Finca Canas Castilla, Nicoya Halbinsel, Lago de Arenal,Frogs Heaven, Playa Colonia, Osa Halbinsel, Puerto Jimenez

Auf der Seite Nicaraguas bieten sich zahlreiche Helferlein an, den Weg durch das Ausreiseprozedre zu weisen und zu beschleunigen. So was brauche ich wohl kaum, denke ich. Ziemlich schnell bemerke ich allerdings, dass es hier etwas kompliziert zu sein scheint. Ich erkundige mich bei einem Offiziellen, wo ich denn nun hin muss, bekomme aber keine klare Antwort und verstehe die Hälfte nicht. Nach einer erfolglosen Runde auf dem großen Gelände, ist die Verwirrung komplett und ich sehe wohl so verzweifelt aus, dass mich ein Souvenirverkäufer anspricht, an die Hand nimmt und mich zu sage und schreibe 3 verschiedenen Typen bringt, die alle irgendwo rumlaufen und alle ihre Unterschrift auf mein Autoeinreisepapier kritzeln müssen. Zuerst die Bullen, die irgendwo in der Ecke hocken, dann ein Typ der die Autos von Innen inspiziert. Zum Glück kommt grad ein heftiger Schauer runter und damit ist die Sache vom Tisch. Zuletzt noch welche in blauen Shirts und das war es mit Auto. Auch weist mir der nette Mensch den Weg zum richtigen Schalter um meinen Pass auszustempeln, hätte ich nicht gefunden, denn da steht Entrada, nicht Salida. Eine geschlagene halbe Stunde dauert die Warterei wegen abgestürztem Computer, mein Helfer hat sich ein Trinkgeld redlich verdient und ab nach Costa Rica. Die angeblich fürchterlich komplizierte Einreise erweist sich als eine der leichtesten bisher!

Einreise Person: Nichts los, Rückflugticket? „Hab ich nicht, fahre Auto“ Autopapiere bitte und alles ist schnell erledigt.

Gegenüber ist der Autoeinreiseschalter, ein Papier muss ausgefüllt werden, Kopien abgegeben bzw. noch welche gemacht werden von Einreisestempel, Kopiershop ist 200 Meter entfernt, zurück, abgeben, warten. Die Dame sammelt, kommt dann raus und inspiziert mehrere Autos auf einmal, VIN wird abgeglichen, mehr nicht. Ein wenig warten, fertig, geradeaus 300 Meter zu neuem Gebäude fahren, vorher gegebenenfalls Geldwechsler herbeiwinken.

Im augenscheinlich neuem Gebäude wird die Versicherung ausgestellt und schlägt mit über 40,- Dollar zu Buche, einmal um die Ecke noch eine Kopie machen, dann im selben Gebäude zum Schalter nebenan, finale Papiere werden ausgestellt, fertig!

Nach den obligatorischen zwei Stunden bin ich durch und rolle nur noch 40 Minuten zu meiner nächsten anvisierten Unterkunft der Finca Canas Castilla, seit 20 Jahren von Schweizern betrieben und man ist netterweise auch sehr Camperfreundlich. Es handelt sich eher um eine Parkmöglichkeit doch mir gefällt es Bestens, vor allem die saubere Dusche und Klo sind eine Wohltat und es gibt sogar eine Waschmaschine. Jeden Morgen und Abend turnen die Affen durch die Bäume, zwei Sorten gibt es hier, Brüll und Klammeraffen. Ich genieße die Dschungelatmosphäre, kann mich bald vor Affenfotos nicht mehr retten, sehe mehrere Male Faultiere, ein Baumstachelschwein, das Hauskrokodil unten am Fluss und einiges mehr. Ich wandere die von Guido angelegten Pfade über das große Gelände, gönne mir mal, mich an den gedeckten Frühstückstisch zu setzen und schon sind wieder 8 Tage um. Ach ja, Silvester war auch noch, ich versuche es wie immer gar nicht erst bis 12 aber die vorn im Restaurant schaffen es auch nicht!

Nun wird es langsam Zeit, dass ich zum Flughafen der Hauptstadt San Jose´ komme, denn bald landet meine Mutter.

