Cotopaxi, Quilotoa Loop, Chimborazo, Salinas, Alausi, Ingapirca Ruinen, Cuenca, Saraguro, Podocorpus Nationalpark, Vilcabamba, La Balsa

Der Cotopaxi hüllt sich in Wolken, ich treffe alte Bekannte und fahre dann mal Richtung höchstem Parkplatz die Piste hoch, bangend, was wohl über 4000 Meter passiert. Wally, ohne Turbolader von Hause aus, schlägt sich gut, zwar langsam und stotternd aber wir schaffen es auf den 4500 Meter hohen Parkplatz wo es stürmt und kalt ist. Egal, ich brauche Höhenanpassung und latsche zum Refugio auf 4864 Meter. Mein persönlicher Höhenrekord liegt bei 5400 Meter, da geht also noch was. Runter geht es von ganz allein und auch Wally brauche ich einfach nur rollen lassen. Ich stelle mich auf den Parkplatz am See und beobachte die tollen Wolken/Sonne Spiele und ziehe zur Nacht auf den offiziellen Campingplatz etwas tiefer auf 3700 Meter um, den ich mir nur mit einem Fahrradfahrer teile, der tollste Platz, seid ich die Staaten verlassen habe. Der höchste oder zweithöchste aktive Vulkan der Welt, da ist man sich wohl nicht ganz einig, 5897 Meter, lugt ab und an mal durch die Wolken doch das genügt mir nicht, ich bin schließlich nicht über 80000 Kilometer gefahren, um mich damit abspeisen zu lassen. Ich feiere „Vierjähriges“ in den Amerikas und nachts geht es nur auf plus 10 runter, morgens kann man keine 3 Meter weit gucken, so dicht ist der Nebel, ich warte, und wenn es eine Woche dauert!

Tags darauf regnet und stürmt es, ich laufe mich warm rund um den Campingplatz und versetze den Wagen hinter eine Hecke. Eine halbe Stunde später traue ich meinen Augen nicht, er ist da, in voller Pracht und im besten Abendlicht. Ich stelle das Stativ auf, lasse das Abendessen verkochen und mache eine Million Fotos.

Am nächsten Morgen steht er immer noch völlig frei da, ich schmeisse die Klamotten zusammen und düse Richtung Berg. Zum zweiten Mal geht es zum Refugio und diesmal bei bester Sicht auch auf umliegende Vulkane, noch ein Stück höher für mich, bis der Berg einfach zu steil wird, doch der Gletscher ist nah und die Aussicht klasse. Zufrieden stelle ich mich eine weitere Nacht auf den tollen Platz und eise mich am nächsten Mittag los, um an einem freundlichen Hostel grad außerhalb des Parks eine Dusche zu nehmen.

Weiter geht es nach einem Marktbesuch, die Meerschweinchen werden natürlich nicht als Haustierchen gehalten, sondern landen am Spieß oder im Pott, auf den Quilotoa Loop. Ich fahre die ganze Runde, teilweise mit sehr schönen Aussichten, matschigen Baustellen und halb weggebrochenen Straßen und lande auf einem Parkplatz sehr nahe am See, wo auch schon wieder meine spanischen Bekannten stehen. Wir hoffen morgen auf besseres Wetter, denn aktuell regnet es in Strömen hier auf 3700 Metern.

Am Morgen dann tatsächlich ganz gute Sicht auf den Vulkan See aber es ist mir hier viel zu touristisch, reizt mich mal wieder überhaupt nicht, dafür habe ich einfach schon zu viele einsame Vulkanseen ohne schreiende Touristen gesehen. Ich fahre nach Latacunga und weiter nach Ambato. Das Navi führt mich auf eine schöne Nebenstrecke, es geht wunderschön durch einen abgelegenen Canyon und irgendwann zur Hauptstraße von wo ich den ersten Blick auf den höchsten Berg des Landes, 6310 Meter, erhaschen kann. Der Chimborazo wird von den Indigenen hier auch „Taita“, Vater genannt und ist, dank seiner Äquator Nähe, auch der höchste Berg der Welt vom Erdmittelpunkt gemessen. Ich sehe hier die ersten Vicunas, die man erfolgreich wieder angesiedelt hat und fahre zum Eingang, wo ich auf 4400 Metern auf dem Parkplatz übernachte und auf gutes Wetter morgen Früh hoffe, denn mittlerweile hat sich dieser massive Klotz wieder hinter Wolken verschanzt.

