolonnen stoße.

Langsam aber sicher geht es abwärts. Ich übernachte an einer Tankstelle und komme mächtig ins Schwitzen. Über eine nette Nebenpiste nähere ich mich dem Desierto de Tatacoa. Leider ist langes Wochenende und jede Menge Kolumbianer, bei denen sich mittlerweile eine beachtliche Mittelschicht gebildet hat, ist auf den Beinen. Ich tue mich schwer, ein ruhiges unbevölkertes Plätzchen zu finden, werde dann aber doch noch fündig. Am Morgen treffe ich die Belgier, die ungeschickterweise auf einer Art Campingplatz waren und die ganze Nacht von Musik zugedröhnt wurden. 

Mich beeindruckt diese kleine Wüste hier jetzt nicht wirklich, zumal sie von Ziegen und Rindern überweidet ist aber schön warm ist es um nicht zu sagen, brüllend heiß.

Es geht zurück auf die Hauptstraße nach Neiva und dann immer nach Süden bis San Augustin wo ich mich für zwei Tage auf der total durchweichten Wiese neben den Belgiern niederlasse und das erste Mal beobachten kann, wie diese tolle Familie mit ihren drei Kindern den Campingalltag meistert.

Die San Augustin Kultur datiert man bis auf das 33 Jahrhundert vor Christus zurück. Dies ist die berühmteste präkolumbianische Stätte die wegen ihrer monolithischen Stein und Felsskulpturen von derer bisher 400 entdeckt wurden bekannt ist. Es gibt verschiedene Phasen und warum sie letztlich aufgegeben wurde, weiß natürlich kein Mensch. Es gibt beim Städtchen San Augustin ein Areal von beeindruckenden Steinfiguren und verstreut in der Gegend, teils abgelegen noch viele kleinere Stätten. Ich besuche die Hauptstätte sowie Los Idolos wo ich,

natürlich zusammen mit den Belgiern, direkt vor den Toren eine ruhige Nacht verbringe.

Die Fünf wollen die sogenannte Death Road von Mocoa nach Pasto nehmen die stark Erdrutsch gefährdet ist. Bedingt durch eine extrem intensive Regenzeit, hat es in Mocoa im März einen verheerenden Erdrutsch mit hunderten Toten gegeben. Auch Ecuador und Peru wurden nicht verschont. Ich habe keine Lust auf Regen und Erdrutsche und nehme die Strecke nach Popayan unter die Räder die sich die letzten 50 Kilometer als ganz übel rausstellt. Ich schaukel stundenlang von einem Loch ins nächste und bin völlig erledigt, als ich in in Popayan ankomme. Nach einer Nacht verlasse ich die Stadt und mache mich auf nach Pasto. Ich kurve durch eine tolle zerklüftete Landschaft und komme an einem Hostel unter. In Pasto, der letzten größeren Stadt vor der Grenze, versuche ich mal wieder mein Glück bei Toyota. Ja, alles vorhanden nur leider in der Hauptstadt die ich ja nun partout nicht besuchen wollte.

Las Lajas soll die letzte Station im Land sein. An der Station der Seilbahn, die hinunter zur berühmten Kirche führt, darf man über Nacht stehen. Die Fünf sind schon da und haben etwas Stress auf der Mocoa Strecke wegen Stau bedingt durch Erdrutsch gehabt aber letztlich alles gut überstanden und waren auch schon mit der Seilbahn bei der Kirche.

Ich besuche die tief in einer Schlucht liegende Kirche am Morgen und begebe mich anschließend nach sechs Wochen in diesem schönen Land, welches mir gut gefallen hat aber nicht mein Lieblingsland auf diesem Kontinent werden wird, zur nahe gelegenen Grenze von Ecuador.