Die ersten zwei Nächte verbringen wir 10 Kilometer entfernt vom Flughafen auf einer Kaffefinca bevor es in die Berge Richtung Vulkan Poas geht. Das Wetter entspricht allerdings so gar nicht unserer Ferienstimmung, je höher wir fahren, desto übler wird der Regen und der Sturm. Wir drehen kurzerhand ab, gurken einen anderen Weg zurück an die Küste durch die wunderschöne grüne Landschaft und werden unterwegs noch von einem langen Stau durch umgestürzte Bäume aufgehalten. Wie wir später erfahren, war dies wohl ein sehr heftiges über Tage anhaltendes Unwetter.

Tags darauf fahren wir nach Punta Arenas, um auf schnellstmöglichen Weg in den Süden der Nicoya Halbinsel zu gelangen. Nach eineinhalb Stunden Überfahrt mit der Fähre, rumpeln wir über Schotterpisten in Richtung des ersten Strandes. Dort soll es einen netten Campingplatz geben, da noch Ferien sind, und dieser Platz jeweils einen Unterstand mit Stromanschluss besitzt, ist er offensichtlich sehr beliebt bei den Ticos, sprich Einheimischen. Wir sind nicht so begeistert uns dazwischen zu quetschen, können aber hautnah beobachten, wie die Einheimischen ihre Campingkultur ausleben was sehr amüsant ist. Von Matratzen über Ventilatoren bis hin zu Gartenrechen schleppen sie alles an, um es sich so richtig gemütlich zu machen. Oma wird in einem Sitzsack unter die Palmen an den Strand gesetzt und alle haben ihren Spaß. Die ersten Aras schreien in den Bäumen und am Abend ist erstaunlicherweise schnell Ruhe auf dem Platz, trotzdem ziehen wir morgens weiter, wobei für mich erstmal geklärt werden muss, wieso die Einheimischen Ticos heißen.

Anstatt der klassischen Endung im lateinamerikanischen Spanisch mit ita/ito als Verkleinerungsform, benutzen die Costa Ricaner in vielen Fällen bevorzugt eine verniedlichte Verkleinerung die dann mit ica/ico endet wodurch das Ganze entstanden ist.

Wir landen in Cabuya, ganz im Süden der Halbinsel, ein kleines Kaff mit einigen Touristenunterkünften und nettem Strand der aber nicht zum schwimmen geeignet ist. Wir fahren ein Stück südlich und finden einen geeigneten Platz fast ohne Menschen der mir auch sicher erscheint und schlagen hier für die nächsten drei Tage unser Lager auf, damit ich erstmal in Ruhe meine Schätze verstauen kann. Christel hat sich nicht lumpen lassen und lecker Kekse, Schokolade, Wein, Parmesan und sogar eine tolle neue Bratpfanne mitgebracht, dank der großen Menge an erlaubtem Gepäck in ihrer Buchungsklasse kein Problem. Für sich hat sie vorausschauend ein Klapptreppchen dabei, weil sie sonst nur noch mit Mühe hinten ins Auto käme.

Einen Abend kommt Jan aus Münster vorbei, der hier mit Frau Bettina ganz in der Nähe lebt. Wir fahren nochmal ins Kaff um Mails zu checken und beobachten die Kapuzineraffen beim Versuch, etwas von dem Menschenessen abzugreifen. Einer schafft es mit ganz vorsichtigem anschleichen bis in die Küche, wo er sich blitzschnell einen Pfannkuchen greift. Nachdem wir bei Jan und Bettina noch Wasser nachfassen durften und leckere Limonen geschenkt bekommen haben, geht es quer über die Halbinsel nach Mal Pais, einem Surferhotspot mit wirklich netten Stränden. Wir suchen jedoch was einsames, queren mehrfach den recht niedrigen Rio Bongo und landen zunächst an einem anderen beliebten Strand der Ticos und da auch noch Wochenende ist, gibt es abends reichlich Bumbum vom nahen Restaurant zum Gratiscamping dazu. Weiter über zum Glück nicht stark befahrene Piste, denn der Staub der jedesmal aufgewirbelt wird ist enorm, finden wir die Playa San Miguel, ein herrliches, leeres und sowohl zum Laufen als auch Schwimmen geeignetes kleines Paradies. Stellmöglichkeiten gibt es an beiden Enden, das war es für die nächsten Tage.