Am Morgen ist mir das Glück tatsächlich hold, Chimbo erstrahlt im vollen Glanze. Ich lasse Wally warmlaufen und auf geht es zu unserer bisher höchsten Bergetappe. Ganz langsam, Kurve für Kurve auf der guten Piste, immer den tollen Berg im Blick, stottern und qualmen wir uns höher, dann ist es geschafft und wir stehen am Refugio auf 4800 Metern, yeah, ich bin stolz auf mein Auto. Wir befinden uns hiermit auf gleicher Höhe mit dem höchsten Gipfel Europas, dem Mont Blanc!

Leider steht die Sonne direkt hinterm Berg, sodass es viel zu grell für gute Fotos ist aber sie ist wenigstens da und ich laufe noch auf 5100 Meter bis die Wolken nach drei Stunden wieder dicht machen, was will man mehr?

Ich begebe mich ein Stück zurück, um die Käsefabrik in Salinas zu besuchen, die einst von einem Italiener gegründet wurde, inklusive weiterer erfolgreicher Projekte, um der Bevölkerung eine bessere Lebensgrundlage zu schaffen. Ich erstehe jede Menge vom leckeren Käse und darf auf dem Parkplatz übernachten und die sauberen Toiletten nutzen. In aller Frühe kommen die Hauptlieferanten für dieses Produkt und liefern ihre Rohmilch ab. Toll, dieses Prozedre zu beobachten, alle möglichen Tragtiere werden benutzt, vom Lama über Esel und Maultier oder eben zu Fuss. Hart arbeitende Leute, die hier eine sichere Abnahmequelle für ihre Milch haben, welche sicherlich Bioqualität hat.

Über Riobamba begebe ich mich auf schöner Strecke Richtung Alausi, wo ich am ruhig gelegenen Killi Wasi Hostel unterkomme und dem Besitzer alle verfügbaren Avocados und Eier von glücklichen Hühnern aus der Hand reisse, auch lecker Salat vom Feld gibt es reichlich. Ich bleibe ein paar Tage, wandere ins nahe gelegene Städtchen, wo die Frauen mal wieder ausgesprochen bunte Trachten tragen. Ein Touristenzug verkehrt auf einer wohl sehr schönen Bahntrasse, doch ich begnüge mich damit, ein wenig zu Fuss die Umgebung zu erkunden. 

Aufgrund der heftigen Regenzeit, hat es viele Erdrutsche gegeben und Richtung Süden ist hinter einem Dorf die Trasse noch total verschüttet. Über eine Umleitung geht es auf wirklich schöner Strecke zu den Ingapirca Ruinen, die am besten erhaltenen des Landes, wo die Canari ein Observatorium bauten, später hatten wohl eher die Incas das Sagen. Ich muss mich einer Führung anschließen und übernachte auf dem Parkplatz, ruhig und saubere Toiletten. Abends unternehme ich noch einen netten Spaziergang in die Umgebung, wo Kleinbauern ihre kleinen Schollen beackern und noch ein, zwei Kühe halten, wirkt idyllisch, für die Bauern jedoch sicherlich harter Überlebenskampf.

In Cuenca gibt es nahe dem Stadtzentrum wenig Stellmöglichkeiten, so parke ich mich neben die Spanier auf einen Parkplatz und erkunde ein wenig die Stadt. Irgendwas findet hier dieses Wochenende statt, alle möglichen und vorneweg Süssigkeitenstände sind aufgebaut. Nette Kirchen und Gebäude, doch ich bekomme sofort Probleme mit den Abgasen, die mal wieder in rauen Mengen in den verstopften Strassen ausgestossen werden und bin gerade dabei zu flüchten, als ich mitten auf einer Kreuzung Ilka und Günther entdecke, die einen Süssigkeitenstand inspizieren. Eine Weile quatschen wir auf der Kreuzung, verlegen uns dann aber lieber in die Eisdiele. Die Beiden stehen auf einem Pferdehof etwas außerhalb und ich beschließe später, dort morgen auch noch für eine Nacht hin umzuziehen. Ich schaue mir noch einen Laden mit Panama Hüten an und bekomme eine kurze Demonstration der Herstellung. Der Hut ist nämlich ein echter Ecuadorianer und heißt vermutlich Panama Hut, weil viele Arbeiter die am Panama Kanal bauten, diese stabilen Hüte trugen. Eigentlich ist es ein Montecristi, denn in der Region wächst die spezielle Palme, aus der das Material für die Hut Herstellung stammt. Es ist verführerisch aber zum Glück habe ich ja keinen Platz. Noch schnell was einkaufen, Geld ziehen und weg hier.

Ich hätte es gern mal ein wenig wärmer, und entdecke auf Ioverlander das Gästehaus Hibiskus etwas abseits meiner geplanten Route aber was solls. Ich melde mich an und werde von Franziska, die Schweizerin ist und Dan, Amerikaner, herzlich auf ihrem schönen Grundstück aufgenommen. Ein schöner Garten, tolle Sanitäranlagen und eine Waschmaschine sowie gutes Wifi lassen mich eine Woche verweilen und wieder ist es interessant zu erfahren, wie es so geht als eingewanderter Ausländer. Franziska gibt zu, dass es fast unmöglich ist, engeren Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen, so lebt man quasi in seinem eigenen Kosmos. Dies waren mal wieder interessante, nette Gastgeber und ich mache mich auf nach Saraguro, wo am nächsten Tag ein schöner Markt stattfinden soll. Man merkt, dass man dem Kartoffelland Peru schon ganz nah ist, eine unübersichtliche Zahl an verschiedenen Sorten wird angeboten, der Markt ist jedoch sehr klein.

Auf dem weiteren Weg bietet sich ein Abstecher in den Podocarpus Nationalpark an. Wie immer ist der Eintritt frei und eine schöne Piste schraubt sich in die Höhe bis zu einem Refugio, wo ich übernachten darf. Ich erkunde ein paar Wege mit schönen Aussichten.

Letzter Stopp im Land soll Vilcabamba sein, welches damit angibt, die ältesten Bewohner hervorzubringen. In der Tat werden hier wohl viele weit über Hundert Jahre, was schon wissenschaftlich untersucht wurde aber eine plausible Erklärung gibt es dafür nicht. Ich unternehme erstmal einen Rundgang durchs kleine Örtchen und stelle fest, dass die Cafe`s und Restaurants von hier offensichtlich ansässigen Amis bevölkert werden, die vermutlich danach streben, es den Alten im Dorf gleichzutun. Auch auf einige „Ökos“ scheint das Dorf eine magische Anziehungskraft auszuüben.

Ich komme, wie kann es anders sein, etwas oberhalb bei Schweizern unter und lerne eine nette aber voll krasse englische Veganerin kennen, die hier ein Zimmer für längere Zeit genommen hat und „Digital“ ihr Geld verdient. Außerdem ist da nur noch Amerikaner Steve, der auch ein Zimmer hat und gerade dabei ist, sich ein Haus bauen zu lassen. So erfahre ich, dass man mit 25 Tausend Dollar drin ist, denn dafür erhält man ein Investment Visa mit unbegrenzter Aufenthaltsbewilligung.

Ich benötige für einige Zeit gutes Wifi und da es hier so schön wenig Leute hat, dass Wetter meistens gut ist und ich mich immer schonmal ausführlich mit einer Veganerin unterhalten wollte, breche ich laut Besitzer den neuen Camperlongstay Rekord mit 12 Tagen Aufenthalt.

Ecuador und seine Bewohner haben mir ausgesprochen gut gefallen und wird ganz sicher auf meiner Südamerika Highlight Liste immer mit ganz oben stehen. Ausser aus meiner immer sehr Umweltkritischer Sicht, ich kann einfach nicht anders, gab es an diesem Land nicht viel auszusetzen.

Ecuador, es war toll, ich komme gerne wieder!

Am 8.7. betrete ich mein drittes Land auf diesem Kontinent über den kleinen Grenzübergang La Balsa, Peru, ich komme!