Irgendwann setzen wir unsere Fahrt nach Norden fort, und landen im beliebten Küstenort Samara, auch hier und in der nördlichen Umgebung gibt es einige wirklich nette Strände, nichts wirkt überlaufen oder total zugebaut, Häuser werden niedrig gehalten, viel Grün und Natur ist noch vorhanden, mich wundert das zunehmend, wo Costa Rica eine so beliebte Touristendestination ist, wäre dies Thailand, sähe es hier ganz anders aus.

Hier trifft man auch wieder reichlich rasende Touristen mit Mietwagen. Wir haben in den letzten Tagen soviel Staub geschluckt, dass wir beschließen, nicht weiter nach Norden zu fahren wo es noch mehr dieser Spezies gibt und biegen ins Landesinnere nach Nicoya und über Umwege durch kleine Käffer und Kleinbauernland, reichlich Monokultur mit Ananasplantagen, Zuckerrohr und, offensichtlich leider schwer im Kommen, Palmölplantagen, landen wir irgendwann in Liberia und damit auf der Haupt Nord/Südachse des Landes.

Wir begeben uns ein Stück südlich, um dann nach Tilaran abzubiegen und weiter das West und Nordufer des Lago de Arenal zu umrunden. Wie schon zuvor auf anderen Straßen, kurvt man auch hier um teilweise kratertiefe Löcher im Asphalt, was in diesem recht modernen Land dessen erste Einnahmequelle Tourismus ist verwundert.

Im Ort Arenal finden wir ein hübsches öffentliches Wiesengelände direkt am See, wo man frei stehen darf und die Polizei auch regelmäßig vorbeischaut genau wie viele Einheimische bis tief in die Nacht. Tags darauf laufe ich noch zur deutschen Bäckerei, bin aber im nachhinein sehr enttäuscht über die Qualität des Brotes. 

Ein paar Kilometer weiter stoßen wir auf das in Schweizer Hand befindliche Hotel und Restaurant Los Heroes. Der Anblick inklusive Milchkuh und Kälberstall in dieser Umgebung erinnert stark ans Voralpenland. Ich möchte gern mal lecker Rösti essen und so bleiben wir über Nacht auf dem Parkplatz stehen und gehen am Abend ins Restaurant mit karierten Tischdecken und allem drum und dran. Für die Preise sollte man eigentlich eine gute Qualität erwarten dürfen,nun ja, da schweige ich mich lieber aus, vielleicht sollten sie den Koch doch mal für eine Nachschulung in die alte Heimat schicken.

Heute morgen ist der Himmel klar und am östlichen Ufer ragt der 1600 Meter hohe Vulkan Arenal aus dem Dschungel. Wir hüpfen noch kurz in einen herrlichen, heißen Fluss der irgendwo aus den Bergen strömt und wenig später finde ich in Fortuna einen Schweißer, der den längst überfälligen Auspuff professionell schweißt für grad mal umgerechnet 10,- Dollar.

In der nun folgenden Gegend waren wir vor ein paar Wochen schon mal bis uns der Sturm wieder an die Küste trieb.

Wir erreichen südlich von Puerto Viejo „Frogs Heaven“, welches von Jose´ und seiner Familie betrieben wird. Sie haben hier eine Heimat für Frösche und Vögel geschaffen, in einer Gegend, die eher von Abholzung und Ananasplantagen dominiert wird. Jose` spricht exzellent Englisch, hat aber bald eine Vogelbeobachtungstour. Ich will unbedingt die kleinen Giftfrösche sehen und somit gibt er uns einen Discount und wir ziehen mit seinem nur Spanisch sprechenden aber reizenden Vater los. Ich bekomme meine Frösche zu Gesicht und vor die Linse, der Vater ist sehr geübt, die wirklich winzigen aber teilweise sehr farbigen Gesellen aufzuspüren.

Wir buchen, wieder zum Vorzugspreis, für den nächsten Morgen eine Vogeltour und übernachten bei ihm auf dem Parkplatz.

Viel bekommen wir erzählt über Pflanzen, Jose` weiß wirklich alles und Vater stöbert derweil wieder im Gebüsch und fängt eine junge Boa Constrictor. Die Vögel werden durch ausgelegtes Obst angelockt, nun ja, so geht es natürlich auch, hat aber den Vorteil, dass man einfach nur an einer Stelle warten braucht, bis sie einem vor die Linse fliegen, denn es ist ansonsten wirklich sauschwer, die gefiederten Freunde vernünftig vor die Linse zu bekommen.

Wir begeben uns nach Süden und nach einer tollen Fahrt mit Blicken auf den scheinbar völlig unberührten Regenwald des Nationalparks Braulio Carrillo, landen wir zwangsweise viel zu nah in den Ausläufern von San Jose´ mit seinen großen Einkaufszentren und quälen uns zwei Stunden durch die Staus Richtung Cartago. Es geht aufwärts und als wir zum Übernachten auf dem Mirador de Quetzales, einer kleinen Lodge für Vogelbeobachter zum Stehen kommen, staunen wir nicht schlecht, dass wir uns auf 2700 Meter hoch geschraubt haben. Christel jammert über die Kälte, ich finde es nur angenehm, nachts geht es auf sieben Grad runter. Ich beobachte noch schön Kolibris und nach einer wunderschönen, kurvigen Fahrt über die Höhen mit tollen Blicken, erreichen wir San Isidro de El General und wenig später die Küste bei Dominical, der wir etwas südlich folgen bis zum Camping Tecal unweit der herrlichen Playa Colonia gelegen. Von San Isidro wäre eigentlich für mich ein Angang auf den höchsten Berg des Landes, den Chirripo mit 3800 Metern geplant gewesen, leider hat man für Spontangeher die kurzfristig erscheinen, einen Riegel vorgeschoben, so dass die Sache flachfällt.

Hier in Colonia bleibt man gern ein paar Tage, das Meer ist herrlich, schönes Brandungsbaden und perfekte Wassertemperatur um 30 Grad sowie ein kleiner Wiesencampingplatz laden zum Verweilen ein.

Das nächste Ziel soll die weitestgehend unberührte und durch einen großen autofreien Nationalpark geschützte Osa Halbinsel sein.

Ich möchte gerne nach Drakes Bay auf der Westseite gelegen. Somit fahren wir also nach Sierpe, immer an riesigen Palmölplantagen vorbei, und nehmen dort eine bei Bedarf fahrende kleine Fähre auf die zwei Autos passen über den Sierpe River, um dann auf Schotter mit tollen Ausblicken auf das Umland und Küste irgendwann den Weg zu verlieren. Die eine Piste sah nicht so aus als wenn sie irgendwohin geht, wir steuern zurück auf die Hauptpiste und machen mangels Verkehr erst mal Mittag. 

Irgendwann kommt ein LKW dessen Fahrer uns den Weg zur Asphaltstraße weist, so war das eigentlich nicht gedacht aber egal, wir haben so einmal die Halbinsel kreuz und quer durchfahren und Schotterpiste gibt es noch reichlich bis zum Ziel, wo wir zwischen Fußballfeld und Polizei unterkommen. Hier startet eine toller Küstenwanderweg entlang der unberührten Küste, dem ich am folgenden Tag einige Stunden folge. Leider gibt es für Christel keine gute Campmöglichkeit und sowieso ist das hier laut ihrer Beurteilung ein lausiges Dreckskaff. Ich bin wegen dem Park gekommen, muss es aber bei der einen Wanderung bewenden lassen, die meisten Touristen lassen sich per Boot in den Park zu einer Tagestour bringen. Wir begeben uns zurück zur Hauptstraße und weiter südlich ins beschauliche Puerto Jimenez, wo Adonis, der Name ist nicht Programm, umgeben von vielen wilden Tieren, auf einem herrlichen Naturgrundstück eine Campingmöglichkeit anbietet. Massenhaft Aras turnen in den Bäumen am Strand, machen ihre Späßchen und fliegen schreiend über uns hinweg, wir lernen den Ruf des Toucans zu identifizieren, Adonis lockt seine Crocs im angrenzenden Flüsschen mit Hühnchen, wir bekommen das Nest eines Kolibris samt klitzekleinem Küken zu sehen. Adonis schnappt sich mal eben einen großen Leguan, um ihn von Zecken zu befreien, ein echter Naturfreak dieser Mann. Ein lohnenswerter Abstecher, der uns mal wieder einige Tage verweilen lässt, bevor wir den Rückweg gen Norden um die große Bucht des Golfo Dulce und dann weiter nach Süden bis fast an die Grenze Panamas antreten.